Die Fastenzeit hat begonnen: 40 Tage „ohne“ – machen sie mit?

21. Februar 2021

Es geht nicht nur um Entbehrung

Angesichts bekannter Lifestyle-Begriffe wie „Heilfasten“ oder „Intervallfasten“ rückt die religiöse Bedeutung des Fastens in den Hintergrund. Christen geht es in der Fastenzeit vor allem um eine Konzentration auf Gott. Die ehemalige Landesbischöfin Margot Käßmann sagt dazu: „Für mich ist die Fastenzeit eine Zeit der Ruhe und des Nachdenkens über meinen Glauben und die Haltung, die er mir in der Welt gibt.“

Zur Reformationszeit wurde das Fasten als „Werkgerechtigkeit“ abgetan. Heute entdecken auch Protestanten die 40 Tage der Passionszeit mehr und mehr als Chance, sich auf Ostern vorzubereiten. In diesem Jahr geht es um „Sieben Wochen ohne Pessimismus“ – weil der christliche Glaube ja gerade Hoffnungsbilder für die Welt vermittelt, erklärt Margot Käßmann.
Die Tradition der Aschebestreuung ist seit dem 11. Jahrhundert Brauch der katholischen Aschermittwochs-Gottesdienste. Der Priester besprengt die Asche, die aus verbrannten Palmzweigen des Vorjahres gewonnen wurde, mit Weihwasser und zeichnet den Christinnen und Christen ein Aschekreuz auf die Stirn. Dazu spricht der Priester die Worte: „Bedenke Mensch, dass Du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst“. Die Asche erinnert zum einen an die Vergänglichkeit des Menschen und symbolisiert zum anderen, dass Altes vergehen muss, damit Neues entstehen kann. Die 40 Tage sollen an die 40 Tage erinnern, die Jesus in der Wüste verbrachte.
Gute Vorsätze, wie nicht Rauchen, keine Süßigkeiten, keinen Alkohol, sind beliebte Ziele, die sich einige auferlegen. Mal öfters das Auto stehen lassen und stattdessen mit dem Rad fahren oder zu Fuß gehen. Aber auch der Verzicht auf Medienkonsum – Handynutzung, Fernsehen oder Videospiele – gibt einem die Möglichkeit, über sich und seine Zeit nachzudenken. Gefühlt fasten wir seit Corona bereits ein ganzes Jahr. Doch beim Fasten geht es nicht nur um Entbehrung, vielmehr sollte man die Fastenzeit als Chance und Gewinn betrachten! Also einfach mal 40 Tage ohne!

Gefühlt fasten wir bereits ein Jahr. Ansonsten faste ich überhaupt nicht. Das Gute ist, ich nehme auch nicht zu. Ich kann essen, was ich will. Normalerweise betreibe ich viel Sport, spiele Fußball und gehe zum Fitness, doch das ist coronabedingt zurzeit nicht möglich. Außerdem kann ich aus gesundheitlichen Gründen, wegen Rheuma und einem leichten Bandscheibenvorfall, nichts machen. Daher muss ich in die Reha. Ich achte wegen dem Sport auch sehr auf meine Ernährung und verzichte generell auf Süßigkeiten. Eigentlich sollte ich auch mit dem Rauchen aufhören. Doch ich habe keinen Plan, außerdem baut es Stress ab – Marvin Merta aus Walsrode

Ich verzichte auf gar nichts! Man sollte immer das essen, worauf man Lust hat, dann stimmt auch das Gewicht. Ab dem 40. Lebensjahr habe ich zehn Kilo zugenommen, doch nun halte ich seit Jahren mein Gewicht. Ich möchte auch nicht aufs Rauchen verzichten. Es geht mir einfach gut dabei. Ich habe auch noch nie eine Diät gemacht. Dazu wäre ich zu inkonsequent. Ich brauche einfach mein Glas Wein und meine Schokolade. Im Großen und Ganzen achte ich auf die Ernährung und esse zum Beispiel zuckerreduziert, dafür viel Ingwer und Knoblauch sowie Kurkuma-Konzentrat einmal täglich in Kapselform. Außerdem schwöre ich auf Kokosnussöl, das hilft für alles. Die Fastenzeit ist somit für mich uninteressant – Ulrike Warncke aus Walsrode

