Charlotte Behrens, Aniisa Schöning, Tobias Thies und Fabian Heßland – Foto: (so)

Freiwilliges soziales Jahr mit behinderten Menschen

20. März 2016

Auch wenn die Aufenthalte in fernen Ländern den jungen Menschen, die gerade die Schulbank verlassen haben, ein größerer Magnet sind, als die Arbeitswelt vor Ort, auch die Beschäftigungen vor der Haustür haben ihre Reize. „Ich möchte diese Zeit nicht missen“, betont beispielsweise Aniisa Schöning. Sie hat auch diese Gedanken im Kopf gehabt, nach dem Abitur ein Jahr lang mit Work and Travel durch ferne Regionen zu ziehen.

Dann hätte sie aber auf viele Erfahrungen verzichten müssen, die ihr vor Ort richtig Freude machen. Sie hat sich für ein freiwilliges soziales Jahr in den Heidewerkstätten in Walsrode entschieden. Diese Möglichkeit, in das Berufsleben zu blicken, haben neben ihr noch sechs andere junge Menschen in Walsrode genutzt. Charlotte Behrens erging es ähnlich wie ihrer Kollegin Aniisa Schöning. Allerdings sah sie in einer Beschäftigung fern von zu Hause weniger Reize. Mehr aber in den Begegnungen mit behinderten Menschen.

„Ich hatte anfangs Bedenken, ob ich das schaffen werde, weil ich noch nie mit Menschen zu tun hatte, die behindert sind. Doch diese Bedenken haben sich als haltlos herausgestellt. Schon nach wenigen Tagen rechtfertigten die Begegnungen meine Entscheidung“, ist Charlotte Behrens aus Bockhorn froh, das freiwillige soziale Jahr bei den Heidewerkstätten absolvieren zu können.

Die Berührungsunsicherheiten, die bei Nichtbehinderten vorhanden sind, werden schnell abgebaut und gehen in einen Alltag über der ein Miteinander selbstverständlich werden lässt, beschreiben Charlotte Behrens und Aniisa Schöning die Situation in der Arbeitswelt mit behinderten Menschen und haben sich entschieden, ihrem freiwilligen sozialen Jahr ein Studium folgen zu lassen, dass ihnen einen Platz in der Heilpädagogik möglich macht. Ähnlich wie seinen beiden Kolleginnen ist es auch Tobias Thies ergangen.

Alle drei hatten im Wochenspiegel am Sonntag von der Möglichkeit gelesen, ein freiwilliges soziales Jahr bei den Heidewerkstätten absolvieren zu können. Tobias Thies hatte bereits eine Tischlerlehre absolviert und sieht in der Zusammenarbeit mit behinderten Menschen eine Aufgabe, die nicht nur beruflich von vielen positiven Erlebnissen geprägt ist.

Er möchte noch eine Ausbildung als Heilerziehungspfleger anschließen, denn die Arbeit mit den gehandicapten Menschen macht ihm sehr viel Freude. „Die Empfindungen werden von ihnen so ehrlich artikuliert. Es macht einfach viel mehr Spaß mit Menschen zu arbeiten, die sich richtig offen freuen können, als mit verschlossenen Menschen“, erzählt er aus seiner Erfahrung und bekommt täglich die Bestätigung in der Werkstatt, wenn er liebevoll von den Mitarbeitern empfangen wird.

„Es ist sicherlich zuerst gewöhnungsbedürftig, die richtige Distanz zu finden. Aber wenn man den Einzelnen sagt, einmal umarmen genügt als Begrüßung auch, dann wird das akzeptiert und lässt das richtige Maß an Verbindlichkeit zu“, lacht Aniisa Schöning, wenn sie an die Freude denkt, die sich bei den Menschen weckt, denen sie täglich in der Werkstatt begegnet. Wer sich für ein freiwilliges soziales Jahr in den Heidewerkstätten entscheidet, erhält dafür ein monatliches Taschengelt von 410 Euro. „Das ist nicht viel, aber es ist eine Anerkennung für die Leistungen, die von den jungen Menschen erbracht werden“, schildert Fabian Heßland, der in den Heidewerkstätten für die Betreuung der FSJ-ler zuständig ist. Wer sich für ein freiwilliges soziales Jahr interessiert, kann sich unter (05161) 982313 bei ihm informieren.

(so)

 

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