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Ein Idyll in der „grünen Lunge Walsrodes“

19. Mai 2019

Kleingärtner schaffen sich in ihren Parzellen Erholungsoasen und versorgen sich selbst

Mehr als 200 Jahre ist es mittlerweile her, dass in Kappeln (Schleswig-Holstein) Gartenparzellen verpachtet und erstmals Nutzungsbedingungen festgelegt wurden. Mittlerweile nutzen deutschlandweit etwa fünf Millionen Menschen einen Kleingarten in rund 14.000 Vereinen. Während in der Anfangszeit noch die reine Versorgung mit Nahrungsmitteln im Vordergrund stand, entwickelte sich in den Jahren der Obst- und Gemüseanbau für den Eigenbedarf zu einem beliebten Hobby, dem in jüngster Zeit gerade in ländlichen Regionen aber immer weniger Interessierte nachgehen wollen. Dies haben auch die Vorstandsmitglieder des Kleingärtnervereins „Gartenfreund“ am Walsroder Bismarckring beobachtet. „Wenn alte Hasen ausscheiden, ist es schon schwierig, Nachfolger zu finden“, sagt Vorsitzende Adele Kirsch-ner, die seit fast 25 Jahren Mitglied ist und seit 1999 an der Spitze des Vereins steht. „Während in den Großstädten die Nachfrage da ist, ist sie im ländlichen Bereich nicht so groß, da dort viele Menschen bereits einen eigenen Garten besitzen“, zeigt sie Unterschiede zu den Ballungszentren auf, in denen Vereine bereits Wartelisten führen.
Die Walsroder „Gartenfreunde“ wurden am 13. Juli 1947 gegründet, feiern somit in drei Jahren ihr 75-jähriges Bestehen. Aktuell verfügt der Verein über 24 Mitglieder, die im Schnitt etwa 55 Jahre alt sind. 53 Parzellen mit einer durchschnittlichen Größe von 300 Quadratmetern gehören zum Gelände, 18 davon stehen leer. Um den Leerstand ein wenig zu kaschieren, wurden in den vergangenen Jahren zwei Streuobstwiesen angelegt. Zudem versucht der Vorstand, die Parzellen attraktiver zu machen. „Grundstücke ohne Geräteschuppen werden wir kaum los, daher versuchen wir, dort jetzt welche aufzustellen.“
Die Vorsitzende, ihre Stellvertreterin Cornelia Döring und Schriftführer Volker Heerde haben in der jüngsten Vergangenheit durchaus die Erfahrung gemacht, dass das Interesse an Parzellen bei den Menschen vorhanden ist. Nach einem Informationsaustausch und einer gewissen Zeit des Überlegens würden viele aber von einer Pacht absehen. „Eine Parzelle macht natürlich Arbeit, aber auch viel Spaß“, ist Cornelia Döring überzeugt. Die Tätigkeit im Kleingarten und das bewusste Erleben der Natur sei beispielsweise ein guter Ausgleich für einen stressigen Berufsalltag und schließlich „schmecken eigene Kartoffeln oder Bohnen einfach besser“. Auch für Kinder sei es interessant zu sehen, wie zum Beispiel Petersilie wachse.
Freude an der Gartenarbeit sollten mögliche Interessenten also besitzen, denn die Gartenordnung schreibt vor, dass keine Monokulturen erlaubt sind. Es muss Eigenversorgung betrieben, Obst oder Gemüse angebaut werden. Sinn für die Gemeinschaft sollte ebenfalls mitgebracht werden, da unter anderem im Jahr 15 Stunden für die Pflege der Anlage und Reparaturen zu leisten sind. „Die freiwillige Arbeit ist aber meistens deutlich mehr“, lacht Adele Kirschner.
In Kleingartenanlagen habe sich in den letzten Jahrzehnten die Bewirtschaftung deutlich gewandelt. Zwar stehe die Selbstversorgung mit frischem Obst und Gemüse noch immer an erster Stelle, aber der Aspekt des Erholungsfaktors habe an Bedeutung gewonnen. „Wer sich ein Idyll erschaffen will, kann dies unter der Beachtung der geltenden Richtlinien.“ Die drei Vorstandsmitglieder wissen aus eigener Erfahrung, dass sich Entspannung und Erholung nach getaner Arbeit auf der eigenen Terrasse bei Vogelgezwitscher in der „grünen Lunge Walsrodes“ bestens finden lassen.
Weitere Informationen zum Verein und freien Parzellen gibt es bei der 1. Vorsitzenden Adele Kirschner, Telefon (05161) 487598 und E-Mail adele-kirschner@ hotmail.de.

(rie)

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