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Auf den Spuren des Nachtwächters

22. April 2018

50 Teilnehmer erfuhren beim Rundgang in Otersern mehr über die Arbeit von Michael C. Eggers

Auf den Spuren des ehemaligen Nachtwächters der Gemeinde Otersen wandelten vor Kurzem rund 50 Teilnehmer gemeinsam mit Jens Leska, der heute dort wohnt, wo vor über 240 Jahren am damaligen Ortsrand im Gemeindehaus der Nachtwächter Michael Christoph Eggers und die Hirten lebten. Zu den Teilnehmern des Rundgangs gehörten viele Mitglieder des Schützen- und Heimatvereins Wittlohe, die sich beim Rundgang über die Ortsgeschichte des Nachbardorfes Otersen unterhaltsam informieren ließen.

Als Michael Eggers 1777 zum Nachtwächter bestellt wurde, bekam er eine Wohnung im Gemeindehaus der Dorfschaft Otersen auf dem heutigen Grundstück in der Turmstraße 1. Dort, wo heute Jens Leska wohnt, stand früher am Ortsrand ein Fachwerkhaus mit weißen Gefachen. Hier begann der jüngste Rundgang „Auf den Spuren von Nachtwächter Eggers“. In schwarzer Kluft und mit Horn, Hellebarde und Lampe, der typischen Nachtwächter-Ausrüstung, berichtete Jens Leska von den Aufgaben des Nachtwächters: Von 22 bis 4 Uhr musste der Nachtwächter an sieben Stellen im Dorf blasen, als Arbeitsnachweis gegenüber den Bauern und um Dieben seine Anwesenheit zu zeigen. Feuer und Gesindel musste der Nachtwächter melden.

Nachtwächter und Hirten waren vor 240 Jahren sogenannte „Häuslinge“ niederen Standes. 1777 verdiente Michael Eggers als Nachtwächter nur 108 Bremer Groten jährlich. Von diesen Münzen zeigte Jens Leska einige Exemplare. 108 Groten entsprachen lediglich 1,5 Talern. Zum Vergleich: Der „Rector“ des Dom-Gymnasiums soll damals 100 Taler und der „Conrector“ mit 60 Talern den 40-fachen Lohn verdient haben. Zusätzlich zu den 108 Groten bekam Eggers von der Dorfschaft Otersen aber noch eine Kuhweide, durfte Torf als Brennmaterial selber stechen und erhielt 24 Himten (1 Himten = etwa 31 Liter) Roggen.

„Aus dem Getreide hat Eggers wahrscheinlich den „Nachtwächter-Schluck“ schwarz gebrannt“ mutmaßte Jens Leska beim Rundgang augenzwinkernd. Zum Abschluss wurde ein „Nachtwächter-Schluck“ (ein Roggen-Kartoffelschnaps mit Johannisbeeren) verkostet.

(stl/ch)

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