Mit zwei Reihenzylindern im Leichtmetallrahmen bringt es die BMW F 800 R auf satte 90 PS. Foto: (so)

BMW F 800 R

20. September 2015

Die Mitte des Ziels getroffen

Offensichtlich hat sich BMW Gedanken darüber gemacht, wie man die Menschen dort wieder abholen kann, wo sie vor Jahrzehnten vom Bike abgestiegen sind. Wer vor der Geburt seiner Kinder auf einer 750er oder 500er gesessen hat, die Spitzenmotorisierungen seiner Jugend genossen hat, will nicht selten wieder zurück auf zwei Räder.

Die Leidenschaft kommt spätestens dann wieder zum Ausbruch, wenn auch die aufgezogene Generation in die Freiheit drängt. Schließlich hat Mann oder Frau dem Hobby entsagt, um die Risiken auszuschließen, die zweifelsfrei auf zwei Rädern höher sind als auf vieren. Was einst ganz normal war, heißt heute „Naked Bike“, weil es nicht unter einer Verkleidung verschwunden ist.

Um nahtlos an die Vergangenheit anzuknüpfen, hat BMW die Mittelklasse mit der F 800 R bestückt. Das Motorrad lässt die Herzen der Ex-Biker so hoch schlagen, dass der recht moderate Verkaufspreis von 8.900 Euro in den Hintergrund drängt. Für die Sozia ist natürlich auch ein entsprechend komfortabler Platz eingeräumt und der Motor ist mit 90 PS so kräftig, dass die zusätzlichen Jahresringe in der Bauchgegend keine wesentliche Leistungseinschränkung beim Bike ausmachen.

Wer dann noch das gelungene Design aus Entscheidungshilfe hinzuzieht, kommt zu dem Schluss: BMW hat mit der F 800 R genau die Mitte der Zielgruppe erwischt. Einfache Handhabung, perfekte Sicherheitsausstattung mit ABS und standhaften Bremsen sind die Beigabe für den Wiedereinstieg. Aber ganz sicher wird BMW mit der überarbeiteten Mittelklassemaschine auch die Menschen erreichen, die weder auf Sportlichkeit noch auf Komfort verzichten wollen und sich nicht in eine Richtung des Fahrens festlegen lassen wollen. Die F 800 R ist ein Allrounder für alle. Für Neulinge lässt sich die Maschine problemlos auf 48 PS drosseln und gewährt auch in dieser Führerscheinklasse die Vorteile des sehr angenehmen Fahrwerks.

Es schluckt bereitwillig die Hinterlassenschaften leerer Kassen der Straßenverkehrsbehörden und gewährt durch Wendigkeit ein elegantes Cruisen durch Kurven und über Landstraßen. Wer sich durch die sechs Gänge schaltet, wird sich an den metallenen Klang der Zahnräder gewöhnen müssen. Dieser übertönt in aller Regelmäßigkeit den satten Sound der Akrapovic-Anlage, aus der die Hinterlassenschaften der zwei Zylinder in die Luft geblasen werden. Die serienmäßige Sitzhöhe von 790 Millimeter lässt sich auf Wunsch individualisieren.

Von 780 bis 840 Millimeter ist alles möglich, so das auch kein Interessent aus Gründen der Sitzposition auf dieses gelungene Bike verzichten muss. Aus der Sitzpositon muss der Fahrer ohnehin regelmäßig heraus, weil der 15-Liter-Tank bei einem Testverbrauch von 5,7 Litern einen regelmäßigen Besuch des Tankwarts nicht ausschließt. Wer sich der gemäßigten Fraktion zuordnet, kommt auch gut und gern mit 4,5 Litern für hundert Kilometer über die Runden. Um der in die Jahre gekommenen Generation nicht allzu sportliche Akrobatik abzuverlangen, hat BMW die Fußrasten so platziert, dass die Knie nicht bis in an die Ohren gezogen werden müssen, wenn das Spaßgerät zum Cruisen aus der Garage geholt wird.

Kurt Sohnemann

 

Daten BMW F 800 R20: 2 Zylinder Reihe – 4 Ventile pro Zylinder, flüssigkeitsgekühlt, 798 ccm, 66 kW/90 PS bei 8.000 U/min, max. Drehmoment 86 Nm bei 5.800 U/min, 6-Gang, Kette, 15-Liter-Tank, Länge 2.145 mm, Leergewicht 202 kg, Sitzhöhe 790 mm. Beschleunigung 3,9 sek 0-100 km/h. Preis 8.900 Euro

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