Der Wolf in Walsrode – haben Sie Angst?

28. Januar 2018

Nun ist er da, der Wolf, sogar mitten in der Walsroder Innenstadt wurde er letzte Woche gesichtet und sorgte für Medienrummel.

Das Tier wurde von Ayaz Alyoussef an der Ecke Verdener Straße/Oskar-Wolff-Straße gesichtet und mit seinem Handy fotografiert. Alyoussef rief die Polizei an und meldete den Wolf. Dann teilte der 22-jährige gebürtige Syrer das Foto in einer lokalen Gruppe eines sozialen Netzwerks. Zahlreiche Märchen, Mythen und Vorurteile schüren die Angst vor dem „bösen“ Wolf.

„Er hat nun mal ein schlechtes Image. Dabei haben unsere Vorfahren ihn einst mit zur Jagd genommen. So entstand der Hund, der treueste Freund des Menschen“, verdeutliche Jürgen Cassier, der seit 2011 als ehrenamtlicher Wolfsberater im Kreis Rotenburg arbeitet. 54 Prozent der Nahrung des Wolfes beläuft sich auf das Rotwild, 22 auf Damwild und 0,6 sind Haustiere.

Aktuell sind 46 Rudel, somit rund 460 Tiere, in 65 Territorien in Deutschland von den Wolfsberatern re-gistriert. In Niedersachsen sind es 14 Rudel. „Im Februar/März wirft die Fehe nach einer Tragzeit von 63 Tagen vier bis acht Junge, die nach elf bis 22 Monaten abwandern müssen. So bleiben das Elternpaar (sie leben in Einehe), die Jährlinge und die Welpen. Sie bilden mit rund acht bis zwölf Tieren ein Rudel. Die Zahl bleibt konstant“, betonte der Wolfsexperte und fügte hinzu: „Die Reviergrenze beträgt 200 bis 300 Kilometer. Jeder andere Wolf wird vertrieben, da hält das Rudel stark zusammen.“ Die Tötung der Tiere, das Nachstellen, Fangen oder Verfolgen ist gesetzlich untersagt. International sind die Tiere seit 1977 laut dem Washingtoner Artenschutzabkommen und national seit 1992 durch die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien geschützt.

Wir gehen nicht mehr im Wald spazieren. Der Wolf gehört hier nicht her. Dafür ist das Umfeld, die Waldfläche für Mensch und Tier, zu klein. Der Wolf hat ganz klar Hunger und kommt daher in die Innenstadt. Dadurch zeigt er schon Verhaltensauffälligkeit. Es ist ungewöhnlich, denn normalerweise ist der Wolf ein Rudeltier. Wir gehen sonst gerne am Meißendorfer See spazieren, haben jetzt aber Respekt. Es geht soweit, bis der Wolf einen Menschen anfällt – Ilse Reckmann und Reinhard Kraus aus Walsrode

Ich habe keine Angst vor dem Wolf. Dafür sind es einfach noch zu wenig Wölfe. Wenn sie jetzt im Rudel auftreten und sich ansiedeln, könnte man von einer Gefahr ausgehen. Ich gehe weiterhin spazieren und schränke mich nicht ein. Allerdings würde ich die Kinder nicht allein im Wald spielen lassen. Wenn ich einen Wolf sehen würde, würde ich laut rufen und ihn spüren lassen, dass ich der Stärkere bin. Anders geht es wohl den betroffenen Landwirten. Die sehen das nicht so gelassen – Viola Schlieske-Pagels mit Jarik aus Walsrode

Ich habe keine Angst vor dem Wolf, obwohl er in der Innenstadt gesichtet wurde. Prinzipiell denke ich, dass der Wolf mehr Angst vor uns hat, als wir vor ihm haben sollten. Ich habe mich noch nicht damit beschäftigt, wie sich der Mensch dem Wolf gegenüber verhalten sollte. Spaziergänge durch den Wald meiden wir nicht. Ich bin viel in der Wedemark unterwegs. Dort wurde der Wolf auch schon gesichtet. Das Problem ist, dass durch die Rodung der Wälder der Lebensraum kleiner wird – Frauke Bilau mit Theo aus der Wedemark

Wir haben keine Angst, mit dem Kind zum Beispiel, durch die Eckernworth spazieren zu gehen. Man muss Respekt vor dem Wolf haben. Er ist nun mal ein wildes Tier und kein Hund, aber er ist hier in unseren Wäldern heimisch und war es früher auch schon. Wenn ein auffälliges Tier gesichtet wird, sollte es eingefangen, betäubt und umgesiedelt werden. Abschuss ist nicht der richtige Weg. Ich würde mich freuen, einen Wolf in der Ferne in freier Bahn beobachten zu können – Sandra Wenzlik und Enrico Fröbel mit Mia Sophie aus Walsrode

Ich laufe im Wald immer meine Runde und würde mich auch jetzt durch den Wolf nicht einschränken. Die Verhaltensmaßnahmen, wenn man einen Wolf begegnet, standen schon in der Zeitung. So sollte der Jagdinstinkt nicht geweckt werden, daher nicht weglaufen, sondern stehenbleiben. Man muss das Verhalten definitiv stark beobachten, weil der  Wolf nun häufiger auftritt und auch in der Stadt vorkommt. Da ist gute Zusammenarbeit mit der Jägerschaft und der Stadtverwaltung gefragt – Dr. Joachim Resch aus Bad Fallingbostel

Ich bin sehr ambivalent, was das betrifft. Ich kann die Gefahr nicht einschätzen und fühle mich im Wald unwohl. Da würde ich zurzeit nicht alleine spazieren gehen. Ich glaube, dass man sich mit dem Wolf arrangieren kann. Aber er darf keine Gefahr für die Menschheit werden. Daher finde ich es wichtig, dass der Wolf gut beobachtet wird. Es muss sofort etwas passieren, wenn Gefahr droht und er verhaltensauffällig wird – Monika Kleiber aus Bomlitz

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