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Gelebte Menschlichkeit mit beispielhaftem Einsatz

18. Januar 2015

„Die Menschen ein Stück des Wegs an die Hand nehmen“

Bild: Hilke Baum und ihre Mitstreiter helfen den Flüchtlingen seit 20 Jahren ehrenamtlich.

„Wir werden in den nächsten Wochen 49 weitere Asylbewerber in der Gemeinde bekommen und müssen uns um Wohnraum kümmern, damit alle menschenwürdig unterkommen können“, krempelt Hilke Baum die Ärmel hoch und fasst an, wo andere nur diskutieren oder gar an den Stammtischen ihre Parolen verbreiten, die darauf schließen lassen, dass ihre Köpfe ebenso viel Inhalt aufweisen, wie die Biergläser nach zehn Minuten vor ihrer Nase.

Die pensionierte Lehrerin ist erstmals auf Flüchtlinge in der Samtgemeinde aufmerksam geworden, als diese völlig hilflos am Rande einer Ortschaft untergebracht waren, keine Verkehrsmittel in der Nähe und der deutschen Sprache nicht mächtig. Das war vor zwanzig Jahren und Hilke Baum entschloss sich später, Deutschkurse für die Menschen anzubieten, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden und oft nicht mehr mitbrachten, als ihre Kleider auf dem Leib. „Die Asylsuchenden wissen oft gar nicht mit den Gewohnheiten in ihrer neuen Umgebung klarzukommen. Da ist es wichtig, ihnen das Rüstzeug zu vermitteln“, erzählt Gisela Seidel.

Sie ist Vorsitzende des Diakonie-Ausschusses in der Kirchengemeinde Schwarm­stedt und ist nicht zu Unrecht stolz auf die Schwarmstedterinnen und Schwarmstedter, die sich rührend um die Menschen kümmern, die sich ihnen anvertraut haben. 62 Asylbewerber wohnen derzeit in der Samtgemeinde Schwarmstedt. „Wenn man sich mit ihnen unterhält, ist immer nur ein Wunsch präsent: Sie wollen so schnell wie möglich wieder in die Heimat zurück, wenn ihr Leben nicht mehr gefährdet ist. Zudem sind sie ungeheuer dankbar und möchten gern arbeiten, um den Deutschen etwas zurück zu geben, die ihnen helfen“, erzählt Hilke Baum aus den vielen Gesprächen mit den unfreiwilligen Gästen, die zumeist aus den Kriegsgebieten im Orient geflohen sind. Ohne Missionsabsichten hat die Kirchengemeinde ihre Hilfe in Schwarmstedt angeboten. Mit mehr als 20 Teilnehmern pro Gruppe führen Hilke Baum und Tatjana von Bothmer wöchentlich ehrenamtlich den Deutschunterricht in den Räumen der evangelischen Kirchengemeinde durch.

„Wir mussten die Menschen in zwei unterschiedliche Gruppen einteilen, weil das Spektrum vom Analphabeten bis zum Teilnehmer mit Universitätsabschluss reicht“, erzählt Hilke Baum und kann auf die Mitarbeit von Maja Harel und Gülisa Acer bauen, die als ehrenamtliche Übersetzerinnen fungieren. „Manchmal geht es aber auch über englisch oder französisch – manchmal auch mit Händen und Füßen“, lächelt die Schwarmstedterin.

Die Gäste aus dem Ausland sind insbesondere vor bürokratischen Hürden machtlos und bekommen auch dann von den helfenden Einheimischen Unterstützung. Ein gutes Beispiel dafür ist die Familie von Suzana Memedova aus Mazedonien. Dort ist zwar der Krieg beendet, aber Tochter Pejker ist so stark gesundheitlich beeinträchtigt, dass sie nicht überleben würde. Die Hilfe für die Familie zeichnet sich durch beispielhafte Menschlichkeit aus. Angefangen bei der Richterin aus Braunschweig, die sich auch nach ihrer Entscheidung zum Bleiberecht noch intensiv für die Belange der Familie einsetzte. Dann stießen Suzana Memedova und ihre Familie auf Dr. Jakob Düwel. Der Kinderarzt aus Schwarmstedt unternahm alles in seiner Macht stehende, dem 5-jährigen Kinde zu helfen.

Das Resultat ist eine kontinuierliche Besserung des Zustandes von Pejker. Die vierköpfige Familie genießt nicht nur das Ansehen, sondern auch die Hilfsbereitschaft der Schwarmstedter Einwohner, wie Hilke Baum beteuert. Ein Beispiel für viele andere Fälle in der Samtgemeinde Schwarmstedt. Die veranwortungsbewussten Bürger der Samtgemeinde Schwarmstedt zeichnen sich durch ihre Warmherzigkeit aus und erhielten dafür bereits mehrere Preise. „Wenn die Preise mit Geld dotiert sind, machen wir davon einen Ausflug mit allen Flüchtlingen. Das ist eine so wundervolle Atmosphäre voller Dankbarkeit“, erzählt Hilke Baum und demonstriert damit die Selbstlosigkeit der ehrenamlichen Helfer, deren Anzahl weiterhin wächst.

(so)

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