Die Idylle erhalten – die Eisenbahnfreunde kämpfen darum Foto: hr

Eisenbahnfreunde kämpfen für die Kleinbahn

7. August 2016

Stemmen/Verden (hr). „Blumen pflücken während der Fahrt verboten“, so hieß es noch bis Anfang der 1970er Jahre bei einer Fahrt mit dem Bummelzug auf der Strecke von Verden nach Stemmen. Das Zitat war eine Anspielung auf das Tempo, mit dem der Zug unterwegs war. Seit 25 Jahren nutzen die Verdener Eisenbahnfreunde diese wunderschöne Kleinbahnstrecke und vermitteln damit Kleinbahngeschichte mit dem Fahrgefühl der 50er und 60er Jahre.

Bei dieser nostalgischen Fahrt geht es im gemächlichen Tempo durch eine abwechslungsreiche Landschaft, vorbei an Wiesen und Wäldern und dabei passiert die Kleinbahn die Haltestationen Eitze, Luttum, Hohenaverbergen, Armsen und Neddenaverbergen sowie dem Ziel Stemmen, die mustergültig instandgesetzt wurden. „Unser Verein ist mit seinen Bahnhöfen und Fahrzeugen ein echtes Kleinod norddeutscher Eisenbahngeschichte und hat sich in der Zeit einen Stück weit zur regionalen Heimatgeschichte entwickelt“. Darüber freuten sich in einem Pressegespräch der Vorsitzende der Verdener Eisenbahnfreunde, Walter Wenzel, und der Kassenwart des Vereins, Walter Stricks. Allerdings habe diese positive Entwicklung aber auch seinen Preis, denn der Verein sei finanziell nicht auf Rosen gebettet. Bedingt durch das Alter benötigten sämtliche Fahrzeuge einen immer größeren Unterhaltungsaufwand und viele Arbeiten dürften darüber hinaus auch nur noch von zertifizierten Werkstätten durchgeführt werden.

„Historische Fahrzeuge sind in der Unterhaltung eben sehr aufwändig, hinzu kommt außerdem noch, dass neue Bestimmungen sowie die Kostenexplosion im sicherheitsrelevanten Bereich immer mehr Mittel erfordern“ erläuterte Stricks weiter, diese könnten allein durch den Fahrbetrieb und Spenden bei weitem nicht mehr erwirtschaftet werden. Ohne Sponsoren und Spendengelder sowie Zuschüsse der Kommunen sei das allein nur durch das Engagement der Mitglieder und Freunde des Vereins nicht mehr zu schaffen. Der Vorstand beschäftige sich daher intensiv damit, aus öffentlicher Hand eine dauerhafte Unterstützung zu erhalten. Seitens des Landkreises und der Stadt Verden liege schon eine Zusage zur Zahlung eines Zuschusses vor, allerdings werde der nur dann gezahlt, wenn der Rat der Gemeinde Kirchlinteln seine Zustimmung gebe. Dafür habe die Kommune ein Konzept gefordert, das von Mitgliedern des Vereins erarbeitet worden sei, sagte Stricks. Hier gehe es unter anderem auch darum, dass die Museumsbahn nach wirtschaftlichen Grundsätzen agiere.

Das Papier werde nach der weiteren Abstimmung im Vorstand dem Gemeinderat kurzfristig übermittelt. Damit diese Kleinbahn-Idylle nicht in Gefahr gerate, seien die Gelder dringend erforderlich. Die Verdener Eisenbahnfreunde zeigen sich unglücklich über die Situation, dass die Lok und die Waggons ihrer Museumsbahn noch nicht betriebsbereit sind. Obwohl Mitglieder bei der Restaurierung der Waggons tatkräftige Unterstützung leisteten, gebe es einen großen finanziellen Bedarf bei den Arbeiten der Fachfirmen. Ein großer Posten sei die Lok „Magdeburger“, die auf die Abnahme durch einen technischen Prüfer warte. Die Kosten lägen vor, für die Finanzplanung fehlten noch die letzten Zusagen durch die Förderer, Sponsoren seien angefragt. Als erfreulich bezeichneten Stricks und Wenzel die Unterstützung durch den Eisenbahnverein in Bruchhausen-Vilsen, der Triebwagen zur Aufrechterhaltung des Fahrbetriebs zur Verfügung stelle. Auch die Zusammenarbeit mit der Verden-Walsroder-Eisenbahn sei stets konstruktiv.

Schließlich gebe es im „Kleinbahnbezirk“ eine besondere Art von Herzblut in ihrer Verbundenheit mit der Museumsbahn. Wer die Museumsbahner als Sponsor unterstützen möchte oder Mitglied des Vereins werden möchte, wendet sich direkt an Walter Stricks, 0171/5834925. Nähere Infos gibt es im Internet unter www.kleinbahnexpress.de.

(hr)

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