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„Erster Betrieb in Deutschland“

27. August 2017

Kamelfarm Marquard hat nach langen Bemühungen jetzt die Erlaubnis, Kamelmilch zu vertreiben

25 Jahre ist es her, dass Familie Marquard aus Hiddingen bei einem Tierhändler in Duisburg das erste Kamel mit dem Namen „Tamara“ erwarb. Mittlerweile ist die Herde auf 60 Tiere angewachsen und der Hof über die Grenzen des kleinen Ortes hinaus als „Kamelfarm“ bekannt. Reitausflüge, Showrennen auf Pferderennbahnen, Werbeauftritte oder originelles Transportmittel zu Feiern anlässlich des 30. Geburtstages – die „Wüstenschiffe“ von Andreas und Beke Marquard haben schon einiges erlebt. Jetzt möchte die Familie versuchen, nachdem sie immer wieder Nachfragen erhalten hat, Kamelmilch zu vermarkten, der bei der Behandlung einiger Krankheiten positive Wirkungen zugeschrieben wird.

Zweineinhalb Jahre haben die Marquards gebraucht, bis sie hohe hygienische Vorschriften erfüllt und „grünes Licht“ erhalten haben und nun die Milch ihrer Tiere vermarkten dürfen. „Es ist ein ganz schwieriger Weg, wenn man etwas Neues machen will“, freut sich Beke Marquard, dass wenigstens der erste Schritt nun gemacht ist und der Verkauf auf dem Hof möglich ist. „Als erster und zurzeit einziger Betrieb in Deutschland darf hier die Milch legal erworben werden“, betont sie. Für den Versand des frischen Nahrungsmittel oder den Verkauf auf Märkten haben die Hiddinger nach keine Erlaubnis und auch das Angebot auf dem eigenen Hof ist letztlich auch nur möglich, da ein Schild mit der Aufschrift „Vor dem Verzehr abkochen“ aufgestellt wurde. „Eigentlich ist das kontraproduktiv“, denn durch das Erhitzen könnten dem „weißen Gold der Wüste“ wertvolle Eigenschaften genommen werden.

Im Vergleich zur Kuhmilch erhält Kamelmilch, die etwas salziger schmeckt, fünfmal so viel Vitamin C und bis zu zehnmal so viel Eisen und Calcium, dafür aber deutlich weniger Fett und Zucker. Für Menschen mit einer Laktoseintoleranz soll sie besser verdaulich sein. Studien, die vor allem aus dem arabischen Raum stammen, sprechen der Kamelmilch positive Wirkung bei der Behandlung von Patienten mit Krebs – soll den Tod von Krebszellen fördern -, Autismus – soll die motorischen Fähigkeiten verbessern – und Diabetis 1 – soll die nötige Insulingabe verringern – zu.

Das Melken der Kamelstuten gestaltet sich schwieriger als bei Kühen. Damit die Höckertiere überhaupt ihre Milch hergeben, ist die Anwesenheit von ihrem Fohlen erforderlich. Dann geben die sechs Tiere, die zurzeit bei der Familie Marquard maschinell gemolken werden, jeweils rund drei Liter pro Tag – eine Milchkuh kommt im Schnitt auf 50 Liter. Rund ein Jahr lang geben die Stuten, die alle zwei Jahre fohlen können, Milch. Diese ist unbehandelt drei bis vier Tage haltbar, kann aber auch eingefroren werden – ohne dass die zugeschriebenen positiven Eigenschaften geschädigt werden sollen.

(rie)

 

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