Foto: Ellen Ersing

Auf klassischem Boden

15. November 2015

Ein Besuch der Riviera del Conero in der italienischen Provinz Marken

Zwischen Adria und dem Apenninen-Gebirge, südlich von San Marino an der Wade des italienischen Stiefels, liegt die Provinz Marken (italienisch: Marche). An Schönheit steht sie der Toskana nicht nach, erreicht aber bei weitem nicht deren Bekanntheitsgrad. Die Provinzhauptstadt Ancona kennt man vielleicht noch am ehesten, weil von dort die Fähren nach Kroatien, Griechenland und der Türkei ablegen.

Der kleine Flughafen empfängt Gäste aus aller Welt. Beste Reisezeiten sind Frühjahr und Herbst – im Juli und August sind vor allem die Küsten überlaufen. Ancona als Ausgangspunkt einer Reise in die Marken ist nicht schlecht, denn Kunstinteressierte können Kunstschätze der Region gleich in der hiesigen Altstadt bestaunen. Sie ergießt sich über den Colle Guasco, einen Hügel oberhalb des Hafens. Den Dom San Ciriaco hoch oben, vom 7. bis 13. Jahrhundert erbaut und eine Mischung aus romanischen und gotischen Elementen, sieht man schon von weitem. Beeindruckend sind auch die Reste eines römischen Amphitheaters.

Das sind aber nur zwei von vielen Zeugnissen der Geschichte. Man befindet sich hier auf klassischem Boden, denn Ancona wurde im 4. Jahrhundert v. Chr. von griechischen Kolonisten gegründet. Unter der Herrschaft des römischen Kaisers Trajan baute man 115 v. Chr. den Hafen aus. Noch heute erinnert ein Triumphbogen an diese große Zeit der Stadt.

Südlich von Ancona erstreckt sich die Küste Riviera del Conero, deren Namensgeber der 572 Meter hohe Monte Conero ist, ein Kreidefels, der steil zur Küste abfällt. Hier oben lässt es sich in duftenden Wäldern wunderbar wandern. Um den Monte Conero erstreckt sich eine abwechslungsreiche Landschaft mit Orten auf den Hügeln, von denen man herrlich weit ins Land, aufs Meer und zu den nächsten mittelalterlichen Dörfern mit ihren Kirchtürmen und Festungen schauen kann. Weinberge, Steineichen, Erdbeerbäume, Kiefern, vereinzelt auch Zypressen schmiegen sich an die sanften Erhebungen. Die blaue Flagge für klares, sauberes Wasser weht an den meisten Badestränden.

Geschichtsträchtig nächtigen lässt es sich im Fortino Napoleonico in Porto Nuovo, einer alten Festung direkt am Meer, deren Umrisses an das napoleonische Zeitalter erinnern. In der Tat ließ der italienische Vizekönig Eugène de Beauharnais das Gebäude zwischen 1811 und 1813 auf Weisung seines Stiefvaters Napoléon Bonaparte errichten, 1969 wurde es renoviert und zu einem Hotel umgebaut. Auf der schönen Dachterrasse hört man in den Sommermonaten während der Mahlzeiten das Meer rauschen. Der Blick aus den Zimmern geht leider nur in den begrünten Innenhof.

Der engagierte Bürgermeister des Küstenörtchens Numana hat viele Ideen, wie er seine Gäste auch in der Nachsaison anlocken will. So sollen seine Landsleute künftig im Winterhalbjahr die Restaurants offen lassen. Seine Empfehlung, im „La Torre“ Fisch zu essen, ist ein guter Tipp: freier Blick aufs Meer, wohlschmeckende Gerichte und feiner Wein aus der Region, sowohl der weiße Verdichio als auch der Rosso Conero. Regionale Gerichte sind kein Risiko, sei es Stockfisch oder eine deftige Fischsuppe – so frisch wie hier an der Küste bekommt man es daheim nicht.

Die malerischen Bergorte Offagna und Osimo, beide auf Hügeln erbaut, sind sehenswert. Natürlich darf ein Besuch in Loreto nicht fehlen. Hier steht die renommierteste unter den über eintausendfünfhundert Kirchen, die Maria in Italien geweiht sind. Nach dem Petersdom in Rom ist Loreto der wichtigste Wallfahrtsort in Italien. In der Basilika ist die Casa Santa zu sehen, das angebliche Geburtshaus Marias, das der Legende nach von Engeln aus Nazareth nach Loreto getragen worden sein soll. Die Anziehungskraft des Marienheiligtums von Loreto ist seit 700 Jahren bis heute nicht gemindert: ein beindruckendes Bauwerk auch für weltliche Besucher.

Ellen Ersing

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