Temperamentvolle Italienerin. Foto: (so)

Ducati Scrambler Icon

1. Juli 2015

Lebhafte Erinnerungen

All denjenigen, die kontinuierlich behaupten, früher wäre alles besser gewesen, dürfte angesichts der Ducati Scrambler das Herz aufgehen. Nicht etwa, dass die erste Scrambler, die Ducati im Jahre 1962 aus der Werkhalle entließ, wieder auf die Straße geschickt wird. Die hat eine würdige Nachfolgerin gefunden. Eine, die mit der Technik von heute und dem Poesiealbum der 70er Jahre unter dem Arm durch die Straßen flaniert.

Auch wenn das grobe Profil, das Pirelli eigens für das Bike kreiert hat, an den Querfeldein-Ausflug erinnert, ist die kleine Italienerin eine reinrassige Kandidatin für den Mailänder Laufsteg oder andere Boulevards, wo interessantes Design zur Kenntnis genommen wird. Zuerst einmal sticht die ungewöhnliche Farbe für ein Unternehmen ins Auge, das vornehmlich in Rot fertigt.

Die Scrambler Icon ist in Gelb gehalten. Der tropfenförmige Tank im Retrostyle passt sich in den Doppelrohrrahmen so perfekt ein, dass die Scrambler in ihrer Formgebung gar nicht schöner sein könnte. Dass die Italiener Weltmeister im Design sind, beweisen sie mit den Formgebungen, die bis ins Detail reichen. Schon der Zündschlüssel lässt durch seine historische Anmutung erkennen, dass hier ein Stück Vergangenheit entfacht wird. Die konsequente Umsetzung der Eigenständigkeit setzt sich bis zum Kennzeichenträger fort, der den Heckreifen unscheinbar wie ein Arm umgreift.

Eigenwillig und damit auch markant zeichnet Ducati damit die eigene Handschrift. Sind die zwei Zylinder gezündet, die in einem Motor angeordnet sind, der eine Weiterentwicklung aus der Monster 796 ist, blubbert ein Sound durch das kurze Endrohr der nahezu unscheinbaren Auspuffanlage, dass die Betrachter auf die Idee kommen könnten, die Kleine wäre nach Stimmbruch auch schon mit Bartwuchs gesegnet.

Kernig und störrisch, wie nur eine Südländerin sein kann, macht sie sich dann auf den Weg durch die engsten Gassen der Stadt. Das ist ihr Territorium, durch ihre zierliche Bauart und der Sitzhöhe von 770 bis 790 Millimetern ist sie beispielhaft wendig und denen auf den Leib geschneidert, die mit der Natur angesichts ihrer Größe oder Beinlänge hadern.

Der breite Lenker spricht zudem für den Kurz- und Mittelstreckeneinsatz, die harte Sitzbank für zwei Personen widerspricht deutlich dem Langstreckenverkehr. Es dürften nicht wenige Scrambler-Fahrer sein, die bei Überlandfahrten froh über den kleinen 13,5-Liter-Tank sind, wenn sie wieder an die Zapfsäule dürfen, bevor die Sitzbank aus den vier Buchstaben unter dem Rücken fünf oder sechs gemacht hat.

Angesichts der fast horizontal angeordneten Aluminiumschwinge ist auch der Federkomfort nur bedingt für Geländeeinsätze oder ähnliche Ausflüge prädestiniert. Ducati dürfte sich dennoch nicht über mangelnde Aufträge beschweren, weil die Scrambler im Stadtverkehr und bei gut getimten Wochenendausflügen nicht nur ein Blickfang, sondern auch ein Erlebnis ist. Vorausgesetzt ist immer eine finanzielle Grundlage, die für das Vergnügen mindestens 8.390 Euro erübrigt.

(so)

 

Daten: 2 Zylinder

2 Ventile pro Zylinder – luftgekühlt – 803 ccm – 55 kW/75 PS bei 8.250 U/min – max. Drehmoment 68 Nm bei 5.750 U/min – 6-Gang – Kette – 13,5-Liter-Tank – Länge 2.165 mm – Breite 845 mm – Leergewicht 170 kg – Sitzhöhe 770 bis 790 mm – Preis 8.390 Euro

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