Fotos: Charlotta Spöring

Geschichte mit allen Sinnen

2. Oktober 2016

„Den Gamle By“ ist ein einzigartiges Freilichtmuseum in Dänemarks zweitgrößter Stadt Aarhus

Eine Reise durch die Zeit: diese Möglichkeit bekommt man im Freilichtmuseum „Den Gamle By“, auf deutsch „Die Alte Stadt“, in Aarhus. Die zweitgrößte Stadt Dänemarks befindet sich im Osten des Landes und bietet eine große Vielfalt an Kunst und Kultur.

Gegründet wurde „Den Gamle By“ im Jahr 1909, die Öffentlichkeit bekam allerdings erst 1914 die Möglichkeit, sich die Museumsstadt anzusehen. Im Gegensatz zu den meisten Freilichtmuseen hat die alte Stadt nicht die ländliche, sondern die städtische Kultur und Geschichte zum Gegenstand. Als solches ist es das älteste seiner Art und mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Jährlich besuchen rund eine halbe Millionen Gäste das Freilichtmuseum.

Gezeigt werden Häuser aus ganz Dänemark vom 17. bis ins 20. Jahrhundert. Ein Spaziergang durch die historische Stadt beinhaltet den Besuch von rund 80 völlig verschiedenen Häusern aus ganz Dänemark, die mitsamt Inventar abgebaut und in „Den Gamle By“ neu errichtet worden sind. Dabei wurde sehr detailgetreu gearbeitet: Der Inneneinrichtung fehlt es an nichts und vermittelt den Eindruck, die Wohnungen seien noch heute bewohnt. Besucher bekommen einen direkten Einblick in die vier Wände der früheren Bewohner und erfahren interessante Details über deren Alltag und wie sie gelebt haben.

Das Museum wurde in der Form einer mittelalterlichen Kleinstadt entlang des Flusses Aarhus Å errichtet. Beim Schlendern durch die Gassen fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt, denn die Straßen sind mit Leben gefüllt. So trifft man auf dem Marktplatz den alten Bürgermeister, eine schwarze Pferdekutsche rauscht am Brunnen vorbei und in der Bäckerei kann man sich bei einer alten Bäckersdame mit Vanillekränzen versorgen, denn: Das Museum besitzt eine eigene Bäckerei, in der aus traditionellen Rezepten verschiedene Gebäcke entstehen. Für Museumsbesucher gibt es also nicht nur etwas zu sehen, sodass sie sich wie auf einer Reise durch die Zeit fühlen können. In einer Brauerei können Gäste frisch gezapftes Bier vom Fass genießen. Auch einen Eisenwarenhandel und einen alten Supermarkt kann man besuchen. Die Wohnhäuser der kleinen Stadt stehen fast alle zur Besichtigung offen und bieten einen Einblick in den Alltag der ehemaligen Bewohner. So fühlt man sich in einer Wohngemeinschaft von 1974, als wäre man bei waschechten Studenten zu Gast, inklusive der Bierflaschen von der gestrigen Studentenparty. Auch eine alte Rektorin öffnet ihre Pforten und in einer Rentnerwohnung liegt der Großvater auf dem Sofa und schläft.

Nachdem Besucher sich sattgesehen haben, gibt es etwas zum Sattessen: In der kleinen Gaststätte der Museumsstadt lassen sich Kaffee und Kuchen sowie Smörrebröds in altertümlicher Atmosphäre genießen. Besonders bezaubernd ist die Altstadt in der Vorweihnachtszeit, wenn Gäste durch die schneebedeckten Straßen laufen und festlich geschmückte Wohnungen sie auf Heiligabend einstimmen.

Wen es also einmal nach Aarhus verschlägt, für den ist ein Besuch in „Den Gamle By“ Pflicht. Neben dem Freilichtmuseum hat Aarhus kulturell noch viel mehr zu bieten: Das Kunstmuseum „Aros“ mit seinem atemberaubenden Panorama und das Geschichtsmuseum „Moesgard“ sind nur ein Bruchteil der Aarhuser Kunst- und Kulturszene, weshalb Aarhus sich im kommenden Jahr „Europas Kulturhauptstadt“ nennen darf.

Charlotta Spöring

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