Besitzen Sie bereits einen Organspendeausweis?

19. Januar 2020

Bereits vor dem wegweisenden Bundestagsvotum zur Zukunft von Organspenden in Deutschland war die grundsätzliche Zustimmung laut einer neuen Umfrage weiterhin hoch.

84 Prozent der Bundesbürger stehen Organspenden generell eher positiv gegenüber, wie eine Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse ergab. Am höchsten ist die prinzipielle Zustimmung der Umfrage zufolge bei jungen Leuten zwischen 18 und 29 Jahren mit 93 Prozent. Schlusslicht sind demnach die 50- bis 69-Jährigen. Von ihnen sehen aber auch noch 79 Prozent Organspenden eher positiv. Einen ausgefüllten Organspendeausweis haben 40 Prozent der Befragten. Einen Ausweis mit angekreuztem Ja haben 37 Prozent. Insgesamt zeigen sich ebenfalls Unterschiede je nach Alter.

Ziel der gesetzlichen Neuregelung ist, angesichts von knapp 10.000 Schwerkranken auf den Wartelisten, zu mehr Organspenden zu kommen. Beide Vorstöße sahen dafür ein zentrales Register vor, in dem Ärzte vor Transplantationen Erklärungen Verstorbener abfragen können. Gesundheitsminister Jens Span (CDU) und der SPD-Fachpolitiker Karl Lauterbach wollten das bisherige Prinzip radikal umkehren, wonach Organentnahmen nur bei ausdrücklich erklärtem Ja zulässig sind. Sie strebten eine Regelung an, bei der alle Bürger automatisch als Spender gelten sollten. Es sei denn, es wurde ausdrücklich abgelehnt. Die andere Gruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock und die Linke-Vorsitzende Katja Kipping lehnte einen so tiefen Eingriff in die Selbstbestimmung ab. Sie schlug vor, alle Bürger mindestens alle zehn Jahre beim Ausweisabholen aufs Thema Organspende anzusprechen. Letztlich stimmte dieser moderaten Reform die Mehrheit der Bundestagsabgeordneten zu.

Ich besitze einen Organspendeausweis, seit ich 18 Jahre alt bin. Ich brauche die Organe nach dem Tod nicht mehr und wenn ich anderen damit noch helfen kann, ist es gut. Ich lag im Krankenhaus mit jemanden zusammen, der eine Leber benötigte. Es war sehr emotional. Da habe ich gesehen, wie wichtig es ist, wenn jemand auf Hilfe angewiesen ist. Daher wäre die Regelung gut, dass jeder automatisch nach dem Tod Organspender wird. Und wenn man es nicht wünscht, wird es entsprechend vermerkt. Man ist überall gemeldet und registriert. Von daher ist das Prinzip sicher – Susen Witt aus Bad Fallingbostel

Ich selbst habe noch keinen Organspendeausweis. Dazu bin ich einfach noch nicht gekommen. Ich werde es aber definitiv nachholen. Dazu brauche ich keine Gesetzgebung. Ich bin hauptberuflich im Fahrdienst des DRK tätig und fahre des Öfteren ältere und kranke Menschen. Grundsätzlich finde ich die Regelung, dass man automatisch Organspender ist, nicht verkehrt, weil viele einfach nicht daran denken, sich einen Ausweis zu besorgen. Wer ernsthafte Gründe dagegen hat, kann das ja auch ablehnen und entsprechend vermerken lassen – Thomas Knoke aus Walsrode

Das man automatisch zum Organspender wird, finde ich nicht gut. Es ist eine ganz schwierige Angelegenheit. Es gibt auch immer Angehörige, die entscheiden und mitbestimmen müssen und das Ablehnen. Ich selbst bin dafür. Von mir aus kann alles entnommen werden. Ich habe einen Ausweis und bin auch Blutspender und in der DKMS-Datenbank vermerkt. Viele vergessen es einfach, sich einen Organspendeausweis zu besorgen. Es ist wie beim Testament, erst wenn es akut wird, denkt man daran. Der Alltag hält davon ab. Werbung in den Medien gibt es genug, und es wird offen darüber gesprochen. Doch man muss die Leute oft an die Hand nehmen – Kathrin Hüttemann aus Walsrode

Ich habe meinen Organspendeausweis von 2006 zu Hause in meiner Arbeitskleidung. Wenn ich tot bin, bin ich tot. Da brauche ich meine Organe nicht mehr. Man sollte automatisch Spender sein. Die Leute können ja selbst entscheiden und ablehnen. Bei einer Obduktion werden eh alle Organe entfernt, und der Körper entsprechend präpariert und hergerichtet. Ich selbst möchte mich später verbrennen lassen. Aber ich unterscheide zwischen Kindern und Erwachsenen. Wenn ein Kind stirbt, ist es noch etwas anderes. Da kann man als Elternteil nicht einfach sein Ja zur Organspende geben. Die emotionale Verbindung ist zu groß – Michael Thurgood mit Elia aus Ostenholz

Ich habe meinen Organspendeausweis schon ewig. Ich finde die Möglichkeit gut, dass man nach seinem Tod Leben retten kann. Über die Seriosität habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Das Vertrauen ist einfach da. Ich bin auch dafür, dass man automatisch Organspender nach dem Hirntod wird, es sei denn, man hat ausdrücklich Nein gesagt. Ich hatte einen Fall in der Verwandtschaft, bei dem jemand Stammzellen benötigte. Da ist man auch froh, wenn einem geholfen wird. Daher ist die neue Regelung auch so wichtig – Mara Bunke aus Groß Eilstorf

Mein Ausweis wurde 2012 ausgestellt. Es gab damals eine Aktion beim Blutspenden. Da lagen die Ausweise aus. Ich denke, wenn mein Leben vorbei ist, brauche ich nichts mehr und auch meine Kinder nicht. Es kann alles von mir verwendet werden. Wenn ich anderen Menschen damit noch helfen kann, ist es gut. Und wenn die Organe nur zu Forschungszwecken dienen, ist es auch in Ordnung. Ich war für Spans Vorschläge, dass man automatisch Spender ist und eine Widerspruchspflicht besteht. Es wäre sehr positiv für alle gewesen, die auf ein Organ angewiesen sind – Roswitha Machel aus Uelzen

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