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Das Traumbad bereits während der Planungsphase begehen

6. Januar 2019

VR-Brille ermöglicht einen maßstabsgetreuen 3-D-Rundgang schon vor der Installation

Passt die Sofagarnitur von ihrer Farbe wirklich zu den Tapeten? Ist der Küchentisch nicht doch etwas zu groß? Es gibt nicht wenig Menschen, die mit einer schlechten räumlichen Vorstellungskraft zu kämpfen haben, wenn es um die Einrichtung der eigenen vier Wände geht. Zumindest für das Badezimmer gibt es dabei mittlerweile Unterstützung. Das Unternehmen „Nerdindustries“ aus Eimsbüttel hat eine sogenannte Virtual-Reality-Brille entwickelt, mit der Menschen ihr zukünftiges Bad bereits in der Planungsphase begehen können. Die Idee dazu hatte Gesa Skowranek-Dröscher von der Dröscher Haustechnik GmbH.

Vor rund sechs Jahren brachte die Entwicklung von „Oculus Rift“, eine Brille, mit der der Träger das Gefühl bekommt, sich direkt in der vom Computer erzeugten Bildlandschaft zu bewegen, die Walsroderin auf den Gedanken, dass sich das neue Produkt nicht nur für Computerspiele eigne, sondern auch für die Planung von Badezimmern. Nachdem das Interesse zunächst relativ gering war, wurde die Brille 2015 bei der Bäder-Fachmesse ISH in Frankfurt am Stand von „Villeroy und Boch“ präsentiert. „Vier Badezimmer wurden gezeigt und die Zustimmungsquote lag bei 93 Prozent“, freut sich Gesa Skowranek-Dröscher noch heute über den großen Erfolg. Mittlerweile sind knapp 20 Brillen deutschlandweit im Einsatz. „Hauptsächlich bei Großhändlern.“ In der Region ist die Dröscher Haustechnik GmbH das einzige Unternehmen, das Zugang zu virtuellen Bädern bietet. Hier finden sich die erste Brille und mittlerweile auch die weiterentwickelte kabellose Variante. Vorteile, die Gesa Skowranek-Dröscher als „Ideengeberin“ neben der technischen Unterstützung genießt.
Die Idee, die die Walsroderin mit der Brille antrieb, war, den Kunden einen Mehrwert zu bieten. Befürchtungen von Mitbewerbern hinsichtlich von Mehrarbeit seien unbegründet. Nachdem sich mit dem Kunden hinsichtlich seiner Wünsche besprochen und der Raum abgemessen wurde, werde weiterhin das Bad mit einer speziellen Software geplant. Nur sei es dann möglich, mithilfe eines Knopfdruckes die Daten auf die Brille zu schicken. Dort baut sich für den Träger in Sekundenschnelle sein Traumbad auf. Er hat nun die Möglichkeit, virtuell den Raum maßstabsgetreu zu begehen. Somit kann er bereits vor der Installation prüfen, ob ihm Waschbecken, Wanne oder Dusche gefallen. „Eine 100-prozentige Genauigkeit ist nicht möglich“, schränkt Gesa Skowranek-Dröscher etwas ein, „aber es ist nah dran“. Weiterentwickelte Technik und stärkere Rechnerleistung würden zudem zu wachsender Genauigkeit und Detailtiefe führen.

Der Einsatz der Brille würde aber nur Sinn machen, wenn der Kunde eine komplette Sanierung oder einen Neubau seines Bades plane. „Wanne raus, Dusche rein lohnt nicht.“ Doch natürlich hat nicht nur der Kunde einen Nutzen vom neuen Weg der Badplanung, auch die Sanitärausstatter profitieren davon. „Mein schnellster Verkauf war innerhalb von 20 Minuten“, ist es ein Vorteil, dass der Bauherr sich bereits ein Bild von seiner Idee machen kann. Zudem könnte der Kostenfaktor „Ausstellung“ minimiert werden, denn die Präsentation muss nicht mehr so groß sein, um dem Kunden ein umfassendes Angebot zu präsentieren.

Mit der Brille können Kollektionen, Farbvarianten und Größen gezeigt werden, für die nicht ausreichend Platz wäre. „Perspektivisch werden auch virtuelle Badausstellungen möglich sein“, glaubt Gesa Skowranek-Dröscher. Möglich ist auch, dass andere Einrichter die Idee aufgreifen. So experimentieren Küchenausstatter ebenfalls mit der virtuellen Realität.

(rie)

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