Foto: (rie)

Ernte läuft durch Handarbeit

2. November 2017

Steffen Meyer ist einer der wenigen Landwirte in Deutschland, die Süßkartoffeln anbauen

Auf der Suche nach einem möglichen zweiten Standbein neben dem Spargel ist Steffen Meyer vom Spargelgut Meyer in Kirchwahlingen in diesem Jahr auf die Süßkartoffel gekommen. Neben dem Ziel, vorhandene Ressourcen besser auszunutzen, war es bei dem Landwirt auch Neugier und der „Reiz, ein bisschen an einer Entwicklung teilzuhaben“.

Denn der Bekanntheitsgrad der Süßkartoffel ist in den vergangenen Jahren in Deutschland stark angestiegen. Das nährstoffreiche Trendgemüse bereichert mit seinem süßlichen Aroma mittlerweile viele Gerichte. Es ist äußerst vielseitig, kann beispielsweise in einer Suppe, als Ofengemüse oder in einem Auflauf verwendet werden. „Ich finde, dass die Süßkartoffel auch besonders gut als Beilage zu Wild passt“, so Steffen Meyer.

Trotz des Namens ist es aber keine Kartoffel, sondern zählt zur Familie der Windengewächse und ist auch nicht mit einer Topinambur zu verwechseln, sondern ist eine eigene Kultur. „Die Süßkartoffel wird ganz selten in Deutschland angebaut“, weiß Meyer. So ist ihm in der näheren Umgebung kein weiterer Landwirt bekannt, der die Nutzpflanze kultiviert. Ihren Ursprung hat die Süßkartoffel in Mittel- und Südamerika, wobei mittlerweile China der größte Produzent ist. Und obwohl sie eigentlich das tropische Klima liebt, hat sich Steffen Meyer für den Anbau entschlossen. Auf etwa zwei Drittel Hektar hat er Anfang Mai 3000 Pflanzen gesetzt – kleine Stecklinge, die er bei einem Händler in Deutschland erworben hat.

Seit Oktober läuft die Ernte. Täglich rund 100 Kilogramm erntet er zusammen mit einem Mitarbeiter per Hand. Auf einen Maschineneinsatz verzichtet Meyer, da „die Schale sehr empfindlich ist“. Ein großer Zeitaufwand war auch in den ersten Wochen nach der Pflanzung erforderlich, denn es galt der starken Verunkrautung Herr zu werden.

Natürlich hat er auch erste Erfahrungen gesammelt. Die Nutzpflanze hat einen extrem hohen Wasserbedarf und „je schwerer der Boden ist, desto unförmiger werden die Süßkartoffeln“. Deshalb wird der Landwirt zukünftig den sandigen Boden seines Ackerlandes bevorzugen. Denn das „Experiment“ soll nicht nach einem Jahr enden, zumal der Landwirt mit Gastronomen und Einzelhändlern auch Abnehmer hat, die er mit frischer Ware beliefert.

Bis Mitte November wird die Ernte wohl andauern, danach haben Interessierte aber immer noch die Möglichkeit, Lagerware zu erwerben und sich somit selbst einen Eindruck vom Trendgemüse mit dem süßlichen Geschmack zu verschaffen, das vor Ort angebaut wurde.

(rie)

Schlagworte:

, ,



Back to Top ↑