Foto: rie

Geschick und Taktik wichtiger als Kraft

20. Januar 2019

Trendsportart Jugger ist mehr als Gladiatorenkämpfe mit Schaumstoffwaffen

Martialisch und total unübersichtlich – der erste Eindruck mit der Trendsportart Jugger, bei der sich zwei Mannschaften bewaffnet zu Trommelschlägen gegenüberstehen, löst Kopfschütteln aus. Erst beim zweiten Hinsehen wird deutlich, dass dabei nicht Gladiatorenkämpfe mit Schaumstoffwaffen nachgespielt werden, bei denen der Stärkere die Oberhand behält, sondern dass es vielmehr auf Geschicklichkeit, Fitness, Konzentration und Teamgeist ankommt. Denn Ziel der vier Waffenträger ist es, ihrem einzig unbewaffneten Mitspieler die Möglichkeit zu schaffen, den Spielball („Jugg“) in der Endzone des Gegners zu platzieren – und wer dies am häufigsten schafft, hat am Ende gewonnen.
„Ich habe Jugger abends im Internet gefunden, als ich nach ungewöhnlichen Hobbys gesucht hatte“. Patrick Cordes war sofort angetan von dem Sport, der in der Region bis dato noch nicht betrieben wurde. Also beschloss er selber, etwas auf die Beine zu stellen und stieß dafür beim TV Jahn Walsrode auf offene Ohren. Nach schwieriger Suche über Flyer und das Internet starteten im Sommer 2018 fünf Spieler in der neuen Jugger-Sparte – mittlerweile ist die Zahl auf zwölf Aktive beider Geschlechter zwischen 14 und 31 Jahren angewachsen.
Als Vorbild für Jugger, das seit Anfang der 90er-Jahre in Deutschland gespielt wird und bei dem es seit 1998 bereits deutsche Meisterschaften gibt, diente der australische Endzeitfilm „Die Jugger – Kampf der Besten“ aus dem Jahre 1989. Während es in dem Streifen bei dem brutalen Spiel ums Überleben ging, ist die jetzige Version deutlich friedliebender. „Sicherheitstechnisch ist auch viel getan worden, man kann sich eigentlich nicht verletzen“, erklärt Patrick Cordes. Auch der etwas furchteinflößende Kettenmann schleudert mit einem gepolsterten Ball herum. Von ihm darf es in jeder Mannschaft nur einen geben, dies gilt auch für den unbewaffneten „Läufer“, der als einziger den Spielball, der die Form eines künstlichen Hundeschädels besitzt, mit der Hand berühren darf. Die anderen drei Teammitglieder rüsten sich mit sogenannten Pompfen aus, von denen es fünf verschiedene Arten gibt, die sich unter anderem durch die Länge unterscheiden. Allen gemein ist, dass die Polsterung rund und sorgfältig ausgeführt sein muss. Harte oder gar scharfe Sportgeräte sind verboten.
Ziel ist es, mit den Pompfen oder der Kette den Körper des Gegners zu treffen und ihn somit für fünf bzw. acht (Kettentreffer) Trommelschläge aus dem Spiel zu nehmen, damit der „Läufer“ ungehindert den „Jugg“ ins gegnerische Mal stecken kann. Ein Trommelschlag entspricht 1,5 Sekunden und gespielt wird jeweils 2×100 Trommelschläge.
Jugger ist eine Sportart für jeden, „der sich gerne bewegt, für jedes Alter und Geschlecht“, betont Patrick Cordes. „Konditionell ist es sehr anspruchsvoll. Ich habe schon einige Kilos abgenommen“, lacht der Trainer. Mit seinem Team war er vor Kurzem erstmalig bei einem Turnier. Sieben Teams waren im ostfriesischen Ostrhauderfehn dabei und die „Walsroder Jugg-Sparrows“ erreichten ihr Ziel, wurden als Sechster nicht Letzter. „Die anderen Teams spielten schon mehrere Jahre zusammen“, fehlte den TVJ-Akteuren die Erfahrung, da das Spiel auch viel taktisches Denken erfordert. Sie bekamen aber viele Tipps von den anderen Mannschaften, die zwischen den Spielen sogar mit den Walsrodern trainierten. „Jugger ist auch ein sehr fairer Sport, bei dem sich Gegner untereinander aushelfen, wenn ein Gerät kaputt gegangen ist oder einer Mannschaft ein Spieler fehlt.“
Die TVJ-Spieler trainieren im Winter jeden Mittwoch ab 16:30 Uhr in der Sporthalle der Oberschule Walsrode. Im Sommer besteht dann die Möglichkeit, zweimal die Woche auf einem Sportplatz zu üben. Sportbegeisterte Interessierte sind jederzeit willkommen. „Bei uns steht der Spaß im Vordergrund, wenngleich wir natürlich irgendwann auch bei Turnieren etwas reißen wollen“, so Patrick Cordes.

(rie)

Schlagworte:

, ,



Comments are closed.

Back to Top ↑