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Drang nach Unabhängigkeit und kulinarische Highlights

9. September 2018

Die dänische Insel Samsö versorgt sich komplett selbst und erfreut seine Besucher mit Gaumenfreuden aus regionalen Produkten

Dass die Wikinger direkte Vorfahren der Einwohner von Samsö sind, ist naheliegend. Aber ob dies auch der Grund für die Bemühungen sind, der dänischen Inselwelt in der Nachbarschaft zu Schweden eine ganz eigene Note zu geben, ist fraglich. Auf jeden Fall ist die Entwicklung auf der Insel im Kattegat aus energiepolitischer Sicht vorbildlich gelaufen. Deshalb, weil sich die Insel komplett selbst versorgen kann. Bis auf eine Ausnahme: „Leider sind die Elektrofahrzeuge so teuer, dass wir hier noch Treibstoffe importieren müssen“, bedauert Jacques. Er ist Insulaner auf dem dänischen Eiland, das mittlerweile Wärme aus Strohheizkraftwerken zu den Häusern transportiert und deren 3.700 Einwohner den Vorteil der Windkraft genießen. „Wir produzieren so viel, dass wir auch Energie exportieren können“, bekräftigt der Einwohner der Inselhauptstadt Ballen.

Ballen ist trotz der exponierten Stellung als „Regierung“ von Samsö ein beschaulicher Ort geblieben, mit einem kleinen Kaufmannsladen im Zentrum, einigen Hotels und natürlich auch Restaurants, denn die Besucher der Insel wollen versorgt werden. Dabei bleibt es nicht. Unabgesprochen sind die Köche der Insel Samsö in einen Wettstreit miteinander getreten, in dem es darum geht, aus den regionalen Produkten die besten Kreationen auf die Teller zu zaubern. Das hat neben Gaumenkitzeleien auch Früchte getragen. Regelmäßig werden die Künstler der Töpfe mit höchsten Weihen bedacht, was Samsö zu einem Geheimtipp unter den Gourmets wachsen ließ. Ob im Hotel Strandlyst, dem Restaurant Skipperly, dem Restaurant SAK oder dem Ballen-Badehotel, die Zauberei in den Küchen der Insel rankt sich von einem Höhepunkt zum nächsten. Die Gäste freut es. Da Dänemark noch nie zu den Urlaubsländern mit Preisen der Straßenküche gehört hat, sollte man sich nicht mehr leerem Sparschwein an die Tische setzen. Lebensmittel und Kreationen werden auf Samsö schließlich fair bezahlt.

Dass jemand, der auf Reisen geht, gern etwas Erinnerndes für sich oder Freunde mit nach Hause nimmt, weiß Lars Damgaard ganz genau. Er hat in seinem Ladengeschäft zahlreiche essbare Spezialitäten, die über Honig und Fasanenwurst bis hin zum speziell gebrannten Gin reichen, in eine Fülle von Raritäten, Antiquitäten und Skurrilem eingebettet. Die wenigen Sitzplätze an den drei Tischen in seinem Laden sind eigentlich immer so gut wie besetzt. Kleine Rangeleien um die frei werdenden Stühle müssen so ausgetragen werden, dass die Tausenden Requisiten, aus denen die Enge erwächst, nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Lars lacht und freut sich über den Zuspruch, wobei er in aller Regel eine Vesperplatte serviert, auf der sich neben geräuchertem Fasanenschinken auch weitere Raritäten der Kulinarik befinden, die sich aufs selbst gebackene Brot legen lassen.

Die Wildvögel, die nicht nur von Füchsen gemocht werden und in Norddeutschland schon seltener auftauchen, als Vegetarier im Steakhaus, sind auf Samsö noch in einer Vielzahl präsent, so kommt es schon vor, dass Autofahrer von einer Fasanenkette aus mehreren Dutzend dieser Vögel gestoppt werden, weil sie die Straße ebenso selbstverständlich für sich beanspruchen, wie die Zweibeiner auf vier Rädern.

Um auf die Insel Samsö zu kommen, lässt sich bestens eine der Fährverbindungen nutzen, die von der Reederei Faergen mehrmals täglich bedient wird. Die modernen Schiffe pendeln zwischen Kalundborg und Ballen, wobei das Ziel bereits nach knapp über einer Stunde erreicht wird. Aber schon die Fährfahrt wird von vielen Besuchern der Insel als Erlebnis genutzt.

Kurt Sohnemann

 

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