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Drei Regeln für die Fütterung

18. November 2018

Winterfütterung rettet Vogelleben und vermittelt nicht nur Kindern Artenkenntnis

Obwohl sich der Herbst momentan noch von seiner goldenen Seite zeigt, gab es in einigen Gebieten Niedersachsens schon frostige Nächte. Der einkehrende Winter bedeutet für viele Vögel einen Mangel an Nahrungsquellen durch gefrorene Böden und Wegfall diverser Insekten. Viele Vogelliebhaber füttern deshalb ihre gefiederten Freunde in Vogelhäusern oder Futterplätzen. Der NABU ruft dazu auf, beim Füttern von Wildvögeln im Winter einige Ratschläge zu beherzigen, um den Tieren nicht zu schaden.

Die Frage, ob Vögel im Winter überhaupt gefüttert werden sollten, beantwortet der NABU mit einem klaren Ja. „Wer Vögel füttert, kann sie optimal beobachten und wird mit spannenden Naturerlebnissen belohnt“, sagt Ulrich Thüre, Pressesprecher des NABU Niedersachsen. „Gleichzeitig sollte klar sein, dass die Vogelfütterung die Probleme der Vogelwelt nicht löst. Einen naturnahen Garten, eine giftfreie Landwirtschaft und ein reiches Angebot an Nistmöglichkeiten kann man nicht durch ein paar Futterhäuschen ersetzen.“ Bei der Fütterung sollten jedoch drei Regeln beachtet werden. So sollten beispielsweise keine Speisereste verfüttert werden. Vor allem gesalzene Speisen sind gefährlich. Stattdessen sollte man auf artgerechtes Futter für Vögel zurückgreifen. Energiereiche Samen und Nüsse sind dafür am besten geeignet. Dazu zählen unter anderem Hafer, Maisflocken, Sonnenblumenkerne (geschält und ungeschält), andere Saaten, ungesalzene Erdnüsse und Haselnüsse aber auch Haferflocken als Streu- und Futtersäulenmischungen. Wichtig ist auch die richtige Mischung: Damit „Feinfresser“ wie Rotkehlchen, Heckenbraunelle und Erlenzeisig nicht ausgeschlossen werden, sollten keine ausschließlichen Fütterungen mit nur einer Futtersorte erfolgen. Das Futter sollte frei sein von Samen der gefährlichen Ambrosiapflanze.

Als dritte Regel sollte berücksichtigt werden, dass Massenfutterplätze die Verbreitung von Krankheiten begünstigen. Besser als große Futterhäuser sind Futtersäulen, Futtertrichter und auch Kleinfutterhäuser, in denen das Futter trocken nachrutschen kann und die gegen Verschmutzung geschützt sind. Mehrere Futtersäulen und -trichter sollten im Abstand zueinander angebracht werden, damit viele Vögel die Chance haben, sie zu nutzen. Amseln, Wacholderdrosseln und andere Arten nutzen das herunterfallende Futter. Diese Plätze sollten täglich gesäubert werden. Für Fasane, Rebhühner und andere Wildvögel sollten sogenannte „Bodenschütten“ aufgestellt werden, in denen das Futter ebenfalls nachrutschen kann und die auch an Feldhecken und Waldrändern aufgestellt werden können. An ihnen sammeln sich oft auch Mäuse – eine willkommene Nahrung für ebenfalls hungernde Greifvögel und Eulen.

Um Artenkenntnisse zu vermitteln, stellt die Winterfütterung von Vögeln eine erstklassige Gelegenheit dar. Vor allem mit Kindern ist dies eine schöne Tätigkeit, um ihnen die Natur näher zu bringen. „Heutzutage gibt es schon ganze Generationen mit so gut wie keinen Artenkenntnissen“, sagt Ulrich Thüre, Pressesprecher des NABU Niedersachsen.

Auch Nistkästen erfüllen im Winter wichtige Aufgaben und sind in manchen Fällen sogar Lebensretter. „Ob Meisen, Kleiber, Eichhörnchen oder Siebenschläger – selbst die wetterbeständigsten Outdoor-Profis schätzen eine warme Schlafstube“, erklärt Ulrich Thüre. Da Vögel mit 39 bis 42 Grad ständig eine höhere Körpertemperatur als Säugetiere aufrecht erhalten müssen, verbrennen sie in der kalten Jahreszeit viel Körperfett. Dadurch verlieren sie schnell an Gewicht und sind oft geschwächt. Eine kalte Nacht auf einem schutzlosen Zweig kann ihnen da zum Verhängnis werden. Sperlinge bauen deshalb regelrechte Winternester, in die sie sich bei Frost einkuscheln. Von Zaunkönigen weiß man, dass sie sich im Winter gegenseitig in Nistkästen wärmen. Auch das Bauen von Nistkästen macht Spaß und eignet sich hervorragend, um Kinder und Jugendliche mit Tieren und deren Lebensweise vertraut zu machen. Ein voll ausgebuchter Nistkasten ist allerdings nur dann zu erwarten, wenn der Garten naturnah gestaltet ist und die Vögel entsprechend Nahrung finden.

(chi)

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