Fotos: Iris Heins

Auf Darwins Spuren

8. Mai 2016

Im Lande der Koalabären, Kiwis und weißen Kakadus

Egal, wohin man geht, der feine Duft von Eukalyptus liegt in der Luft. Ob nun in der Stadt Katoomba, auf der Anhöhe am Echo Point, von wo aus man seinen Blick in die Ferne schweifen lassen kann, oder neben einem der Bachläufe in einem der Täler. Die Blue Mountains im australischen New South Wales tragen ihren Namen schließlich nicht umsonst. Der Nationalpark mit seinem Sandsteingebirge westlich von Sydney erstreckt sich über gut 2.500 km², die vor allem mit Eukalyptusbäumen bewachsen sind, und deren Öle und Staubpartikel in der Luft lassen die Umgebung bei hoher Luftfeuchtigkeit blau erscheinen. Aber nicht nur für die Nase ist ein Ausflug in die „Blauen Berge“ ein Erlebnis. Neben besagtem blauen Schimmer, der für sich genommen schon einen Besuch wert ist, gibt es eine reiche Vogelwelt zu bestaunen. Weiße Kakadus fliegen in kleinen Gruppen über die tiefgrünen Baumwipfel, im Flusslauf baden Loris. Die vielfältige Flora und Fauna waren es wahrscheinlich, die schon Charles Darwin zu Beginn des 19. Jahrhunderts hier her gelockt haben. In dessen Fußstapfen kann man denn auch noch heute auf dem Charles Darwin Trail wandern.

Wer noch weiter in die Vergangenheit reisen kann, sollte sich mit John aus dem Informationszentrum am Echo Point unterhalten. „In unserem Nationalpark kann man ein perfektes Beispiel von Evolution sehen. Überleben durch Anpassung, das muss sich der Eukalyptus gedacht haben. Australien ist als eigener Kontinent entstanden, weil Plattenbewegungen den Urkontinent Gondwana zerteilten“, erzählt er stolz jedem, der, eigentlich auf der Suche nach einer Wanderkarte, etwas Zeit mit in das Zentrum bringt. „Nachdem Australien als separater Kontinent existierte, haben sich im Laufe der Zeit über 90 unterschiedliche Eukalyptusarten entwickelt. Jede in ihrer eigenen Nische gefunden, die ihr Überleben sichert.“

Nach weiteren fünf Minuten Small Talk danke ich John innerlich für die Biologie- und Erdkunde-Auffrischung und mache mich mit meiner Wanderkarte auf den Weg. Erste Station: Die Three Sisters, eine Sandsteinformation aus drei großteils freistehenden Felsen, und wohl das bekannteste Postkartenmotiv des Nationalparks. Als ich einen der Felsen vom „Festland“ aus über eine Brücke betrete, kann ich fast hunderte von Meter in die Tiefe gucken und auf der Brücke stauen sich die Touristen, die Fotos von sich und den Felsen machen. Ich wähle danach einen weniger belaufenen Weg, der mich über Flüsse und Bäche führt, die in beeindruckende Wasserfälle übergehen. Warum hier nicht ebenso viel los ist wie an den Three Sisters wird mir zwei Stunden später klar, als ich gerade erfolgreich unter Felsvorsprüngen durchgekrabbelt bin vor einer steilen Stahlleiter stehe, die gute 50m in die Tiefe führt und die man nur rückwärts, also mit dem Gesicht zum Fels gewandt, benutzen darf.

Ich muss aufpassen, dass ich nicht selbst zum Beispiel der Evolutionstheorie und der These vom „survival of the fittest“ werde, nach der jeder in seiner Nische der Beste ist und deshalb überlebt, denn dieses Gelände gehört definitiv nicht in meine Heidekreis-Nische.

Iris Heins

 

Neuseeland1 Neuseeland2

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