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Eine Ikone mit Blessuren unter der Fassade

8. November 2020

Eine Ikone mit Blessuren unter der Fassade Thomas Riese
Verarbeitung
Gepäckraum
Verbrauch
Leistung
Ausstattung
Sitze

Bewertung:

3.2


Die achte Generation des Golfs von Volkswagen ist verbraucherfreundlicher und besitzt eine moderne Optik, hat aber Probleme mit der Elektronik

Als Volkswagen-Vorstand Herbert Dies während der Enthüllung der achten Golf-Generation vom „besten Golf, den wir je gebaut haben“ sprach, blickte die Fachwelt gespannt auf die Förderbänder. Immerhin war der Golf optisch ein Golf geblieben. Warum sollte der weltgrößte Automobilkonzern auch seine Strategie und die Gallionsfigur ändern? Der Golf ist eines der erfolgreichsten Fahrzeuge der Welt geworden und hat es sogar geschafft, dass eine ganze Fahrzeugklasse nach dem Parade-Wolfsburger benannt wurde.
Optisch ist das Modell dann auch so gelungen, wie sich ein modern ausgerichteter Kunde seinen Golf vorstellt. Die Linienführung ist deutlicher betont als beim Vorgänger, die Dimensionen sind verbraucherfreundlicher geworden und Platz bietet er für seine Insassen mehr, als jeder andere Golf zuvor. Da auch die Motoren des Konzerns eine bewährte Qualität bei entsprechender Bandbreite haben, sollte dem erneuten Erfolg der Baureihe nichts mehr im Wege stehen.
Dass aber der Ausruf des Vorstandsvorsitzenden auch als Ruf an die Götter der Elektronik verstanden werden konnte, diese offenbar auf ihren Ohren saßen, stellte sich erst später heraus. Die Produktion des meistverkauften Volkswagens geriet ins Stocken und hat offensichtlich noch mehr Schwierigkeiten verursacht, nachdem auch die Elektrifizierung Einzug unter die Hauben einiger Modellreihen gefunden hat.
Das Testfahrzeug aus der Modellreihe Golf 8 R-Line mit der 1,5-Liter-Ottomotor als primäre Leistungsschöpfung und der zusätzlichen 48-Volt-Batterie, die letztlich in ihrer Eigenschaft als elektrische Komponente einen Mildhybrid aus dem Golf machen soll, wollte nicht so recht den Aufgaben folgen, die ein Auto nun einmal erledigen muss. Der Weg von A nach B sollte bereits nach wenigen Kilometern mit dem Warnhinweis garniert werden, dass die 48-Volt-Batterie nur eingeschränkt tätig ist. Das Anhalten des Fahrzeugs wäre empfehlenswert. Ein Blick ins Bordbuch sollte nähere Erkenntnisse bringen. Dieses verriet, dass die Batterie im Leerlauf wieder geladen werden könne. Die ersten Zweifel an der Umweltverträglichkeit des Fahrzeugs mussten schon mit einigem inneren Gewaltaufwand verdrängt werden.
Nach dem empfohlenen Vorgang änderte sich leider nichts am Warnzustand. Der Empfehlung, die Werkstatt aufzusuchen, konnte also nachgekommen werden, zumal Volkswagen noch einige Vertrags- und Servicehändler in der Nähe der Autofahrer unterhält. Doch die 16 Kilometer zum Zielwunsch des Fahrzeugs endeten noch kurz vor dem Ziel. Da sämtliche Funktionen ihren Dienst einstellten, selbst die manchmal wie von Geisterhand aktivierte Lenkradheizung nicht mehr für aktive Abwechslung sorgte, durfte der ADAC eingreifen.
Im Vorgespräch auf einen Golf hingewiesen, fragte der offensichtlich gute Kenner der Pannenmaterie am anderen Ende des Telefons gleich: „Golf 8“? Nun nährte sich die Vermutung, dass die Stimmen der Kollegen, die das Fahrzeug aus Wolfsburg bereits näher unter die Lupe nahmen: Hier muss in Wolfsburg noch tüchtig an der Entwicklung gearbeitet werden. Unerlässlich, dass die Elektronik perfektioniert werden muss, um den Siegeszug einer ganzen Modellreihe weiterzuführen.
Ohne diese wesentlichen Einschränkungen machte der hübsche Vertreter der Kompaktklasse einen soliden und durchaus akzeptablen Eindruck. Das Fahrwerk ist nochmals verbessert worden und bietet jetzt eine optimierte Abstimmung bei unterschiedlichen Untergründen, und auch die Geräuschdämmung ist so gut, dass keine Wünsche diesbezüglich entstehen können.
Das Interieur ist dank der Überfrachtung des Displays so gewöhnungsbedürftig, dass sich der Fahrer erst einmal eine angemessene Zeit damit befassen muss, um die Funktionen zuzuordnen, so sie dann auf ihrem Dienst nachkommen wollen. Die Verarbeitung der haptischen Materialien im Innenraum ist aber mustergültig.

Kurt Sohnemann

Technische Daten: Volkswagen Golf 8 R-Line 1.5 eTSI DSG
Hubraum: 1.498 ccm – Zylinder: Reihe – Turbo
Systemleistung kW/PS: 110/150 – Max. Drehmoment: 250 Nm/1.500 U/min.
Frontantrieb – 7-Gang-Doppelschaltgetriebe
Höchstgeschwindigkeit: 224 km/h – Beschl. 0-100 km/h: 8,5 Sek.
Leergewicht: 1.366 kg – Zul. Gesamtgewicht: 1.870 kg
Anhängelast gebr.: 1.700 kg – Gepäckraumvolumen: 381-1.237 Liter
Tankinhalt: 50 Liter – Kraftstoffart: Super – Verbrauch (Test): 7,1 l/100 km
Effizienzklasse: A – CO2-Ausstoß (WA): 106-111 g/km – Euro 6d
Grundpreis: 33.230,59 Euro

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