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Fehlender Fön bringt Ronaldo in Rage

10. Juli 2016

Blick hinter die Kulissen des größten Fußballstadions der Bundesliga in Dortmund

Wenn über Fußballspiele berichtet wird, geht es um Spielzüge, Tore und Verletzungen der laufenden Millionen auf dem Rasen. Oftmals spielen sich hinter den Kulissen aber auch recht merkwürdige Dinge ab, die nur höchst selten an die Öffentlichkeit kommen.

Der Besuch des Stadions, in dem Borussia Dortmund seine über 81.000 Fans mit dem Ball begeistert, heißt nach seiner Bezeichnung Westfalenstadion jetzt Signal Iduna Park. Schuld daran war, so ist von Martin Hugo zu hören, der regelmäßig Gäste durch die heiligen Hallen führt, die Baumaßnahme an den Ecken des Stadions. „Vorher bestand die Arena aus vier Tribünen, die den Platz säumten. Um die Ecken zu schließen, musste Geld in die Hand genommen werden, das wir nicht hatten. Also wurde der Name an eine Versicherung verkauft“, erläutert er und deutet mit der Hand auf ein weiteres Stück Investitionsgeschichte des BVB. Der Rasen wird derzeit erneuert. Dabei wird nicht irgendein Rollrasen verlegt. Nein, ein Hybridrasen ist gerade gut genug für die Kicker. „Er kostet knapp eine Millionen Euro“, verrät der Insider und weiß auch, dass ein üblicher Rollrasen für 90.000 Euro zu haben ist. Dieser exorbitant teure Rasen soll dafür länger als nur drei Jahre halten. Ein üblicher Rasen wird jährlich erneuert.

Erinnerungen an die Haarprobleme des italienischen Expräsidenten Berlusconi werden wach. Hybridrasen deshalb, weil 3 Prozent der grünen Pracht aus eingeflochtenem Kunststoff bestehen. Ob sich die ganze Angelegenheit rechnet, konnte niemand vom BVB sagen. Aber schließlich haben Hoffenheim und der HSV auch solch einen Rasen. Wenn dann auch noch der Club aus Herne West (so wird Schalke in Dortmund genannt) ein solch modernes Geläuf bekäme, nicht auszudenken. Natürlich nehmen die sportlichen Millionäre auf Noppensohlen nicht den gewöhnlichen Eingang, wenn sie ihre Kabinen erreichen wollen. Busse und Edelkarossen fahren sie direkt vor die Treppenstufen, die hinab in die Räume führen, wo auch die Masseure ihre Liegen stehen haben und der Trainer auf einer Tafel zeigen kann, was ihm im Spiel wichtig ist.

Links gehen die Borussen in ihre Kabine rechts die Gastmannschaft. Da Fußballer abergläubisch sind, hat die rechte Treppe 13 Stufen, die linke nur 12. Einzig Ex-Trainer Jürgen Klopp ging beim letzten internationalen Auftritt des BVB mit den Liverpooler Fußballern auch durch den linken Treppengang. Er kennt sich eben aus. Das Resultat ist bekannt. In der Kabine indes erwartet die Helden des Rasens ein recht spartanisches Ambiente. Zwei Haken für Kleidung. Die Schuhe stehen geputzt in einem Fach, das Trikot liegt säuberlich gefaltet darüber. Am Ende der Kabine dann ein großer Spiegel und zwei Föngeräte. Nur in der Heimkabine. Eigentlich hatte der Techniker den Auftrag zwei Haartrockner in den Kabinen anzubringen. Er missverstand die Order und somit fehlt jetzt einer in der Gastkabine. Aber nicht lange – niemand anderes als der gegelte Superstar Ronaldo von Real Madrid hat bei seinem letzten Auftritt in Dortmund bei der UEFA Protest eingelegt und einen Fön in der Gastkabine gefordert. Dass er überhaupt ohne dieses technische Hilfsmittel vor die Zuschauer getreten ist, wundert heute noch einige Fußballfreunde.

Einen der längsten unfreiwilligen Aufenthalte in der Kabine hat übrigens Italiens Torwartlegende Gianluigi Buffon in Dortmund über sich ergehen lassen müssen. Als Spieler seiner Mannschaft musste er zur Dopingprobe antreten, wobei die gewünschte Flüssigkeit knapp eineinhalb Stunden und fünf Bierlängen auf sich warten ließ. In Dortmund heißt diese Prozedur unter den Spielern übrigens „Pisscheck“, weil einer der Mitspieler den Nachnamen Piszczek trägt. Die Mannschaft von Gianluigi Buffon war bereits abgereist, die üblichen drei Gefangenen im Stadiongefängnis auch schon von der Polizei abgeholt, dann konnte auch Dino Zoff seiner Pflicht nachkommen. Ordner brachten den Italiener danach ins Hotel, worauf ein Mannschaftskamerad meinte: „Wir haben ihn gar nicht vermisst.“

Kurt Sohnemann

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