Fotos: Sohnemann

Funkelnde Sternstunden und sportliche Höhenflüge

24. März 2019

Ob sich jemand darüber freut, wenn sein 500. Todestag gefeiert wird, dürfte durchaus fraglich sein. Manch einem Feiergast mag die Erleichterung darüber spürbar sein, dass es heute nicht mehr die Geldverschwendung gibt, die sich einige Herrscher vor fünf Jahrhunderten genehmigten, wenn sie der Nachwelt etwas Denkmalhaftes vermachen wollten. König Maximilian hat jedenfalls aus dem Vollen und dem nicht mehr so vollen Säckel seines Haushalts geschöpft, wenn es um illustre Selbstdarstellung ging. Die Innsbrucker Hofburg ist Zeugnis der Prunksucht der Herrscher, denen die Alpenrepublik ausgeliefert war.
Als dann Maria Theresia das innerstädtische Gemäuer vor 260 Jahren nach dem Hofburg-Vorbild Wiens gestalten ließ, es eigens für Leopolds Hochzeit entsprechend hergerichtet wurde, entstand der heutige Stolz der Innsbrucker auf ihre historische Bausubstanz.
Etwas Dünkel aus der blaublütigen Zeit ist natürlich auch den Städten Tirols geblieben – wie sollte es in Österreich sonst sein? Dort, wo sich heute noch Menschen mit ihrer Titelsucht umgeben, sind auch die Bildnisse der Habsburger gut aufgehoben, die einst ihr Wesen und Unwesen im Lande trieben. Sie zeigen, wie die restaurierten Verblichenen in den prunkvollen „Riesensaal“ der Innsbrucker Hofburg blicken. Heute liegt die Hofburg allerdings wirtschaftlich deutlich im Schatten des Produzenten funkelnder Kunstwerke aus dem Vorort Wattens. Längst sind die Herrscher im Lande der Habsburger in den Gemächern der Industriellen zu finden.
Swarovski hat der Region mit seinen Kristallwelten mittlerweile den Glanz verliehen, der am Hofe im Laufe der vergangenen Jahrhunderte verblasste. 4.500 Mitarbeiter verdienen in der Schmiede der Edelsteine ihr tägliches Brot und lassen keinen Zweifel daran, dass dieser Arbeitgeber der wichtigste Industriefaktor der Region ist. So pilgern neben Europäern vermehrt Asiaten in die Kristallwelten, die jedem künstlerischen Anspruch standhalten können. Hinter der malerischen Kulisse eines wasserspeienden Riesen verbergen sich über ein Dutzend Wunderkammern, in denen sich verdeutlicht, dass mit tausenden Kristallen und künstlerischer Kreativität eine schillernde, wie nachdenkliche Welt dargestellt werden kann. André Heller war einer der bedeutendsten Ideengeber für das Werk, das vor der Jahrtausendwende zum hundertsten Geburtstag des Unternehmens Swarovski geschaffen wurde. Seither pilgerten über 14 Millionen Gäste staunend durch den Park der illuminierten Illusionen.
Das Engagement von blühendem Tourismus und der Industrie vor Ort haben ermöglicht, dass sich Innsbruck und Seefeld in diesem Jahr die nordische Ski-Weltmeisterschaft teilen konnten. „Die Investitionen werden sich aber erst in den kommenden Jahren auszahlen. Allein der neue Bahnhof in Seefeld hat etwa 26 Millionen Euro verschlungen“, erklärt ein Sprecher der Meisterschaftsveranstalter. Dabei ist Seefeld zum höchstgelegenen ICE-Bahnhof am Streckennetz geworden und direkt von Hamburg über Hannover zu erreichen, ohne Umsteigen zu müssen.
Während sich Seefeld eher mit sportlichen Wettkampfstätten, dem direkten Weg durch den Ort zu den Schanzen und dem Langlaufstadion schmücken kann, ist Innsbruck zumindest noch mit dem „Goldenen Dacherl“ bei den historischen Sehenswürdigkeiten dabei. Auch das war ein Verdienst von König Maximilian, der vergoldete Dachschindeln für sich als standesgemäßen Regenschutz ansah.
Heute wird pragmatischer gebaut, ohne jedoch auf das staunende Publikum zu verzichten. Dafür sind die Kristallwelten in Wattens als Gesamtwerk aber auch mit seinen zahlreichen einzelnen Kunstwerken ein schillernder Beweis.
Kurt Sohnemann

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