Das Sofafloß unterstreicht die genüssliche Entschleunigung. Foto: Spöring

Frühstück mit der Herzogin

11. Juni 2017

Das Wendland verspricht Ruhe abseits des Massentourismus

Hitzacker. Idyllische Landschaften, traditionelle Fachwerkbauten und kreative Köpfe an jeder Ecke – eine ziemlich treffende Beschreibung für das Wendland. Wen es einmal in die Gegend zwischen Sachsen-Anhalt und Elbe zieht, der kehrt gewiss entspannt zurück. Hektik und Stress gibt es im größten autobahnfreien Gebiet Deutschlands nahezu gar nicht, Entschleunigung ist das Stichwort.

„Ich habe mich bei einem Besuch im Wendland total in die Gegend verliebt. Daher war es ein Glücksfall für mich, als ich hier eine freie Hofstelle fand“, so Doris Gessner. Die Bildhauerin führt interessierte Besucher bei mehrtägigen Seminaren in ihrem Fachwerkhaus in die Grundlagen des Handwerks ein. Genau wie auch für viele andere Künstler der Region ist auch für Doris Gessner die Kulturelle Landpartie (KLP) zwischen Himmelfahrt und Pfingsten das Highlight des Jahres. Mit über 600 Ausstellungen und rund 850 Veranstaltungen mit insgesamt 1712 Terminen ist die nun 28. Kulturelle Landpartie in der Bundesrepublik die größte Ausstellung ihrer Art.

Ihre Wurzeln hat sie im politischen Widerstand gegen das Atommülllager Gorleben, der nach wie vor sehr präsent ist. Auf Anfrage öffnen die meisten Künstler auch außerhalb des Events ihre Pforten für Gäste. Solche offenen Ateliers sind an den „wendland-hautnah“-Schildern zu erkennen. Einbinden lassen sich die Besuche besonders gut bei einer Radtour durch die vielen Rundlingsdörfer. In den meisten wendischen Ortschaften werden alte Häuser renoviert statt abgerissen. Hinter dem ungewöhnlichen Aufbau der Dörfer steckt eine Menge Geschichte, auf die die Wenden zu Recht stolz sind. Die kreisförmige Anordnung der Hallenhäuser um den Dorfplatz ist charakteristisch für einen Rundling und gleichzeitig ein Kulturgut, dessen langfristiger Erhalt wünschenswert ist. In kaum einem Gebiet Deutschlands findet man eine solche Zahl gut erhaltener Fachwerkhäuser, welche nicht unwesentlich zum Charme des Wendlandes beitragen.

Bei einem Ausflug nach Hitzacker an der Elbe können Gäste perfekt in den Tag starten: Das „Museum im Alten Zollhaus“ verbindet Natur, Geschichte und Kaffee satt. Mit dem Sofafloß „Herzogin Dorothea“ geht es von der Jeetze auf die Elbe. Nach einer entspannten Fahrt flussaufwärts setzt der Kapitän den Anker und der Tisch wird gedeckt. Gefrühstückt wird hier mit duftenden Brötchen vom Inselbäcker, heißem Kaffee, frischen Weintrauben und verschiedenen Aufstrichen. Auch in den Abendstunden wird auf dem Sofafloß ein Mahl mit Räucherfischplatte angeboten. Sobald das Floß wieder in den Hafen eingelaufen ist, besteht die Möglichkeit einer Museumsbesichtigung. Im Herzen der Stadt Hitzacker erfahren Besucher viel über das Leben mit Jeetze und Elbe. Im Vordergrund steht dabei die Jahrhundertflut, die Hitzackers Altstadt 2002 in den Fluten versinken ließ.

Charlotta Spöring

Infos:
www.wendland-elbe.de
www.kulturelle-landpartie.de
www.wendland-hautnah.de
www.mobil-vor-ort.de

 

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