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„Es gibt viel zu viel Milch“

1. Mai 2016

Umsetzung des Konzeptes zum Milchmarkt-Krisenmanagement von der Politik gefordert

„Die Situation in der gesamten Landwirtschaft spitzt sich zu“, machte am Mittwoch Hiddingens Milchbauer Jörg Hüner vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), Kreisteam Rotenburg, deutlich. Das Hauptdilemma: „Es gibt viel zu viel Milch!“ Des Weiteren: „Wir haben keine Macht am Markt, keinen Einfluss auf Angebot und Nachfrage und keine Möglichkeit, die Molkerei zu wechseln“, zählte Hüner beim Pressegespräch im Gasthaus Röhrs in Hiddingen auf. Die Molkereien, die immer weniger werden und immer mehr fusionieren, diktieren die Preise. Keiner traut sich zu klagen, um keine Kündigung zu riskieren. Die Milchbauern sind zwei Jahre an die Verträge gebunden. Gerade mal 20 Cent für ein Kilo Milch erhält zurzeit der Milchbauer.

„Märchenstunde“, nennt Hans Foldenauer, Sprecher des BDM, die Reaktionen der verantwortlichen Ministerien. „Die Nachfrage ist da und steigt kontinuierlich, nur nicht so schnell, wie wir erwartet haben. Die Mehrproduktion ist die Hauptursache der dritten Katastrophe in nur sechs Jahren“, verdeutlichte der Milchbauer aus dem Allgäu. Der BDM hat auf Grund dieser Entwicklung bereits mehrfach darauf hingewiesen und keine offizielle Antwort erhalten. Dabei wurde vom Bundesverband bereits ein Konzept zum Milchmarkt-Krisenmanagement entwickelt und 2014 vorgestellt. Damit soll frühzeitig und präventiv auf drohende Marktverwerfungen reagiert werden. Dazu zählt eine Art Frühwarnsystem, in dessen erste Stufe die private Lagerhaltung geöffnet werden soll.

Bei Stufe zwei heißt es „Marktverantwortungsprogramm“, mit zeitlich befristeter Deckelung der Milchanlieferung, in Kombination mit diversen Anreizprogrammen für weitere mengenreduzierende Maßnahmen. Sollte sich trotzdem der Milchviehhalter nicht daran halten, wird eine Abgabe fällig. Die Stufe drei sieht allgemein verbindliche Rücknahme der Milchanlieferung um wenige Prozentpunkte vor. „Verschärft sich die Krise, werden die Betriebe dazu verpflichtet, bis zu drei Prozent weniger zu produzieren. Das ist durch Futterreduzierung möglich“, machte Foldenauer deutlich, der auch eine Öffnung staatlicher Intervention bei Stufe drei als notwendig sieht.

Die Reaktionen nach der Vorstellung des BDM-Konzeptes waren unterschiedlich. „Auf politischer Ebene waren es die Länder, die sich vorstellen können, so zu handeln. Auf EU-Ebene liegen schon einige Beschlüsse vor, die noch auf Bundes- und Landesebene umgesetzt werden müssten. „Es geht nur mit einer europaweiten Lösung, um sich nicht gegenseitig auszuspielen“, verdeutlichte Hüner.

(aki)

 

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