Foto: Sohnemann

Fortkommen abseits befestigter Wege ist gesichert

26. Mai 2019

Sicherlich ist die G-Klasse von Mercedes-Benz immer schon der Schrecken aller Designer gewesen, denn wer mit dem ursprünglichen Windwiderstandsbeiwert einer Kasperbude auf die Straße geht, kann gar nicht mit Geschmeidigkeit auf einen Nenner gebracht werden. Es gibt da allerdings Ausnahmen, an denen die Motorenentwickler einen erheblichen Anteil haben. Wenn acht Zylinder unter der Haube in sonorer Tonlage erklingen, verstummen auch die letzten Kritiker der fehlenden Eleganz. Mercedes-Benz hat die G-Klasse natürlich nicht erfunden, damit Mütter ihre Kinder aus der Krippe abholen. Sie ist für sehr viel rustikalere Einsätze entwickelt worden.
Ob Militär, Land- oder Forstwirtschaft, die G-Klasse ist ursprünglich dafür gebaut worden, um ein Fortkommen abseits befestigter Wege möglich zu machen. Diese Zweckbestimmung ist auch in der neu überarbeiteten G-Klasse im Mittelpunkt geblieben. Wer eine Anhängelast von 3,5 Tonnen durch den Wald ziehen will, ist mit diesen Modellen genau richtig aufgestellt. Das hinderte die Ingenieure von Mercedes-Benz aber nicht daran, dem Auto ein Fahrwerk mit auf den Weg zu geben, das auch in diesen anspruchsvollen Passagen ein Wohlgefühl im Innenraum garantiert. Neben der hinteren Starrachse sind die Vorderräder einzeln aufgehängt, was für ein komfortables Fahrgefühl sorgt. Somit ist der G-Klasse-Insasse bei Tempo 60 ebenso Herr der Lage wie bei der Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h.
Ohnehin ist das G-Modell hinsichtlich des Komforts weit aus dem Spektrum hinausgewachsen, in dem es einst geboren wurde. Dass die Türanschläge noch etwas blechern klingen, gehört sogar zum rustikalen Ambiente und macht den Unterschied zur S-Klasse aus. Wer aber erst einmal das metallene Klacken der Türschlösser im Innenraum gehört hat, fühlt sich mindestens ebenso wohl, wie in vielen Fahrzeugen gehobener Klasse. Das Cockpit unterscheidet sich kaum von dem der Limousinen in der Familie, die Sitzpositionen sind sogar noch viel erhabener und verschaffen einen optimalen Überblick, wie er besser beim heutigen Verkehrsgewühl gar nicht sein könnte. Allein der weite Wendekreis von 13,5 Metern sollte davon abhalten, sich in die Innenstadt zu wagen. Der Fahrerin oder dem Fahrer wird nicht selten das Gefühl erspart, mit einem Dickschiff in eine viel zu enge Schleuse fahren zu müssen.
Dass ein G-Modell weitestgehend in die Garagen von Menschen gefahren werden, die zur ländlichen Struktur einen ebenso intensiven Kontakt haben wie eine Kuh zum Stricken, verstärkt die Tendenz, dass echte Offroader immer mehr in den Trend modebewusster Chauffeure gelangen. Dass die neue Generation der G-Klasse einen deutlichen Zugewinn des Innenraums erfahren hat, ist dabei keinesfalls störend. Auch mussten einige äußere Eingriffe unternommen werden, um die FußgängerSicherheitsvorschriften zu erfüllen. Das haben nicht alle Mitbewerber geschafft, was Mercedes-Benz nur Recht sein kann.
Das Testmodell mit dem Achtzylinder unter der Fronthaube machte sich natürlich explosiv auf die Gummisocken, als das Gaspedal fiel. Durch das seidig abgestimmte 9-Gang-Automatikgetriebe werden die 422 Pferdestärken auf allen Vieren an den Untergrund weitergegeben. Ganguntersetzung und Differenzialsperren sind natürlich auch vorhanden, sodass die Geländefähigkeit trotz des hohen Komfortlevels um keinen Deut eingeschränkt ist. Sogar die Wattiefe wurde jetzt bis zu 70 Zentimeter ermöglicht. Das ist so viel wie bei keinem anderen G-Modell zuvor.
Nun ist ein Achtzylinder mit vier Liter Hubraum nicht ebenso günstig zu ernähren wie das Pony hinter dem Haus. Es bedarf schon einer angemessenen Kapitaldecke des Fuhrparketats, um den Durchschnittsverbrauch von gemessenen 15,6 Litern zu finanzieren. Abhängig wird der Verbrauch selbstverständlich vorrangig von den individuellen Gewohnheiten, die durch die Gesamtabstimmungseinstellungen des Fahrzeugs deutlich beeinflusst werden können. Ob im Sport-, Komfort- oder Eco-Modus gefahren werden soll, kann vorgewählt werden. Auch ist eine individuelle Variante möglich.
Beim Preis indes lässt Mercedes-Benz weniger Varianten offen. Wer sich den G 500 ins oder vors Haus holen will, sollte sich mit mindestens 107.041 Euro in der Tasche auf den Weg machen, wobei er die lange Aufpreisliste aber noch nicht gesehen haben darf. Als Trost sei gesagt, wer zum G-Punkt des automobilen Fahrgefühls gelangen will, darf auch auf den G 320 zurückgreifen, der wirtschaftlicher mit Diesel betrieben wird. – Kurt Sohnemann.

Schlagworte:

, ,



Comments are closed.

Back to Top ↑