Foto: rie

Buchdruckkunst vor dem Vergessen retten

5. August 2018

Das Museum „Die Bleilaus – Schrift- und Druckwelt“ soll erstmals 2020 in Soltau seine Türen öffnen

2020, hoffen Reinhard Riedel und Renate Gerstel, wird es soweit sein, und „Die Bleilaus – Schrift- und Druckwelt“ des Vereins „Erlebniswerkstatt Buchdruck-Museum Soltau“ kann erstmals ihre Türen öffnen. Über der Eingangstür soll dann „Guddi Gutenberg“ – das Maskottchen hat der in Soltau geborene „Stern“-Cartoonist „Tetsche“ dem Verein geschenkt – die Gäste begrüßen. „Ich bin guten Mutes, dass wir im kommenden Jahr das Geld zusammen haben“, so Riedel, der Vorsitzender des gleichnamigen Vereins ist. Dann wird es möglich sein, auf 148 Quadratmetern – die Räumlichkeiten an der Kirchstraße sind bereits vorhanden – den Besuchern die Kunst des Setzens und Druckens zu vermitteln. Dies aber nicht auf theoretischem Wege, sondern „uns ist das Erleben ganz wichtig“, betont Renate Gerstel, die im Verein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.
150.000 Euro werden für die Realisierung des Projektes benötigt, 30.000 Euro fehlen noch. Und der Vorsitzende ist zuversichtlich, dass beispielsweise auch vom Landkreis Unterstützung kommt. „Er ist uns sehr gewogen, nachdem er gesehen hat, dass wir keine Einrichtung nur für die Stadt Soltau sind.“ Einen Schritt weiter in den Bemühungen, die Druckkunst als Kulturtechnik zu bewahren, sind die Soltauer auch am 16. März 2018 gekommen, als die Deutsche UNESCO-Kommission beschloss, die „künstlerischen Drucktechniken des Hochdrucks, Tiefdrucks, Flachdrucks, Durchdrucks und deren Mischformen“ in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufzunehmen.

Die „Anfänge“ des Museumsprojektes liegen schon fast zwei Jahrzehnte zurück. Damals „rettete“ der gelernte Schriftsetzer Reinhard Riedel, der als Lehrer an der BBS Soltau unterrichtete, die Setzerei der ehemaligen Soltauer Druckerei Herzberg mit Millionen von Lettern (Drucktypen) vor dem Einschmelzen, stellte sie in der Schule auf und nutzte sie im Kunstunterricht. Nach seiner Pensionierung galt es einen neuen Standort zu finden, und die Idee eines Museums wurde konkreter, in dem die Kunst des Umgangs mit Schriftzeichen bewahrt werden soll.

Zunächst als Arbeitsgruppe im Heimatbund gründeten am 3. Dezember 2015 zehn Interessierte den Verein „Erlebniswerkstatt Buchdruck-Museum Soltau“, der mittlerweile 53 Mitglieder zählt. Unter anderem Schriftsetzer, Drucker, Verleger, Werbeexperten, Musiker, Lehrer sowie eine Steuerberaterin und eine Bibliothekarin haben sich das Ziel gesetzt, das Erbe des Erfinders der Buchdruckerkunst, Johannes Gutenberg, zu bewahren. Dies geschieht zurzeit bereits mit einem mobilen Museum, mit dem die „Bleiläuse“ in historischen Kostümen bei Schulklassen, Messen und Veranstaltungen auch außerhalb des Landkreises zu Gast sind. So werden sie in Kürze auch beim „Fest der Bildung und Kultur“ in Munster (8. September) und beim Barockfest in Ahlden (16. September) zu finden sein.
Der Name „Bleilaus“ erinnert an einen Einführungsscherz für Neulinge, der in Setzereien zur Anwendung kam, in denen mit Bleisatz gearbeitet wurde. Der ursprünglich angedachte Name „Skriptum“ wurde laut Renate Gerstel nach langer Diskussion verworfen, da er zu abgehoben erschien. Denn diesen Eindruck soll das Projekt auf keinen Fall erwecken. Schüler, Kunstunterrichtende und Touristen sollen in dem Museum die Möglichkeit bekommen, Wissen und Fertigkeiten für ihre Textgestaltungen zu erwerben. Dabei legt der Verein auch großen Wert auf Inklusion. Daher wurde unter anderem darauf geachtet, dass Rollstuhlfahrer problemlos die Räumlichkeiten betreten können.

Interessierte können sich bereits jetzt schon jeden Dienstag von 14 bis 16 Uhr bei den regelmäßigen Treffen, bei denen „wir viel Spaß haben“, in der provisorischen Werkstatt im Keller der Winsener Straße 34B in Soltau oder sich per E-Mail an rr.rg@gmx.de informieren.

(rie)

Schlagworte:

, ,



Comments are closed.

Back to Top ↑