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„Die Technik für die Zukunft“

25. November 2018

Schwarmstedter Unternehmer Bernd Wienäber ist begeistert von den Möglichkeiten des 3D-Drucks

In rund sieben bis zehn Stunden, quasi über Nacht, erstellt Bernd Wienäber Zahnräder, Gewinde, Drohnen, Werkzeuge oder spezielle Rohre auf einem seiner drei 3D-Drucker. Für den Inhaber der Wienäber Industrieservice GmbH ist das Verfahren ein „zukunftsorientiertes, das noch in den Kinderschuhen steckt“. Dabei kam der erste 3D-Drucker, der im Handel zu erwerben war, bereits vor drei Jahrzehnten (1988) auf den Markt. Doch erst seit ein paar Jahren wächst die Branche stark. „Gerade einmal zwei Prozent der Unternehmen wissen, dass die Möglichkeiten da sind.“ In der Region ist der Schwarmstedter Betrieb noch der einzige, bei dem dieses Verfahren zum Einsatz kommt.

Für Bernd Wienäber kommt der Aufschwung in jüngster Zeit nicht überraschend. „Jedes Teil kann gedruckt werden, alles was man braucht.“ Die kostengünstige Fertigung und schnelle Verfügbarkeit der Teile wären weitere große Vorteile.
Der Maschinenbau- und Werkzeugmachermeister war durch einen Kunden mit dem 3D-Druck in Berührung gekommen, als dieser ausgedruckte Metallteile per Drahterodierung – in Wienäbers Unternehmen steht Europas größte Drahterodiermaschine – von einer Plattform ablösen sollte. „Danach begann ich über den 3D-Druck nachzudenken.“ Er begeisterte sich für die neuen Möglichkeiten und informierte sich auf Messen. Mit den von ihm angeschafften Geräten eines amerikanischen Herstellers kann er nun nach vorgegebenen Maßen und Formen stabile Bauteile aus Onyx herstellen. Das Material kann je nach Wunsch des Stabilitätsgrads mithilfe einer zweiten Düse durch Glasfaser, High-Temp-Glasfaser und Kevlar und – wie aus der Formel 1 – Carbon verstärkt werden. Danach besitzt das Grundmaterial eine bis zu zehnfache höhere Stabilität.

Bei dem Verfahren wird das Material bei 276 Grad geschmolzen und Schicht für Schicht (Höhe je nach Wunsch 0,05 bis 0,2 mm) aufgetragen. Der Aufbau erfolgt computergesteuert, sodass die gewünschten Vorgaben exakt umgesetzt werden. Nach Abschluss des Druckvorgangs sind die Bauteile sofort einbaufertig, brauchen keine chemische oder mechanische Nacharbeit. Prototypen seien somit über Nacht zu drucken, die denen aus Guss in Nichts nachstehen, dabei aber schneller und kostengünstiger herzustellen sind. Doch nicht nur für die Industrie sei der 3D-Druck interessant, auch Modellbauer hätten so laut Wienäber die Möglichkeit, an hochwertige Ersatzteile für ihre Rennautos oder Eisenbahnen zu kommen. Auch Achsenteile für Traktoren könnten erstellt werden, die normalerweise nicht mehr gefertigt werden.
In naher Zukunft will Bernd Wienäber auch Metall-Bauteile herstellen. Das Druckmaterial besteht dann aus Kunststoff und einem Metallpulver in sehr hoher Konzentration. Den Möglichkeiten, Hauptkomponenten oder individuelle Einzelteile zu erstellen, sind dabei auch keine Grenzen gesetzt und die Präzision hoch – die Teile werden mit einer Schichthöhe von 50 Mikrometern gedruckt. „Sogar für die NASA sind schon Schraubenschlüssel aus Onyx mit verstärkten Glasfasern aufgrund des geringeren Gewichtes gefertigt worden“, verdeutlicht Bernd Wienäber die hohe Qualität der Druckerzeugnisse.

(rie)

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