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Eine mustergültige Lebensdauer

9. August 2015

Hans-Hermann Holst ist mit seinem Mercedes-Benz 220 CDI seit 700.000 Kilometern auf Achse

„Das war ein großer Moment für mich, aber dass die Verbindung so lange halten würde, hätte ich nicht gedacht“, spricht Hans-Hermann Holst über seinen Begleiter auf Pneus so, als würde er über seine Ehefrau reden.

Doch Olga Holst kennt diese Aussagen und quittiert sie mit einem wohlwollenden Lächeln.
Der Beginn der Verbindung zwischen Hans-Hermann Holst und dem Mercedes-Benz 220 CDI entstand nach einem Besuch im Werk und dem Bezahlen von 65.000 Mark. Das war im Jahre 1999, als es Euro nur als Buchgeld gab.
Die Anschaffung eines Mercedes-Benz ist allein nicht ungewöhnlich, auch wenn es für den pensionierten Postbeamten Hans-Hermann Holst ein Schritt in den Komfort auf der Straße war.

Das Herausragende an dieser Beziehung ist die Lebensdauer des Fahrzeugs. Der Benz begleitete den Ahldener jetzt bereits 700.000 Kilometer durchs Leben. Auch das ist keine Seltenheit bei Dieselmotoren.

Aber mit dem ersten Motor, dem ersten Getriebe, der ersten Batterie und dem ersten Auspuff diese Kilometerleistung zu erreichen, bringt doch viele Fachleute zu verwundertem Staunen.
„Ich bin gestern extra nach Büchten gefahren, damit meine Frau mit ihrem Handy ein Foto vom Kilometerstand machen kann“, beschreibt Hans-Hermann Holst die letzten Kilometer vor der 700.000er Marke, als handele es sich um den denkwürdigsten Moment in seinem Leben. Dabei hatte er auch schon die halbe Million und die 600.000 ausgiebig gewürdigt begangen.

Sogar eine Werkseinladung und eine goldene Nadel mit dem Stern hat der 75-Jährige dafür eingeheimst.
Während Holst die ersten Jahre scheckheftgerecht durch die Lande fuhr, hat er jetzt etwas in der konzentrierten Pflege mit dem Mobil nachgelassen, weil der Rost droht, ihm den Mercedes-Benz aufzufressen.

Auch wenn der Vierzylinder mit 138 PS unter der Haube immer noch seinen Dienst versieht und lediglich die Lichtmaschine und der Anlasser einmal ausgetauscht werden mussten, wird sich Hans-Hermann Holst wohl bald von seinem Gefährt trennen müssen. „Es ist eben der Rost, der dem Auto zu schaffen macht“, klingt er ein bisschen Wehmütig, auch wenn er kein Autofetischist ist.

(so)

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