Fotos: Solveig Grewe

Alles eine Nummer größer

16. August 2015

Texas: Zahllose Rinderherden und die größten Steaks der Vereinigten Staaten

Zweihundert Kilometer Strand am Stück. In Texas darf es eben von allem etwas  mehr sein. Nicht nur die Steaks sind hier größer, auch die Farmen, die Cowboyhüte und natürlich die Autos sprengen europäische Dimensionen. Platz ist genug in den Dünen von Padre Island unten am Golf von Mexiko, doch natürlich stehen die paar Pickups so nahe es nur geht am Meer.

Typisch texanisch, so den Strand  zu erobern. Die  Pelikane nehmen es gelassen, ziehen ihre Kreise etwas höher, dem tief blauen Himmel entgegen.
Nur wenige Touristen finden ihren Weg in das abgelegene Naturschutzgebiet im Süden von Texas, doch leere Bierflaschen und angekokeltes Holz im Sand blieben als stumme Zeugen einer  Strandparty zurück.

Daneben ein Kunstwerk aus dem Sammelsurium, das man an einem Strand nun mal so finden kann. Vier Köpfe aus Stroh blicken unter den gelben Schutzhelmen wie sie die Arbeiter dort tragen beinahe vorwurfsvoll auf die Ölplattformen in der Bucht von Corpus Christi. Eine der wichtigsten Hafenstädte der USA,  deren verheißungsvoller  Name von ihrer Entdeckung durch die Spanier an einem Fronleichnamstag herrührt. Heute prägen den Hauptumschlagplatz für Erdöl und Erdgas Raffinerien  und  ein stehender, leicht stechender Geruch nach Öl.
In Texas wird das meiste Öl in den USA gefördert.

Wo die Bohrer nicht schnell genug zu dem schwarzen Gold gelangen, wird gesprengt. Unzählige Fracking-Stationen säumen die schier endlose Straße von Corpus Christi hinauf in den Norden. Immer wieder tauchen zwischen den Weiden voller  Rindern und dem struppigem Ödland dazwischen Öltanks auf. Umrahmt von Lastwagen,  Baumaschinen und Wohncontainern. Sie erzählen von dem Ölrausch, der den  Lonely Star State, wie Texas mit dem einen einzigen Stern in der Flagge auch genannt wird, erfasst hat. Nicht nur Ölfirmen, auch Restaurantbesitzer und Hoteliers setzen auf das schnelle Geld.
In einem Kaff flattert ein Plakat am Straßenrand im Wind.

„Schulbusfahrer gesucht“. Vielleicht sattelt ja ein Arbeiter auf einer der Frackingstationen um. Der fallende Ölpreis hat schon vielen Arbeitern dort wieder den Job gekostet.
So ist das nun mal in Amerika.  Heute ein Job da, morgen dort. Davon kann James Crowder ein Lied singen. Sein Berufsweg war alles andere als straight, erzählt der Mittsechziger schmunzelnd und öffnet die Tür zu seinem kleinen Schokoladengeschäft auf dem College Hills Boulevard in San Angelo.
„Wenn du etwas machst, dann musst du es schon richtig machen“, betont er und wird sehr ernst,  während der Duft nach warmen Kakao und geschmolzener Butter über die Ladentheke kriecht. Verkaufen kann James, der 1970 in die verstaubte Kleinstadt fast im Herzen von Texas zog.  Ob es nun Herrenbekleidung, Immobilien oder jetzt seine selbst erfundenen Schokoladenkreationen sind. Mit der ihm eigenen Gründlichkeit hat er nach einer Ausbildung zum Chocolatier auch noch das Designen von Schokolade studiert.

Fast täglich entstehen in der kleinen Küche gleich hinter dem Laden neue Interpretationen des süßen Goldes, sei es mit Erdbeermousse oder – sehr texanisch – mit Speck. Auf Blechen warten langsam erkaltende Platten aus heller Schokolade mit Karamell und Pecanüssen darauf, zerschnitten zu werden. Daneben die dunkle Variante in Formen, die die Silhouette eines Cowboys nachzeichnen. Sie gaben dem Laden von James seinen Namen: Cowboy-Up Chokolates. Für James stehen die Jungs für harte Arbeit, Überleben und ständiges Improvisieren. Ein Bild seiner selbst und von dem Land, in dem er lebt.
Texas ist der zweitgrößte Bundesstaat der USA. Weit ausgedehnte Ebenen mit zahllosen Rinderherden und schroffe Bergzüge lassen einen Hauch von Wildwest aufkommen. Moderne Akzente setzt die Hauptstadt Austin mit noblen Hotels, feinen Restaurants und ihrer jungen Musikszene. Dallas lockt mit zahlreichen glitzernden Wolkenkratzern und eleganten Boutiquen.

Trotzdem taucht auch in den Städten immer wieder der eine oder der andere  Cowboyhut auf. Wen wundert es: In allen größeren texanischen Städten finden regelmäßig Rodeos statt, auf denen Jung und Alt beim Bullen-Reiten, Stier-Ringen und Lasso-Werfen wetteifern.
An  den sonnigen Stränden am Golf von Mexico kommen Sonnenanbeter auf ihre Kosten.  Die in zwei Teile geteilte Sanddünen-Insel  Padre Island  lässt sich ab Port Isabel über den Queen Isabella Causeway sowie ab Corpus Christi über den JFK Causeway bequem mit dem Auto anfahren. Zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten von Corpus Christi zählen das Museumsschiff „USS Lexington“ und das Texas State Aquarium.

San Antonio mit seiner spanischen Architektur und dem berühmten River Walk entlang des Flusses mit den pittoresken Booten und den unzähligen kleinen Kneipen sorgen für unvergessliche Eindrücke. Direkt an der Grenze zu Mexico bietet der Big Bend-Nationalpark eindrucksvolle Blicke über den tiefen Canyon des Rio Grande.
Das Klima in Texas ist warm und trocken, im Sommer kann es allerdings sehr heiß werden. Die Lufthansa, Air Berlin oder American Airlines fliegen in etwa zehn Stunden nonstop von Frankfurt nach Dallas.
Solveig Grewe

Texas1 Texas3 Texas4 Texas5

Schlagworte:

, , ,



Comments are closed.

Back to Top ↑