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Auf der gleichen Route wie die Zugvögel

21. April 2019

Urlauber können in der Region um den kleinen dänischen Ort Hoyer die frische Seeluft in Kombination mit sehenswerten Vogelschwärmen genießen

Bei der Suche nach wärmeren oder kälteren Gebieten sind nicht nur die Vögel einen ansehnlichen Teil des Jahres unterwegs. Auch die Touristen stehen ihnen da nicht viel nach. Wer dann auch noch beide Gattungen auf einer Ebene sehen möchte, sollte sich ins südliche Dänemark an die deutsch-dänische Grenze begeben. Die Region am Wattenmeer um Hoyer ist unter Zugvögeln offensichtlich ein Drehkreuz, um Strecke zu machen. So kommen die zweibeinigen und fluguntauglichen Gäste regelmäßig in den Genuss, die frische Seeluft in Kombination mit sehenswerten Vogelschwärmen zu genießen.
Zwar ist die Region um den kleinen Ort Hoyer westlich von Tondern durch die „schwarze Sonne“ bekannt, wenn sich Millionen Stare in Schwärmen treffen, um zu ziehen und in den Gräben Hunderte mit Ferngläsern das Treiben verfolgen, aber auch ohne dieses Schauspiel ist ein Ornithologe dort gut aufgehoben.
Wer nach Hoyer kommt und nach Sehenswürdigkeiten sucht, wird vornehmlich zur Schleuse geführt. Dieses Bauwerk ist von nicht unerheblicher Bedeutung für den Ort, reguliert die Wassermengen, die durch die Tiden (Ebbe und Flut) in unterschiedlichen Höhen anfallen und war einst sogar zum Schutz des kleinen Hafens gebaut. 1859 wurde mit dem Bau der ersten Schleuse begonnen, die mit dem neuen Deich im vergangenen Jahrhundert aber in den 80er-Jahren völlig erneuert und somit modernisiert wurde. Einst fuhren aus dem Hafen des kleinen Ortes Fähren nach Sylt. Das ist mit der neuen Hochwasser-Schutzanlage aber längst Vergangenheit.
Dass Teile dieser Landschaft zum Nationalpark ausgerufen wurden und die Region um Hoyer auch zum UNESCO Weltnaturerbe wurde, hat offensichtlich die fliegenden Zeitgenossen besonders gefreut. „Wir haben hier jetzt Vögel in einer Anzahl, die schon erstaunlich ist“, strahlt Hans Tonnesen. Er ist von der Kommune Tondern als Naturschutzbeauftragter häufig mit Schulklassen und anderen mehr oder minder interessierten Gruppen auf dem Marschland anzutreffen. Das Gebäude vor der Schleuse soll demnächst ein Standort für die Vermittlung des Wissens werden, das nicht zuletzt durch Hans Tonnesen über die Region zwischen den Orten und der Nordsee angehäuft werden konnte.
Einen optimalen Einblick in die Welt der Austernfischer, der kleinen Brachvögel, unterschiedlichen Möven und auch der Seeadler erhalten die Besucher der Region über den Marschpfad, der sich über 54 Kilometer als Wanderweg durch das wasserträchtige Land nördlich der deutsch-dänischen Grenze zieht. Immer wieder werden die Priele von Höckerschwänen, Silberreihern und auch kleineren Vögeln wie beispielsweise Kiebitzen geziert. Den neuen dänischen Wildschwein-Schutzzaun nehmen die Vögel übrigens gern als Sitzplatz mit Blick über die Landschaft in Anspruch. „Muss ja auch sein Gutes haben“, urteilt ein Einwohner von Hoyer etwas kritisch angesichts der Geldausgabe seines Königreiches.
Wer sich mitten in die einzigartige Natur einnisten will, ist dafür in Hoyer optimal aufgehoben, weil hier die Wege zentral zusammenlaufen. Zudem ist der Weg ins Watt von Römö zum Austernsammeln auch nah dabei. Um die steigende Anzahl von Wanderern unterbringen zu können, hat Kaare Holler Jessen das ehemalige Bahnhofshotel der Ortschaft Hoyer gekauft und baut es als zeitgemäßes Hotel weiter aus. Er bietet allerdings ausschließlich Übernachtungen mit Frühstück an. Wer sich kulinarisch verwöhnen lassen will, sollte sich im Restaurant „Ae Kalgo“ anmelden. Per Nielsen hat sein Restaurant 2017 eröffnet und bietet lediglich ein Gericht in mehreren Gängen pro Abend von donnerstags bis sonntags an. Alle 35 Plätze sind immer sehr schnell ausgebucht, sodass sich eine Voranmeldung empfiehlt. „Meine Gerichte sind in der Herstellung recht zeit- und zutatenaufwändig, deshalb habe ich keine Speisenkarte zur Auswahl. Sie steht aber immer im Netz“, freut sich Per Nielsen über den großen Zuspruch. Lediglich das Gericht „Schwarzsauer“ lief nicht so gut, ansonsten ist der einfallsreiche Däne mit dem eigenen Kräutergarten am Hause sehr zufrieden.
Kurt Sohnemann

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