Foto: Sohnemann

Einzigartig in vielerlei Hinsicht

14. Juni 2020

Einzigartig in vielerlei Hinsicht Thomas Riese
Verarbeitung
Gepäckraum
Verbrauch
Leistung
Ausstattung
Sitze

Bewertung:

2.7


Im kleinsten wirklichen Offroader Jimny von Suzuki lauern viele nützliche Talente auf ihren Abruf

Manchmal liegt es auch an der Farbe, dass ein Fahrzeug nicht unbeachtet durch den Verkehr kommt. In dieser Disziplin hat Suzuki immer ein besonderes Händchen gehabt und sorgt damit für die Nuancen auf den Straßen, die vor Langeweile schützen. Der Jimny ist aber nicht nur hinsichtlich des Designs ein Paradiesvogel im Fuhrpark der Autofahrer. Er bringt Qualitäten als kleinster wirklicher Offroader mit in selbigen, der erst die besondere Klasse dieses Fahrzeugs ausmacht. Die Zielgruppen des Suzuki Jimny könnten unterschiedlicher nicht sein. Da schwören die Hipster auf den kleinen Japaner ebenso wie die Forstbediensteten, Jäger und Landwirte. Natürlich aus Gründen, die weit auseinanderliegen.
Falls jemand das Bedürfnis hat, mit dem Jimny durch die Stadt zu pirschen, ist die Wahl sicherlich nach dem Aufsehen erregenden Design auch dem bequemen Ein- und Ausstieg zu verdanken. Bürgersteige sind für den allradgetriebenen, kurzen Jimny kein wirkliches Hindernis, sodass er schon eine Art Überlegenheit demonstriert, zumal er auch in Lücken passt, die den meisten Kompaktfahrzeugen vorenthalten sind. Den puristischen Touch unterstreicht auch die Tatsache, dass der Jimny mit einem Radstand von 2,25 Metern sich eher wie ein motorisierter Hüpfball durch die Lande bewegt. Praktisch ist das Fahrzeug eigentlich nur für zwei Personen. Es gibt ihn nur als Dreitürer. Wer auf den beiden Fondsitzen Platz nehmen will, eher geschüttelt als gerührt ans Ziel kommen will, sollte schon über eine geringe sportliche Vorbildung verfügen.
Die Absicht des Fahrers sollte aber nicht sein, sich mit zu vielen Passagieren zu umgeben, wenn noch Gepäck mit auf die Reise genommen werden muss. Das 85 Liter fassende Heckabteil kapituliert bereits, wenn ein Bierkasten die Mitreise antreten soll. Bei zwei Menschen an Bord lässt sich das Ladevolumen aber auf ausreichende 830 Liter ausweiten. Das wird sicherlich die bevorzugte Konfiguration der Jimny-Fahrer sein, denn auch die pragmatische Gruppe aus der ländlichen Region will ganz sicher nicht auf die Transportfähigkeiten des extravaganten Sohn Nippons verzichten.
Durch die schmale und kurze Karosserie zwängt sich der Jimny durch Rückschneisen in den Wäldern, die ansonsten nur auf zwei Rädern bezwungen werden. Wenn das Gelände für andere Offroader längst zur Kapitulation geblasen hat, legt der Jimny sich noch einmal richtig ins Zeug. 205 Millimeter Bodenfreiheit reichen zumeist, um nicht aufzusetzen. Die Ganguntersetzung beflügelt ihn auf allen vier Rädern auch dort noch, wo ein dezentes Fahrmanöver angesagt ist. Bei dem geringen Eigengewicht von 1.165 Kilogramm dürfte der Druck auf den Untergrund nur mäßig sein, um nicht in schlammigen Passagen zu versinken.
Sollten die Wege nicht nur mit den Offroadqualitäten zu meistern sein, hat der Jimny überdies noch eine beeindruckend hohe Anhängelast im Köcher. Bis zu 1.300 gebremste Kilogramm werden von ihm an den Haken genommen. Das hilft in vielen Situationen weiter, wo andere Modelle bei praktisch ausgerichteten Personen längst durchs Raster gefallen sind.
Der Vielkönner im praktischen Format hat aber auch Seiten, die nicht mit der auf Komfort getrimmten Masse können. Auch wenn die Höchstgeschwindigkeit mit 145 km/h angegeben ist, wäre es ratsam, darunter zu bleiben. Windstöße und unebene Straßen können die Spursicherheit merklich beeinträchtigen. Aber als Rennfahrzeug kommt der Jimny ohnehin nicht in Frage. Auch wird er mit an wahrscheinlich grenzender Sicherheit nicht für den Umweltpreis nominiert, da er in der Effizienzklasse G angesiedelt ist. Der Testverbrauch von 7,5 Litern Superbenzin auf hundert Kilometer bestärkt diese Einstufung leider.
Der Jimny ist eben in seiner einzigartigen Erscheinung nicht gebaut, um den besten Windwiderstandsbeiwert zu erhaschen. Auf der Ebene konkurriert er nun einmal mit den zweckbestimmten Fahrzeugen. Und die werden aus angegebenen Gründen gekauft. Leider hat Suzuki derzeit mit einem Lieferengpass zu kämpfen, sodass die vielen Freunde des Jimny etwas Geduld aufbringen müssen, um sich ihren Liebling in die Stadt oder auf den Bauernhof zu holen.
Kurt Sohnemann

Technische Daten: Suzuki Jimny 1,5 Allgrip Comfort
Hubraum: 1.462 ccm – Zylinder: 4 Reihe – Leistung kW/PS: 75/102
5-Gang-Schaltgetriebe – Max. Drehmoment: 130 Nm/4.000 U/min.
Höchstgeschwindigkeit: 145 km/h – Beschl. 0-100 km/h: 12,8 Sek.
Leergewicht: 1.165 kg – Zul. Gesamtgewicht: 1.435 kg
Anhängelast gebr.: 1.300 kg – Gepäckraumvolumen: 85-830 Liter
Tankinhalt: 40 Liter – Kraftstoffart: Super – Verbrauch (Test): 7,5 l/100 km
Effizienzklasse: G – CO2-Ausstoß (WA): 154 g/km
Grundpreis: 20.900 Euro

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