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„Einige kommen sogar dreimal im Jahr“

22. April 2018

Rund 18.000 Menschen lassen sich jährlich vom Backtheater in Honerdingen unterhalten

Mehr als 15 Jahre ist es mittlerweile her, dass Bernd Hartmann die Idee für ein Backtheater in seiner Bäckerei in Honerdingen hatte. „2003 hatten wir nicht mehr die Kundschaft, wollten das Gebäude aber am Leben halten“, erinnert sich Hartmann an die Ursprünge. Mit Flugzetteln wurde damals Werbung für die „Neuheit“ gemacht. „Als sich dann die ersten Gruppen angemeldet hatten, musste ein Stück geschrieben werden“, so der 69-Jährige.
Wie es sich für einen Bäckermeister gehört, hatte das Stück etwas mit seinem Handwerk zu tun. „Ich backe mir einen Schwiegersohn“ feierte am 24. Februar 2003 Premiere. Und wie jedes der mittlerweile sieben von Hartmann geschriebenen Geschichten war es „ein Stück aus dem Leben“ und auch ein erfolgreiches. Zehn Jahre lang wurde es auf die Bühne gebracht.

Die Schauspieler sind teilweise Angestellte des Backhauses und Restaurants oder werden per Zeitungsanzeige gesucht. An sie werden von Hartmann, der nicht nur als Regisseur fungiert, sondern auch jedes Mal mit auf der Bühne steht, hohe Anforderungen gestellt. „Professionell, mit Leichtigkeit, wie im Leben spielen“, erwartet der 69-Jährige von seinen Darstellern. Textsicherheit ist eine weitere Voraussetzung, denn es gibt keine Souffleuse. Dafür gibt es für jedes neue Stück rund 20 Proben. „Die Menschen zahlen Eintritt, haben Erwartungen und die dürfen wir nicht enttäuschen“, erklärt Hartmann seinen Hang zum Perfektionismus. Er will sein Publikum, das zum größten Teil aus der älteren Generation kommt, mit seinem Theater von den Alltagssorgen und -nöten abbringen, es nach einem „schönen Tag mit einem Lächeln nach Hause schicken“ – ein Vorsatz, der erfolgreich umgesetzt wird.

Rund 18.000 Menschen kommen jedes Jahr aus dem kompletten norddeutschen Raum in das rund 150 Leute passende Theater. Sozialvereine, Bürgervereine und Kirchengemeinden aus Kassel, Kiel, Magdeburg oder Berlin finden zu den Vorstellungen an sechs Tagen in der Woche den Weg nach Honerdingen. „Einige kommen sogar dreimal im Jahr“. Sie haben dabei die Möglichkeit, jedes Mal eine andere Geschichte zu sehen.
Fünf Stücke führt das Backtheater in einem Jahr auf, in der Regel jede Woche ein anderes. Ausnahme bildet die Vorweihnachtszeit, in der ab Mitte November die Weihnachts-Komödie „Himmlische Bescherung“ gespielt wird. Und in den ersten Februar-Wochen heißt es „Bäcker-Karneval“, für den Hartmann jedes Jahr neue Büttenreden schreibt.

Daher ist für ihn der spielfreie Januar auch alles andere als ein Ruhemonat. „Dann bin ich so was von im Stress.“ Es gilt dann nicht nur kreativ zu werden, sondern die neuen Texte mit dem Ensemble, zu dem mit Sigrid Rosebrock, Engelbert Schlee und Karl-Heinz Waldow noch drei Mitglieder der ersten Stunde gehören, zu proben.
Ein Nachmittag im Backtheater beginnt in der Regel um 12 Uhr mit der ersten Kontaktaufnahme durch Bernd Hartmann. Nach einem möglichen Essen und Bäckerquiz beginnt um 14 Uhr die Aufführung, unterbrochen durch ein Kaffeetrinken. Gegen 17:30 Uhr machen sich die Besucher wieder auf den Heimweg.

Sein 15-jähriges Bestehen feiert das Theater, das seine Popularität auch der Berichterstattung einiger Fernsehsender verdankt, unter anderem mit einem neuen Stück. Seit Mitte März wird die Nachbarschafts-Komödie „Bruch zum 60. Geburtstag“ aufgeführt. Wie lange das Backtheater in seiner jetzigen Form noch existiert, steht noch ein wenig in den Sternen. Der 69-jährige Hartmann würde gerne etwas kürzer treten, ist auf der Suche nach einem Nachfolger.

(rie)

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