Führerschein weg – auch bei anderen Straftaten?

3. Mai 2015

Nicht nur Verkehrssünder, sondern auch Ladendiebe oder Steuerhinterzieher mit einem Fahrverbot bestrafen

Auf ein geteiltes Echo stoßen die Pläne der großen Koalition. Während der Deutsche Richterbund, die Grünen und der ADAC das Vorhaben ablehnen, signalisiert die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Zustimmung. „Das Auto stellt vor allem für junge Menschen ein wichtiges Statussymbol mit großem Spaßfaktor dar“, sagt GdP-Bundesvorsitzender Oliver Malchow. Wenn junge Täter ihr Auto nicht mehr benutzen dürften, so hätte dies sicherlich die von den Richtern gewünschte nachhaltige Wirkung. Eine Erweiterung des Strafkatalogs durch Fahrverbote mache es Richtern leichter, die Lebensumstände der Täter bei einer Verurteilung noch stärker als bisher zu berücksichtigen.

Ganz anders sieht das der Deutsche Richterbund. Wie der Strafrechtsexperte Stefan Caspari sagte, befürchtet die Vereinigung eine Ungleichbehandlung von Straftätern. „Über Geld und Freiheit verfügt jeder, über ein Auto aber nicht“, sagte Caspari. Er halte es für verfassungsrechtlich problematisch, Strafen einzuführen, die nur gegen bestimmte Personengruppen verhängt werden können – in diesem Fall gegen Besitzer eines Führerscheins. Außerdem befürchtet Caspari eine „Strafenspirale“, wie er es ausdrückt. Er weist darauf hin, dass es nach dem deutschen Recht nicht strafbar ist, wenn man sich den Folgen einer Verurteilung entzieht. Wer eine Geldstrafe nicht bezahlt oder eine Haftstrafe nicht antritt, wird deshalb nicht noch einmal extra bestraft. ­

Ich bin dafür, dass Straftätern der Führerschein bei bestimmten Delikten abgenommen wird. Über Verwarnungen lachen die meisten. Doch ein Entzug des Führerscheins wird ihnen zusätzlich das Handwerk legen. Da überlegt der ein oder andere vor der Straftat, ob er das in Kauf nimmt. Bei Bagatelldelikten muss man schon Unterschiede machen oder wenn durch den Führerscheinentzug der Jobverlust droht. Unsere Gesetze sind zu lasch. Es werden die Personalien aufgenommen und dann werden die Täter wieder freigelassen. Das ist nicht abschreckend – Bärbel Gross aus Walsrode

Baerbel-Gross

Der Gedanke ist gar nicht so verkehrt. Ich finde es gut, wenn die Täter nicht mit Gefängnis, sondern mit solchen Strafmaßen bestraft werden. Vor allem, wenn man sieht, wie voll unsere Gefängnisse sind. Die gesetzlichen Möglichkeiten werden oft nicht voll ausgeschöpft. Oft hat der Gesetzgeber gegen jugendliche Straftäter keine Handhabungen. Vor allem, wenn es Minderjährige sind. Da wären solche Maßnahmen sinnvoll und wirken abschreckend. Ein Versuch wäre es auf alle Fälle wert – Heidrun Backhäuser aus Benefeld

Heidrun-Backhaeuser

Der Führerscheinentzug sollte auf die Straftaten angewandt werden, die auch etwas mit dem Bereich zu tun haben, also Verkehrssünden. Das sollte man trennen. Man möchte doch, dass die Täter etwas aus der Strafe lernen. Beim Führerscheinentzug wird sich das kriminelle Verhalten nicht ändern. Da gibt es andere Maßnahmen wie zum Beispiel arbeiten in sozialen Einrichtungen. So erhalten die Straftäter eine andere Einsicht. Wer kriminell veranlagt ist, lässt es drauf ankommen, dem ist es egal, ob er den Führerschein nun hat oder nicht – Unja Papesch aus Ahlden

Unja-Papesch

Ich finde die Idee gut! Ebenso, wenn Straftäter auch für ihre Taten zum Beispiel mit Arbeit in sozialen Einrichtungen büßen müssen oder in Orten zum Beispiel Müll sammeln sollen. Hier kann das Strafmaß auf solche Tätigkeiten ausgeweitet werden. Doch man muss abwägen. Zum Beispiel, wenn es einen LKW-Fahrer trifft, dem kann man nicht einfach den Führerschein entziehen. Doch diese Täter könnten im Urlaub auf den Schein verzichten. Da kann man Termine absprechen, so dass keiner in seiner Existenz gefährdet wird – Wolf-Peter Backhäuser aus Benefeld 

Wolf-Peter-Backhaeuser

Andere Straftaten haben nichts mit den Verkehrsdelikten zu tun und sollten daher nicht mit Führerscheinentzug bestraft werden. Da gibt es andere Strafmaße, die man härter anwenden müsste. Die Richter sollten Täter strenger bestrafen. Meine Tochter arbeitet im Jugendstrafvollzug. Da müsste bereits im Vorfeld und auch in der Nachsorge mehr gemacht werden. Manche Täter sind extrem und die würde es auch nicht stören, wenn der Führerschein weg wäre. Hier ist auch ganz klar das Elternhaus gefordert – Heike Vatansever aus Bomlitz   

Heike-Vatansever

Meiner Ansicht nach bringt der Führerscheinentzug nichts. Es sollten die Gesetze für die Straftaten schärfer angewandt werden. Sie dafür in einer anderen Sparte zu bestrafen, finde ich Quatsch. Verkehrssünden sollten getrennt bleiben von anderen Delikten. Ein Führerscheinentzug schreckt die Täter auch nicht ab. Unsere Gesetze sind zu lasch. Verkehrssünder werden oft viel härter bestraft. Das steht oft in keinem Verhältnis zu anderen Straftaten – Marco Heinrich mit Mia Grote aus Walsrode

Marco-Heinrich

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