Fatima Kirmizi schreckt vor Widerlichkeiten nicht zurück – sie ist Tatortreinigerin. Foto: Kirmizi

Die Tatortreinigerin

10. April 2016

Die Vorstellung, einen Tatort zu reinigen, lässt bei einigen Menschen schon das Blut in den Adern erstarren. Zu groß ist die Abschreckung, zu ekelig sind die Gedanken, auch ohne die Fantasie groß zu bemühen. Für Fatima Kirmizi ist das kein Problem. „Ich habe bereits in der Leichenkammer gearbeitet und bin dank meiner Berufsjahre im Reinigungswesen mit allen Vorstellungen vertraut“, erzählt sie.

Dass dieser Beruf von einer Frau ausgeführt wird, ist schon recht ungewöhnlich. Die Assoziation, hier würde der Typ „bulgarische Kugelstoßerin“ mit derber Natur am Werke sein, wird angesichts der grazilen Schönheit von Fatima Kirmizi sofort verworfen und schlägt in Ungläubigkeit um. Statt rustikaler Umgangsart überrascht sie mit sensiblem Auftreten. „Das glaubt mir auch niemand, dass ich Tatortreinigerin bin“, lacht sie und freut sich dann, wenn sie doch tätig werden kann.

Der Berufswunsch ist entstanden, als die gebürtige Walsroderin mit Wohnsitz in Nienburg auf der Suche nach einer Lücke in der Reinigungsbranche war, die ihr liegt und Spaß macht. „Ich habe weder Angst vor Gerüchen, noch vor Körperflüssigkeiten. Irgendwer muss sich doch darum kümmern. Warum also nicht ich?“, fragt sie und erzählt von Orten, die nicht mehr von anderen Menschen betreten werden wollen, außer ihr. Mit einem Schutzanzug, Stiefel, einer Atemschutzmaske und schützenden Accessoires ausgestattet, nimmt sie den Kampf gegen Verunreinigungen aller Art auf. „Menschliche Leichen muss ich nicht beseitigen, aber es kann schon sein, dass der eine oder andere Tierkadaver entsorgt werden muss“, sagt Fatima Kirmizi. Sie ist mit den nötigen Gerätschaften ausgestattet, um die Räume, Häuser und Orte so zu reinigen, dass niemand später mehr vermutet, was dort für Unzugänglichkeit gesorgt hat. Gerüche werden im Ozonverfahren beseitigt und natürlich werden mechanische Verfahren vorgenommen, um keine Folgen zu hinterlassen. Sie arbeitet mit Schädlingsbekämpfern zusammen, wenn dies nötig ist.

„Oft kommt es vor, dass Angehörige Wohnungen oder Häuser übernehmen, die erst einmal entrümpelt und gereinigt werden müssen. Dann sind sie auch bei mir an der richtigen Adresse“, sagt Fatima Kirmizi. Sie ist in einem Lehrgang ausführlich auf ihre Tätigkeit vorbereitet worden. Ihr Unternehmen hat sie in Nienburg gegründet, weil sich das Einsatzgebiet über mehrere Landkreise erstreckt. „Mit der Polizei habe ich gesprochen. Die freuten sich, dass sie jetzt jemanden in der Nähe haben, der einen Tatort reinigen kann, wenn dies nötig wird“, hat Fatima Kirmizi auch dort die Visitenkarte ihrer neu gegründeten Firma „Tagoni“ hinterlassen.

(so)

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