Ich bin Jeside und die haben eine andere Fastenzeit. Die fängt meistens im September an. Eine Woche essen und trinken wir tagsüber nichts. Es soll kein Speichel im Mund produziert werden. Wenn die Sonne untergeht, darf man wieder den Alltag fortsetzen. Bei uns bedeutet das Fasten der Verzicht auf Nahrung, um zu wissen, was Hunger bedeutet. Durchs Fasten bekommt man ein Gespür dafür, und es macht einem bewusst, dass es anderen Menschen nicht so gut geht. Bei uns Jesiden ist das Fasten kein Muss, wie bei den Moslems. Je nach Lust und Laune mache ich die Zeit mit. Doch wenn man den ganzen Tag arbeitet, braucht man die Energie und muss vor allem Wasser trinken. Alkohol trinke ich nur zu besonderen Anlässen. Ich bin Nichtraucher und esse einfach das, was ich möchte, und treibe entsprechend Sport – Özgür Kizilboga aus Bad Fallingbostel

Ich muss gestehen, dass ich nicht jedes Jahr die Fastenzeit mitmache, aber dieses Jahr bin ich dabei. Der Frühling naht und man möchte ein paar Pfunde weniger auf die Waage bringen. Ich verzichte in der Zeit auf Zucker, und ich werde das ein oder andere Gläschen Wein weglassen. Ich bin als Katholikin mit der Fastenzeit aufgewachsen und lebe an sich sowieso sehr gesund. Ich freue mich auf den Frühling, wenn ich wieder mehr Joggen kann. Ich laufe einmal die Woche fünf bis zehn Kilometer. Zurzeit ist es wetterbedingt etwas schwierig. Ich rauche auch nicht und bin seit 40 Jahren Vegetarierin. Am meisten wird mir das Gläschen Wein am Abend fehlen – Nicole Gehlen aus Bruchhausen-Vilsen

Dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, zu fasten. Ich versuche, bis Ostern auf Süßigkeiten zu verzichten. Dabei esse ich sehr gerne Süßes, eigentlich esse ich alles gerne! Ich möchte nun in der Zeit einfach eine gesündere Lebensweise führen. Ich weiß, dass ich damit keine Kilos verliere, weil ich dafür etwas anderes esse und mir fehlen die Bewegung und die Arbeit. Ich laufe normalerweise drei Mal die Woche, wenn das Wetter es zulässt, fünf bis zehn Kilometer. Obst und Gemüse esse ich täglich, außerdem frisch zubereitete Speisen. Ich sehe zu, dass ich kein Fastfood und keine Fertigprodukte esse. Meine Oma, die für uns kocht, kocht gut und gerne – Corinna Löh aus Walsrode

Es ist fast ein Jahr her, als Corona nach Deutschland kam. Seit dieser Zeit ist unser Leben geprägt von Zurückhaltung und Verzicht. Besonders schwer fällt der Verzicht im zwischenmenschlichen Bereich: Kontakte zu den Kindern, Enkeln und Freunden fehlen doch sehr. Und das wiegt schwerer als der Verzicht auf Alkohol, Süßigkeiten, Medienkonsum und dergleichen. Deshalb ist nicht „weniger“, sondern ein „mehr“ in der Fastenzeit angesagt: mehr auf sich und seine Lieben achten, mehr Geduld und Toleranz, mehr Aufmerksamkeit für die Menschen und die Schönheiten unserer Lebensumwelt. Deshalb werde ich in der diesjährigen Fastenzeit mich nicht mit Vorhaben wie „ich esse überhaupt keine Schokolade“, „ich mache jeden Tag drei Stunden Sport“ stressen. Ich möchte bewusster auf die oben genannten Punkte setzen – Peter Endres aus Visselhövede

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