Fotos: Sohnemann

Blick auf die inneren Werte hinter der Bäderarchitektur

16. Dezember 2018

„Als dann der Sohn des Orgelbauers an der Tochter des Superintendenten Gefallen fand, war das ein Segen für unsere Kirche“, offensichtlich sind es manchmal die Fügungen des Schicksals, die einem historisch bedeutsamen Gebäude wirksam helfen. Der Küster der Kirchengemeinde Bergens auf Rügen lehnt sich über die kleine Brüstung seines Standes für Ansichtskarten und mitnehmbare Dokumente über das höchste Gebäude der Inselhauptstadt und erzählt so farbenfroh, dass manche Kaffeerunde vor Neid erblassen würde. Dass die Schweden und Dänen einst den Ort regierten, dass die Fresken an den Wänden teilweise noch vor der Reformationszeit gemalt und heute wiederentdeckt sind und viele Dinge mehr weiß der auskunftsfreudige Zeitgenosse zu berichten. Eines sagt er jedoch nicht gern: In Bergen hat die Stunde laut Uhr der St.-Marien-Kirche 61 Minuten. Offensichtlich hat sich der Uhrmacher nicht so gut mit dem Personal des Gotteshauses verstanden wie der Orgelbauer, dessen Werk in dem über 800 Jahre alten Gebäude imposant klingt. Doch trotzdem bleibt die Zeitrechnung in Bergen die gleiche, wie immer und überall. Lediglich die Markierung des übergroßen Chronometers ist einzigartig.

Neben diesem Mittelpunkt der 13.500-Einwohner-Hauptstadt der Insel zieht der Klosterhof die Gäste gern in seinen Bann. Er befindet sich gleich nebenan und beherbergt in seinen Räumen das Stadtmuseum. Wenn auch die historisch bedeutenden Gemäuer zumeist mit Backsteinen errichtet wurden, birgt Bergen eine ziemlich bunte und sehr anschauliche Landschaft der Architektur. Liebevoll nach der Wende renoviert und manchmal auch geschmackvoll neu angepasst. Ein gutes Beispiel für moderne Gestaltung in gegebener Struktur ist das Parkhotel Rügen. Mit 312 Betten bietet die komfortable 4-Sterne-Herberge vielen Seminargästen wie Urlaubern das Zuhause für den Inselaufenthalt, der sich ideal von Bergen aus gestalten lässt. Die 65 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereiten den Gästen mit Geschick und natürlicher Freundlichkeit den idealen Rahmen für das perfekte Erforschen der natürlichen Schönheiten auf der Insel hinter den zumeist bekannten Kulissen der Bäderarchitektur, die insbesondere Binz prägt.

Wer sich aber primär für die natürlichen Schönheiten der Ostseeinsel begeistern kann, den zieht es unwillkürlich zum „Königsstuhl“. Die Lichtung auf dem Kreidefelsen, eingerahmt von Buchen, soll einst der Platz der Herrscher gewesen sein, die einen Blick auf ihre Seeschlachten halten wollten. Das ist aber nur eine der Mythen, die um den Namen ranken. So ganz ungefährlich ist der beliebte Flecken Natur inmitten der Buchenwälder des Nationalparks Jasmund aber auch heute noch nicht. Zwar finden keine Seeschlachten statt, dafür stürzen aber schon einmal Selfie-Fetischisten in den Tod, die sich nicht an die Weg-begrenzungen halten. Darunter übrigens im vergangenen Jahr eine Braut am Tag nach ihrer Hochzeit vor den Augen des frisch vermählten Bräutigams.

Der Hochuferweg am „Königsstuhl“ bietet auch ohne Waghalsigkeit beeindruckende Blicke auf Ostsee und die Kreidewand, die im kommenden Jahr mit einer neuen Aussichtsplattform versehen werden soll. Wer den Blick auf das natürliche Gestein von der See aus genießen möchte, kann das von Ausflugsschiffen aus. Nicht versäumen sollte man die Ausstellung des Nationalpark-Zentrums Königsstuhl. Vier unterschiedliche Führungen für alle Ansprüche klären die Besucher über die Besonderheiten dieser besonderen Landschaft mit der spezifischen Flora und Fauna auf. Wer nach der Wanderung durch das UNESCO-Welterbeforum noch seine Schuhsohlen in den malerischen Buchenwäldern bemühen will, kann dafür mehrere Routen nutzen. Er ist dabei nicht allein. Schon Caspar David Friedrich hat in seinen Gemälden der Frühromantik die Landschaften Rügens in unerreichter Manier auf Leinwand gezaubert. Heute sind es überwiegend Fotografen, die einen der zahlreichen Workshops nutzen, um die Natur in besonderer Weise für das eigene Album festzuhalten.

Etwas ins Hintertreffen gegenüber dem alles überragenden Touristenmagneten Binz ist die Stadt Sassnitz. Vielleicht liegt es auch daran, dass Sassnitz bisher überwiegend mit Industrie und Gewerbe zu tun hatte und sich erst jetzt vermehrt dem Tourismus engagierter widmet. Die 10.000 Einwohner der Stadt leben demzufolge auch nur zur Hälfte vom Fremdenverkehr. Die 3150 Betten der Stadt werden jährlich 400.000 Mal vermietet, mit steigender Tendenz. Das erklärt sich schon durch die baulichen Maßnahmen in der Altstadt. Sie bekommt den Charme der früheren Jahre zurück und fließt dann nahtlos in den kleinen Fischerhafen über, der nicht nur für die Insel Rügen die Hauptrolle in der Versorgung der Meerestiere spielt.

Wer Prora bisher nur von dem gigantischen Bau aus der Zeit der Nationalsozialisten kennt, sollte es nicht versäumen, die natürliche Komponente des einmaligen Ausblicks über den Bodden zu genießen. Das geht am allerbesten über den Baumwipfelpfad, der in Prora eingerichtet wurde und sich perfekt in die Landschaft einpasst. Wer ihn besucht, hat an unterschiedlichen Stationen die Möglichkeit, mehr über die Landschaft auf Rügen zu erfahren und sein Wissensschatz spielerisch aufzufüllen. Insbesondere Kinder zeigen sich begeistert vom Besuch des Baumwipfelpfades.

Zwischen den Städten und Orten der Insel Rügen erlebt der Gast immer wieder die Ausflüge in die Vergangenheit vor der Wende, in der die einzigartigen Straßenalleen schon deshalb zum langsamen Fahren nötigen, weil es diese Art von natürlichen Fahrbahnbegrenzungen in Deutschland nur noch allzu selten gibt.

Wer schon einmal auf die Insel Rügen fährt, sollte es nicht versäumen, auch vor dem Rügendamm in Stralsund eine Zwischenstation einzulegen. Die Hansestadt bietet mit der Stiftung Deutsches Meeresmuseum das Ozeaneum mit 8.700 Quadratmetern Ausstellungsfläche. In den 2,6 Millionen Litern Wasser tummeln sich Tiere, die nicht nur in der Ostsee zu Hause sind, sodass die Besucher ein breites Spektrum an Meeresbewohnern geboten bekommen.

Kurt Sohnemann

 

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