Foto: Karlheinz Bruns

„Es geht nur mit Eigeninitiative“

16. Februar 2020

Gesprächsrunde mit Otersenern über die Zukunft von Dörfern bei der Grünen Woche

Gesprächspartner von NDR-Fernsehmoderatorin Heike Götz waren auf der LandSchau-Bühne der Grünen Woche in Berlin einmal mehr Otersens Ortsvorsteher Dieter Bergstedt und Vereinsvorsitzender Günter Lühning. Für Otersens Neubürger und „Nachtwächter“ war es eine Premiere, denn in der Gesprächsrunde mit dem Titel „Unser Dorf hat Zukunft – oder abgehängte Dörfer?“ sollte es auch um Einwohner-Zuwachs und die Integration von Neubürgern gehen.
In den vergangenen 40 Jahren gab es in Otersen Zeiten mit Ab- und mit Aufschwung. „In den 1980er-Jahren sank die Einwohnerzahl dramatisch um fast 100 Bürger“, so Dieter Berg-stedt. „Mit der Dorferneuerung in den 1990er-Jahren begann die Phase des Aufschwungs, weil wir in der Dorferneuerung gelernt hatten, das Jammern nicht hilft, sondern nur Eigeninitiative und Bürgerengagement Dörfer zukunftsfähig machen“, betonte Günter Lühning. Mitte Januar war die Einwohnerzahl durch ein Neugeborenes auf 527 gestiegen“, berichtete Dieter Bergstedt.
Otersen sei für junge Familien attraktiver geworden, weil das alte Schulhaus von 1880 in der Dorferneuerung mit Kindertagesstätte und neuem Sportraum modernisiert und ausgebaut wurde, erfuhr das Publikum. Vor der Schaffung des neuen Sportraums im alten Schulhaus und der Einrichtung eines Fitnessraums in einem alten Häuslingshaus hatte Otersens Sportverein nur rund 100 Mitglieder – heute sind es 403 Mitglieder, denen ein Dutzend Sportarten geboten werden.
In den vergangenen 20 Jahren zogen viele Neubürger nach Otersen, bauten im neuen Baugebiet Roggenkamp oder in einer Baulücke oder kauften ein Wohnhaus. So wie Jens Leska, den gebürtigen Hannoveraner, der bewusst aufs Land ziehen wollte. „Wer sich in die Dorfgemeinschaft integrieren will, hat dazu in Otersen viele Möglichkeiten. Ein Klönschnack am Wochenende während der Fährsaison von Mai bis 3. Oktober an der 1997 eröffneten Solar-Allerfähre zum Beispiel – oder ganzjährig beim Einkauf im 2001 eröffneten, bürgerschaftlich organisierten Dorfladen mit AllerCafé“, antwortete Jens Leska auf entsprechende Fragen von Moderatorin Heike Götz.
„Und wie kommt ein Neubürger auf die Idee, als Nachtwächter aktiv zu werden?“ – Die Antwort von Jens Leska: „Beim Studium der Dorfchronik habe ich gemerkt, dass ich zufällig das alte Nachtwächter-Haus in der Turmstraße gekauft hatte, in dem seit 1777 Nachtwächter Michael Eggers gelebt hatte. Deshalb schlüpfe ich ein- bis zweimal jährlich in diese Rolle“, erfuhr das Publikum.
„Wie lassen sich abgehängte Dörfer verhindern?“, wollte Heike Götz wissen. „Es geht nur mit Eigeninitiative, Bürger-Engagement und dem Einwerben von Fördergeldern für besondere Projekte“, antwortete Günter Lühning. Er warb für eine Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“, damit sich „Dorfgemeinschaften mit Stärken und Schwächen ihres Wohnortes beschäftigen und gemeinsam Ziele für die Zukunft formulieren“. Thematisiert wurde auch die Wissenstransferstelle in Otersen, die schon von vielen Bürger-Initiativen zur Dorf-Zukunft aus ganz Niedersachsen, aus Westfalen und sogar aus Sachsen-Anhalt und aus Schleswig-Holstein genutzt wurde.
Während der 25-minütigen Gesprächsrunde wurden auf der LandSchau-Bühne auf einer großen Video-Leinwand zahlreiche besondere Bilder aus Otersen gezeigt – darunter auch drei Fotos von den „Landpartie“-Filmaufnahmen im März 2013. Im AllerCafé hatte NDR-Moderatorin Heike Götz ihre neue Leidenschaft für das Stricken entdeckt und berichtete begeistert von ihrem damaligen Besuch in Otersen.

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