Foto: ZWiK

Einige Zeitzeugen melden sich

5. Januar 2020

Zeitgeschichtliche Werkstatt im Kapitelhaus mit dem Stand des Buchprojektes zum Kriegsende zufrieden

Zum aktuellen Zwischenstand der Recherchen zum Buchprojekt der Zeitgeschichtlichen Werkstatt im Kapitelhaus zu Wittlohe (ZWiK) traf sich kürzlich die vierköpfige Redaktionsgruppe, zu der Wilhelm Timme, Harm Schmidt, Wilhelm Hogrefe und Hermann Meyer gehören. Die Veröffentlichungen in der heimischen Presse zum geplanten Buch, das zum 75. Jahrestag der Befreiung am 16. April 2020 vorgestellt werden soll, hatte Erfolg.
Es meldeten sich Zeitzeugen und berichteten aus ihrer damaligen Sicht als Kinder über die Situation Mitte April in ihren Dörfern, als die britischen Soldaten kamen. „Wir haben aber auch Einblick nehmen können in bisher unveröffentlichte Aufzeichnungen und Schulchroniken und konnten umfangreiches Fotomaterial sichten“, sagt Harm Schmidt, Vorsitzender der ZWiK.
Im Folgenden einige Auszüge: „Es waren in den letzten Tagen viele deutsche Soldaten in Hast und Eile durch unsern Ort gezogen. Ein Ritterkreuzträger war unsere letzte Einquartierung. Er hatte schon seine Frau dabei und ist sicher mit ihr vor der heranrückenden Front geflohen! Aber am 16. April war die Lage besonders gespannt. Es flogen Tiefflieger über unseren Ort. Die Soldaten, die in unser Dorf einzogen, waren erschreckend jung. Nicht älter oder gar noch jünger als ich, also 17 oder 18 Jahre. Man merkte, dass sie fürchterliche Angst hatten.
Ein Soldat kam zu uns ins Haus und bat, ich möge einen Uniformknopf annähen, was ich auch tat. Ich merkte, dass er vor Angst zitterte. Er erzählte Vater, er habe versucht, in Richtung Schneiderberg sich abzusetzen. Aber dort wäre er von einem Offizier wieder ins Dorf geschickt worden, unter Androhung von Erschießung“, ist in den Aufzeichnungen von Elisabeth Meyer, geb. Allermann, aus Bendingbostel zu lesen.
Der damals neunjährige Wilfried Glinz erinnerte sich, wie seine Mutter und andere Frauen aus Verden mit ihren Kindern zu Fuß nach Weitzmühlen flüchteten und bei den Familien Kuhlmann und Luttmann Unterschlupf fanden. „Am nächsten Morgen kamen die Engländer. Wir waren alle in der Diele und lagen auf dem Lehmboden. Wir übten gemeinsam die Hände hochzuhalten, falls die Tür aufging. Durch einen Spalt in der Dielentür konnte ich sehen, wie die Briten ins Dorf kamen. In unser Haus kamen sie aber nicht.“
Lehrer Friedrich Bremer schrieb in der Wittloher/ Stemmener Schulchronik über das vorbildliche Verhalten der britischen Soldaten: „Vor dem Vorrücken der britischen Truppen war die Bevölkerung immer wieder gewarnt worden, dass man sehr grausam behandelt würde, trotzdem waren die Einwohner fest von der Menschlichkeit des Gegners überzeugt. Doch die Truppen zeigten sich anders. Nirgends ist es zu Misshandlungen oder Tötungen gekommen. Die Durchsuchung der Häuser nach verstecktem Widerstand geschah schnell und ohne Lärm, dass die Krieger dabei kleine Sachen als Beute oder Andenken manchmal mitnahmen, ist Kriegsrecht. An gefährdeten Stellen sorgten sie für Räumung und nannten ihnen Punkte, wo sie zu dieser Zeit wohl sicherer unterkommen könnten. Verletzte und Kranke wurden zum Arzt gebracht und manches Kind und mancher Alte erhielten Lebensmittel von den Rationen der Soldaten. Es war ihnen allerdings verboten, den Einwohners etwa zu geben oder mit ihnen zu plaudern.“
Wer noch mit weiteren Informationen oder Fotos zur Situation des Kriegsendes in der Gemeinde Kirchlinteln beitragen kann, wird gebeten, sich telefonisch bei Harm Schmidt unter (04231) 928180 oder bei Hermann Meyer unter (04236) 1397 zu melden. Redaktionsschluss für das Buch ist am 1. Februar.

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