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Dieser Jaguar braucht einen guten Dompteur

3. Mai 2020

Dieser Jaguar braucht einen guten Dompteur Thomas Riese
Verarbeitung
Gepäckraum
Verbrauch
Leistung
Ausstattung
Sitze

Bewertung:

3.7


Die Briten haben den F-Type neu aufgelegt – 575 PS für Rennsportfeeling

Wer den SUV-verwöhnten Einstieg gewohnt ist, sollte sich schnell davon verabschieden, wenn sich das Schloss des Jaguar F-Type R AWD öffnet, die Lampen kurz zur Begrüßung flackern und die beiden Rennsportsitze ins Innere locken. Das Beherrschen einiger Yoga-Übungen kann jetzt von Vorteil sein, wenn die Fahrerposition galant eingenommen werden will. Was dann folgt, fasziniert wohl auch Menschen, die nicht mit einem Benzinanteil im Blut am Straßenverkehr teilnehmen.
Jaguar hat den F-Type neu aufgelegt, der jetzt sukzessive in den Markt eingeführt wird. In unterschiedlichen Motorisierungen von 300 bis 575 Pferdestärken unter dem formschönen Fell der Raubkatze wird diese ab 64.200 Euro im eigenen Gehege stehen. Wer sich von allen technischen Errungenschaften der Jaguar-Sportwagenschmiede verwöhnen lassen will, sollte sich einen Platz im Jaguar F-Type R mit Allradantrieb sichern.
Auf Knopfdruck besäuselt der V8-Motor mit fünf Litern Hubraum in sonorem Ton die Ohren der maximal zwei Insassen, bis der Fahrer den dynamischen Fahrmodus wählt, die Klappensteuerung des Auspuffsystems aktiviert und mit dem Gaspedal die Nadel des Drehzahlmessers parallel zum Soundsystem dirigiert. Jetzt wird klar, dass Jaguar einige Anleihen aus dem Formel-1-Zirkus mit auf die Straße genommen hat.
Während sich der gemäßigte Ton in ein Scheppern des Aggregats verwandelt hat und die acht Zylinder ihre Kraft über die Acht-Stufen-Automatik auf die Straße bringen, schnellt die metallene Raubkatze innerhalb von 3,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Bis zu einer Geschwindigkeit von 322 Stundenkilometer lässt sich das Vergnügen fortsetzen, ohne dass sich ein Gefühl der Unsicherheit breitmacht. Der Jaguar verfügt über ein vorbildlich abgestimmtes Fahrwerk. Trotz aller Festigkeit für Rennstrecken ist es dennoch komfortabel genug, um damit ohne Rückenleiden ein Fahrzeugleben gemeinsam zu gestalten.
Ein sicheres Gefühl vermittelt das Bremssystem unter den eigenen vier Buchstaben. Mit 380 Millimeter großen Scheiben vorn und unwesentlich kleineren an den 20-Zoll-Hinterrädern, erleben die Insassen eine erhebliche Dosis Rennsport im Straßenverkehr. Die sehr gute Torsionssteifigkeit und die an Bord befindlichen Sicherheitssysteme lassen die Furcht schnell verfliegen, die von der Akustik des Antriebsaggregats verbreitet wird. Auch wenn Jaguar den Verbrauch des Fahrzeugs mit 11 Litern für hundert Kilometer bei einem CO2-Ausstoß von 252 Gramm angibt, kann dieser Wert bestenfalls geschafft werden, wenn der komfortable Fahrmodus gewählt wird und die Raubkatze wieder zahm vor sich hinsäuselt.
Dann bleibt eine merkliche Anzahl der Pferdestärken unberührt unter der Haube. Auch wird der Kompressor dann nicht bemüht, der deutlich hörbar die Leistung bei höheren Drehzahlen mit maximal 700 Newtonmeter auf die Antriebswellen bläst.
Wer sich als Dompteur dieser Raubkatze bewähren will, sollte sich von 125.600 Euro trennen können, die für die Anschaffung fällig wären. Gemessen an ähnlich leistungsstarken Modellen auf dem Markt immer noch ein moderater Preis.
Kurt Sohnemann

Technische Daten: Jaguar F-Type R AWD Coupé
Hubraum: 5.000 ccm – Zylinder: 8V Kompressor – Leistung kW/PS: 423/575
8-Gang-Automatikgetriebe – Max. Drehmoment: 700 Nm/3.500 U/min.
Höchstgeschwindigkeit: 322 km/h – Beschl. 0-100 km/h: 3,7 Sek.
Leergewicht: 1.705 kg – Zul. Gesamtgewicht: 2.150 kg
Wendekreis: 11,8 m – Gepäckraumvolumen: 310-408 Liter
Tankinhalt: 70 Liter – Kraftstoffart: Super – Verbrauch (Test): 13,6 l/100 km
Effizienzklasse: G – CO2-Ausstoß (WA): 249 g/km
Grundpreis: 125.600 Euro

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