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Geborgenes Holz mehr als 770 Jahre alt

13. Januar 2019

„Ein besonderer Glücksfall.“ Groß war jetzt die Freude bei Wilfried Worch-Rohweder, Vorsitzender des Soltauer Salzsiedeverein, als ihm das Deutsche Archäologische Institut in Berlin das Alter seiner Holzpfähle mitteilte. Die Bundesanstalt legte fest, dass der untersuchte Pfahl aus massivem, kernigem Eichenholz bereits im Jahr 1241 geschlagen wurde. Gepflanzt worden sein soll der Baum schon 1152.
Per Zufall sah Wilfried Worch-Rohweder vor neun Jahren die bei Baumaßnahmen an der Böhme in Soltau geborgenen Pfähle. Am Grunde des Flusses war das in Palisadenform eingeschlagene Holz gefunden worden. Es war von der Baufirma mittels des eingesetzten Baggers als unwillkommene zusätzliche Arbeit mit nur wenig Freude aus dem Flussgrund gezogen worden und sollte entsorgt werden. Worch-Rohweder war aber schon bei der Bergung der Meinung, dass es sich bei den Pfählen um etwas Besonderes handeln müsste. „Warum sollte man sonst Pfähle in die Böhme rammen?“ Für zwei Kisten Bier bekam er die Möglichkeit, rund 20 Pfähle/Stämme, die teilweise rund 2,50 Meter lang und etwa 30 bis 40 Zentimeter breit waren, sicherzustellen.
Der bereits seit Beginn der Bergung bestehende Plan, das Holz dendrochronologisch zur Bestimmung des Alters der Pfähle untersuchen zu lassen, wurde nun verwirklicht. Eine entsprechende Holzprobe wurde an das Deutsche Archäologische Institut nach Berlin versandt, das als „vorgezogene Weihnachtsbescherung“ das freudig entgegengenommene Ergebnis übersandte. Aufgrund des erstaunlichen Alters dieses Holzes war das Ergebnis der Prüfung zuvor noch von einer zweiten Kontrollperson geprüft worden, die das Messergebnis im Detail bestätigte.
Das Resultat übertraf sogar die Vermutung von Worch-Rohweder, dass es sich bei dem Holz um Teile einer übrig gebliebenen Befestigungsanlage (Palisadenwand der früheren Soltauer Burg) handeln könnte. Die Burg musste im Jahre 1388 als Teil einer Vereinbarung aus dem Friedensvertrag des Lüneburger Erbfolgekrieges abgerissen werden. Da nach der bisherigen örtlichen Geschichtsschreibung die Burg erst im Jahre 1380 errichtet wurde, steht fest, dass schon rund 140 Jahre vorher offensichtlich eine Palisadenbefestigung in diesem Teil der Stadt vorhanden gewesen sein musste. „Die für mich einzige vernünftige Überlegung ist, dass die Pfähle zu einer früheren Wehranlage gehörten“, mutmaßt Wilfried Worch-Rohweder.
Zwischenzeitig wurden Teile des Holzes für die Umrandung eines Brunnens genutzt, zudem die Pfähle beim Bau eines Unterstandes auf dem vom Soltauer Salzmuseum genutzten Grundstück in der Bahnhofstraße eingesetzt. Dort werden sie nun ersetzt. Ein Pfahl soll auf jeden Fall im Salzmuseum ausgestellt werden, weitere Pfähle vielleicht an anderen Orten in Soltau. „Das Holz ist unsere Historie.“ Daher plant Wilfried Worch-Rohweder einige Teile auch „gut einbalsamieren zu lassen und für spätere Generationen wegzulegen“.

(rie)

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