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Eigene Kreationen in Porzellan verewigen

2. Juli 2017

Auch nach 270 Jahren noch ein gefragter Schmuck auf dem Tisch

Sicherlich würde es heute gar keine Manufaktur in Fürstenberg geben, wenn nicht die Herrscher im 18. Jahrhundert so versessen auf Porzellan gewesen wären. Dazu zählte auch Karl I. – der Herzog von Braunschweig und Wolfenbüttel wie auch Herzog von Braunschweig und Lüneburg. Weil in den herrschaftlichen Häusern das Porzellan zu den edelsten Schmuckgegenständen zählte, wollte besagter Herzog nicht weniger prunkvoll dastehen, als seine Zeitgenossen. So verfügte er, dass am äußersten Zipfel seines Einflussgebietes, in der Nähe von Höxter, die Menschen Porzellan herstellen sollten.

Das Vorhaben war einfacher gesagt, als umsetzt. Vorerst musste ein versierter „Porzellanmacher“ gefunden werden, der diesen Wunsch in die Tat umsetzen konnte. Das gelang, nachdem einige Täuscher vorgaben, es zu können, dann aber mit dem ausgehandelten Lohn verschwanden. 1747 konnte die Manufaktur Fürstenberg in gleichnamiger Ortschaft dann aber das Handwerk aufnehmen. Zwar mussten die Zutaten Kaolin, Quarz und Feldspat teilweise nach Fürstenberg geschaffen werden, aber nur wenige Jahre später war alles in der Region verfügbar. „Wichtig war damals, den Menschen in dieser Gegend Arbeit zu geben“, so Dr. Christian Lechelt, der das Porzellanmuseum in Fürstenberg leitet. Es gab Zeiten, in denen produzierten über 400 Menschen in Fürstenberg das begehrte Porzellan.

Da sich in der Gesellschaft die Prioritäten verschoben haben, ist die Zahl der Angestellten im ehemaligen Jagdschloss an der Weser bis auf 100 gesunken. Statt des Sammelgeschirrs ist es den heutigen Konfirmanden wichtiger, das neueste Smartphone zu besitzen, wenn möglich, noch ein Tablet dazu. Gegessen wird in aller Regel vom Billigset aus dem Sortiment eines schwedischen Möbelhauses. „Wir richten uns mit unseren Produkten vorwiegend an Hotels der gehobenen Klasse und Sterneköche. Aber auch gut verdienende Zeitgenossen investieren in hochwertiges Porzellan von uns“, erklärt Andreas Blumberg, der für das Marketing bei Fürstenberg zuständig ist. So sollte es niemanden wundern, wenn er von Porzellan der drittgrößten deutschen Manufaktur isst, wenn er bei einem der reichen Scheichs im Orient zu Gast ist. Das einzige noch vollständige Tafelservice aus dem 18. Jahrhundert aus der Porzellanmanufaktur Fürstenberg besitzt die Königin von England.

Aber nicht nur der Ausblick in die Vergangenheit ist für die Besucher interessant. Die vielen unterschiedlichen Exponate aus Porzellan sind faszinierend, und Kinder sind ganz besonders angetan von der Herstellung der wertvollen Dinge aus dem zerbrechlichen Werkstoff. So ähnlich wie es die etwa 50 produzierenden Industriekeramiker täglich handhaben, können Besucher ihre eigenen Teller in der Besucherwerkstatt herstellen oder fertige Rohlinge mit eigenen Kreationen bemalen. Dann dürfen sie sich ihr eigenes Kunstwerk nach der endgültigen Fertigstellung durch Brennen anschließend abholen oder nach Hause schicken lassen.

„Die Schulklassen sind immer ganz fasziniert. Die Jungen verewigen zumeist die Embleme von Fußballvereinen in den Porzellantellern oder -schalen, die Mädchen bevorzugen romantischere Motive“, so Lars Trentmann, der als Museumspädagoge sogar eine gern genutzte Rallye durch das Museum entworfen hat.

Es werden von den fachlich versierten Kräften des Hauses Fürstenberg aber auch Kurse in Porzellanmalerei angeboten. „Die sind häufig schon lange im Voraus ausgebucht“, erinnert Dr. Christian Lechelt an eine rechtzeitige Buchung. Gruppen begnügen sich häufig mit einem der interessanten Besuche von Museum und Besucherwerkstatt, wo der direkte Kontakt mit dem wertvollen Stoff intensiv gegeben ist. Infos können Interessierte unter www.fuerstenberg-schloss.com erhalten.

(so)

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