Foto: Kurt Sohnemann

Aston Martin DB 11 AMR

11. August 2019

Aston Martin DB 11 AMR Thomas Riese
Verarbeitung
Gepäckraum
Verbrauch
Leistung
Ausstattung
Sitze

Bewertung:

3.5


Bond-Dienstwagen mit edelstem Zuschnitt – Aston Martin besticht durch sein augenfälliges Design und seine nahezu unbändige Kraft unter der Fronthaube

Wäre er jetzt auch noch zu schmecken, wären alle Sinne nach allen Kräften bedient. Der Aston Martin DB 11 AMR lässt keine Möglichkeit aus, den Insassen alles zu bieten, was die Automobilindustrie aufzubieten hat. Der kompakte Schlüssel lässt schon erahnen, dass hinter den Funktionen des Öffnens von Fahrgastraum und Gepäckraum eine ganz besondere Ladung automobiler Ingenieurskunst steckt.

In geduckter Haltung erwartet das Coupé in 1,95 Metern Breite und nur 1,25 Metern Höhe seine Gäste. Das dürfen zwei ausgewachsene Mitteleuropäer und zwei Kinder oder Pygmäen sein. Die Fondplätze sind offensichtlich nur eingebaut, um notfalls Personen mitzunehmen, deren Yogakünste für kurze Stecken reichen, um den Platz zu füllen. Was aber die Menschen in der ersten Reihe erleben, ist so schnell von keinem anderen Sportwagen zu toppen.

Nach dem Abklappen der etwas eigenwilligen Türöffner werden die Passagiere vom offensiven Ledergeruch empfangen. Zuvor gilt es, die Meisterleistung des Designs wahrzunehmen. Die britische Sportwagenschmiede, die überwiegend mit Karbonfasern gearbeitet hat, um den DB 11 AMR auf die Gummiwalzen zu stellen, lässt die Nähe zu Silverstone erkennen. Da mittlerweile auch die Formel I von Aston Martin bereichert wird und erstaunlicherweise Punkte einfährt, sind die Briten im Rennsport eine nicht zu übersehende Größe. Der DB 11 AMR fängt die Blicke der Menschen vorerst durch das augenfällige Design ein. Flache Bauweise mit zunehmend breiter werdenden Proportionen Richtung Heck und 295 Pneus auf 20-Zoll-Felgen machen nicht nur optisch dicke Backen.

Es steckt auch nahezu unbändige Kraft unter der Fronthaube, die sich nur von zwei Seiten aus dem Innenraum öffnen lässt. Offensichtlich eine Vorsichtsmaßnahme, damit nicht versehentlich an dem Öffner für die 639 Pferdestärken gezogen werden kann. Ansonsten ist auch der Innenraum relativ eigenwillig angeordnet. Vor- und Rückwärtsfahrten lassen sich durch Knopfdruck bestimmen, wie auch die Neutral- und Parkstellung des automatischen 8-Gang-Getriebes. Das muss immerhin mit 700 Newtonmetern Druck auf das Metall klar kommen. Schon bei 1.500 Umdrehungen ist die Kraft vorhanden. Obwohl 5.204 Kubikzentimeter Hubraum reichen sollten, um genügend Sportlichkeit zu erreichen, belässt es Aston Martin nicht dabei. Der Dienstwagen des Geheimagenten James Bond wird zusätzlich von zwei Turboladern zwangsbeatmet. So geben die zwölf Zylinder in V-Anordnung die Gewalt von 639 Pferdestärken ab.

Bei dieser Konstellation hat die britische Nobelmanufaktur nicht nur an die sportlich ambitionierten Käufer des Modells gedacht. Der gesetzte Familienvater darf im moderaten GT-Modus unterwegs sein. Wer einen höheren Benzinanteil im Blut vorweisen kann, schaltet schon nach dem Anlassen per Knopfdruck auf die Sport- oder Supersport-Taste.

Überdies lassen sich noch die Dämpfereinstellungen entsprechend hart vorwählen, sodass einem Abenteuer auf Asphalt nur noch die StVO im Wege steht. Auf Autobahnen und Rennstrecken ist der DB 11 AMR dann aber in jedem Modus bereit, die 334 Stundenkilometer aus den zwölf Köchern zu holen, egal welcher Modus vorgewählt ist. Das sollte auf jeden Fall genügen, um dem Brexit zu entkommen.

Einige serienmäßige Assistenzsysteme sorgen dafür, dass genügend Zügel angelegt werden können, damit die 639 Pferde nicht mit dem DB 11 AMR durchgehen können. Es ist aber insbesondere in den Sportmodi merklich, wie druckvoll das Getriebe auf den Heckantrieb einwirkt. Wenn der rechte Fuß gut dosieren kann, ist dies auf jeden Fall ein Vorteil, um mit dem Geschoss von der Insel klarzukommen.
Da der Platz im Gepäckabteil gerade so für einen Golfbag reichen sollte, ist eine weitere Voraussetzung geschaffen, den bildschönen Aston Martin über jeden Vorzeigeboulevard der Welt fahren zu lassen. Für Umzüge ist der DB 11 nicht konzipiert, und zum Abschleppen gibt es keinen Haken. Letzteres ist bestenfalls in Verbindung mit einer überzeugenden Ausstrahlung beim anderen Geschlecht möglich.

Etwas bedauerlich dürfte für einen Großteil der Gesellschaft sein, dass zwischen dem Kaufpreis von mindestens 223.000 Euro und der monatlichen Gehaltsabrechnung eine erhebliche Lücke klafft. Hier wird selbst denen deutlich, die Mathematik schon in der zweiten Klasse abgewählt haben: Der Aston Martin DB 11 AMR ist ein Privileg der Menschen, die nicht gegen Monatsende die Pfandflaschen im Bierkeller zählen.

Kurt Sohnemann

Technische Daten: Aston Martin DB 11 AMR
Hubraum: 5.204 ccm – Zylinder: 12 V Bi-Turbo – Leistung kW/PS: 470/639
8-Gang-Automatikgetriebe – Max. Drehmoment: 700 Nm/1.500 U/min.
Höchstgeschwindigkeit: 334 km/h – Beschl. 0-100 km/h: 3,7 Sek.
Leergewicht: 1.945 kg – Zul. Gesamtgewicht: 2.290 kg
Heckantrieb – Wendekreis: 12,4 m
Kraftstoffart: Super – Verbrauch (Test): 16,4 l/100 km
Effizienzklasse: G – CO2-Ausstoß (WA): 265 g/km – Euro 6
Grundpreis: 223.000 Euro

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