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Faszinierende Zeugnisse der Historie

28. Mai 2017

Abseits des Teutonengrills von Rimini locken gesalzene Bootsfahren und mörderische Kulissen in die Emilia-Romagna

Es ist der Erinnerung der älteren Generation vorbehalten, die sich an die Käferplage erinnert, die einst die Stadt Rimini und die Adriaküste befiel, als das aufstrebende Wirtschaftswunder seine Blüten trieb. Statt am Fließband räkelten sich die Arbeitnehmer wie Sardinen in der Dose am Strand der italienischen Stadt, um von der Sonne die Zeichnung zu bekommen, die vor den Nachbarn von einem gelungenen Urlaub zeugten. Um Halbstundentakt drehte sich deutsche Urlauber wie Grillhähnchen im weißen Sand, ließen ihre Haut knusprig braun brennen und brachten die Hoteliers darauf, all inklusive abzurechnen.

Diese Eigenarten gehören weitgehend der Vergangenheit an. Zwar gibt es sie immer noch, die Badegäste an der Adria, die sich unter den Sonnenschirmen zu Tausenden aalen, aber eine Vielzahl von Menschen, die es über die Alpen treibt, ist weit anspruchsvoller geworden, als nur die Schalter der Nahrungsaufnahme eingeschaltet zu lassen. Wer heute Rimini besucht, darf sich einer Fülle von Genüssen hingeben, die von der kreativen italienischen Küche bis hin zur Kunst und Wissensvermittlung reicht.

Schon hinter Bologna fällt dem Reisenden mit Ziel Emilia-Romagna auf, dass hier das leibliche Wohl nicht vernachlässigt wird. Obstbaumplantagen wechseln sich mit riesigen Weinanbauflächen ab, die das Ausmaß norddeutscher Maisanbaugebiete haben. Sangiovese empfehlen die Norditaliener, als sei der Wein so selbstverständlich zum Essen wie in Bayern das Weißbier. Tatsächlich aber bauen die erfahrenen Winzer eine Vielzahl von edlen Tropfen an, die eine Auswahl nicht gerade erleichtern, wenn die gebratenen und gerösteten Köstlichkeiten des Meeres mit dem Saft der Rebe ergänzt werden soll. Je mehr Weine die Zunge erreichen, desto bekräftigender fällt das Urteil aus, dass sie es können, die italienischen Winzer. Sie sind Meister edler Weine und wissen das auch.

Um diese kulinarische Entwicklung überhaupt erst einmal zu ermöglichen, bedurfte es in der Vergangenheit des Salzes. Das Naturprodukt wurde gern das weiße Gold genannt und wurde für das Konservieren wie auch das Würzen von Lebensmitteln unverzichtbar. Wer das nicht glauben will, bekommt in der Stadt Cervia einen eindrucksvollen Crashkurs von einer Biologin verabreicht, der einer verbalen Betankung des Gehirns gleichkommt. Die Salinen von Cervia bieten heute das ideale Umfeld, um die Historie der Salzgewinnung anschaulich zu machen. Per Boot mit Elektroantrieb und eben jeder dienstbeflissenen Biologin nimmt die Wissensaufnahme ihren Lauf, reicht von der Gewinnung des Salzes durch Sonneneinstrahlung und Verdunstung bis zur unvermeidbaren Rosafärbung ansässiger Flamingos, die durch die Nahrungsaufnahme diesen optischen Idealzustand erreichen. Um die Kulissen schon etwas in kitschige Sphären zu ziehen, formieren sich dann auch noch eben diese eleganten Vögel, um am Himmel Kreise zu ziehen, die von den Bootspassagieren mit Erstaunensausrufen quittiert werden.

Wer diese interessant aufgebaute Saline der Stadt Cervia geistig verdaut hat, sollte sich nicht scheuen, einen weiten Schritt in die Vergangenheit zu unternehmen. Die Emilia-Romagna hat eine Fülle von historischen Zeugen einer bewegten Vergangenheit zu bieten. Eine ausgesprochen eindrucksvolle ist der mittelalterliche Ort San Leo. Dass es hier elektrisches Licht gibt, ist ein Kompromiss an die Gegenwart, in der immerhin etwa 3.000 Einwohner leben müssen. Ansonsten wirkt der kleine Ort auf der Anhöhe in der Nähe von San Marino wie ein vergessenes Fleckchen Erde der Ära Cesars oder eben eine gut gebaute Filmkulisse.

Die Wahrheit ist weitaus grausamer, als sich der Tourist beim Erreichen der unerschütterlichen Festung über den Häusern vorstellen mag. Hier wird zwar der Zweck des Gebäudes als ehemaliger Regierungssitz betont, gerät aber in den Schatten empfindsamer Seelen, wenn die Blicke auf die Folterinstrumente der ebenso als Gefängnis agierenden Festung fallen, die den ganzen Abgrund menschlicher Bestialität widerspiegeln. Die barbarischen Methoden im Mittelalter, mit Andersdenkenden umzugehen, erhält hier eine abscheuliche Skizze der Grausamkeit und wird insbesondere von Schulklassen verinnerlicht, damit die Errungenschaften modernen Lebens nicht als Selbstverständlich konsumiert werden.

Zu diesen Entwicklungen der Zivilisation gehört zweifelsohne auch die Reisefreiheit, die von vielen Gästen in der Emilia-Romagna genutzt wird, um die einzigartige Schönheit dieses Landstriches zu genießen. Nun haben sich Reisefachleute des Unternehmens OLIMAR intensiv mit der Region beschäftigt, um ihren Kunden die Perlen der italienischen Landschaft nordwestlich von Rimini zu offenbaren. Zahlreiche Varianten werden in allen Reisebüros mit OLIMAR-Angeboten näher gebracht, so dass Nichts dem Zufall überlassen wird.

Kurt Sohnemann

 

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