Fotos: Sohnemann

Fotos: Sohnemann

Erlebnisse im Einklang mit der Natur

30. September 2018

Wenn es auf der dänischen Insel Samsö einmal laut zugeht, liegt es entweder am Wind oder an der aufbrausenden Ostsee, oder an beiden. Ansonsten scheint das Eiland die Ruhe zu verkörpern, die hier auch gern mit „hygge“ bezeichnet werden kann. Zu den belebenden Elementen der inseltypischen Gelassenheit zählt auf jeden Fall das Anladen der Fährschiffe im Hafen Ballen, der mehrmals täglich von den Transportmitteln der Gesellschaft Faergen angelaufen wird. „Das ist auch im Winter so“, erklärt ein Mitarbeiter aus der Tourismusbranche und weist darauf hin, dass die Insel ein Ganzjahresziel für Erholungssuchende ist. Vornehmlich kommen die Gäste vom Festland, aus Deutschland und natürlich aus dem nahe gelegenen Schweden.
Da weder Wanderer noch Angler zu den lautesten Freizeitsportlern gehören, passen diese natürlich hervorragend ins Bild des Tourismus‘. Entsprechend groß ist die Resonanz bei beiden Freizeitgruppen, die Insel Samsö als Traumziel zu bezeichnen. Darüber hinaus gehören auch Kanu- und Kajakfahrer zu dieser Gruppe. Für sie bietet Samsö eine Fülle von Möglichkeiten. Nun haben die 3.700 Bewohner der Insel im Kattegat nicht die Bettenkapazität wie Mallorca. Es reicht aber aus, um die Zielgruppe in allen Wunschkategorien unterzubringen.
Schon der beschauliche Hafen von Ballen, der „Hauptstadt“ von Samsö, strahlt eine genüssliche Gemütlichkeit aus. Im Becken dümpeln neben einigen Yachten betuchter Gäste zahlreiche kleine Fischerboote, die von den Besuchern gechartert werden können. Gesäumt wird das idyllische Ensemble von gastronomischen Betrieben, von denen sich keiner die Blöße geben will, unterhalb eines Sterneniveaus kochen zu wollen. Im Mittelpunkt steht dabei konsequent die Ernte von heimischen Feldern, aus den Gärten der Insel oder dem endlos scheinenden Gewässer um Samsö herum.
Wer schon einmal im Entspannungsmodus ist, kann diesen Zustand noch toppen, indem er sich an Mette Maj wendet. Die Tantra-Yoga-Lehrerin hat erst vor kurzer Zeit ihr Studio auf dem Dachboden des bäuerlichen Schobers eröffnet und darf sich über Zulauf aus ganz Europa freuen. „Es ist erstaunlich, wie gern die Menschen innere Ausgeglichenheit suchen. Hier können sie vollends für Stunden und nachhaltig aus dem Beruf heraustreten“, schildert die Lehrerin, die in den Wintermonaten weitere Seminare in Indien belegt, um ein möglichst breites Spektrum an Wissen und Übungen zu vermitteln.
Etwas lebendiger geht es hingegen bei der Falknerin Louise Vedel zu. Greifvögel bis zur Größe eines amerikanischen Weißkopf-Seeadlers zeigen ihre Flugkünste nahezu täglich einem begeisterten Publikum. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 400 Stundenkilometern sausen die Vögel durch die Lüfte und über die Köpfe der staunenden Betrachter hinweg. „Jetzt suche ich einen ganz Tapferen“, fordert Louise Vedel die Menge aus mehreren Dutzend Menschen auf. Der Schüler einer der oft zu Gast kommenden Schulklassen meldet sich mutig. Ihm soll ein Raubvogel auf dem Kopf landen. Zunehmend mulmig wird ihm, als Louise Vedel den Ruf folgen lässt: „Christiano Ronaldo, Du kannst kommen!“ Kurz darauf bricht die Menge in Gelächter aus. Aus einem Gehege kommt ein Merlin geflogen und setzt sich auf dem Kopf des minutenlang als Helden geltenden Jungen. Der Merlin ist bekanntlich der kleinste Raubvogel Europas und erreicht nahezu die Größe einer Elster.
Louise Vedel bietet mit ihren fünf angestellten Falknerinnen Shows, die viel Beachtung finden. Die Touristen indes interessieren sich auch für die typisch dänische Bauweise von Häusern. Teilweise erscheinen sie in ihrer geduckten Art wie die Utensilien von Puppenhäusern. Immer liebevoll umrankt von Rosen und anderen dekorativen Pflanzen. Eine besondere Idylle bietet die Ortschaft Nordby. Der örtliche Löschteich, der das Zentrum des Dorfes abbildet, ist umbaut von den kleinen, schmuckvollen Häuschen, wobei sich in der Mitte des Teiches Enten ihr Zuhause eingerichtet haben. Da die Insel nicht länger als 27 Kilometer ist, können Gäste hier nahezu alle Plätze ausfindig machen, in der sich die Natur mit all ihrer Schönheit widerspiegelt. So ist es ratsam, seinen Aufenthalt auf Samsö für mindestens eine Woche zu planen, wenn man die Natur liebt.
Zu erreichen ist Samsö über Kalundborg auf Fünen. Von dort verkehren die Fähren nach Ballen mehrmals täglich, wobei eine Überfahrt knapp über eine Stunde dauert und bereits die erste Lektion der Entspannung verabreicht. Bei der Fahrt nach Kalundborg fallen Brückenzoll-Kosten an, die mit jeweils 240 dänischen Kronen (etwa 33 Euro) zu Buche schlagen.
Kurt Sohnemann

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