Fotos: Sohnemann

Alle Zutaten für die Explosion der Urlauberstatistik

17. März 2019

Viele Gäste haben gerade im vergangenen Jahrhundertsommer die Reize der Küsten im Osten Deutschlands entdeckt

Manchmal sind es auch die Fahnenmasten, die ihren Senf dazu geben müssen, wenn sich die Wellen mit den Bäumen und Hausecken ein Lied teilen. Die Melodien, die in einzelnen Windstärken ihr Klangbild verändern, sind das unverzichtbare Begleitgeräusch an der Ostsee. Was Fahrradfahrer sich gern von vorn ersparen, ist den Seglern nur Recht. Neben Luftbewegungen und häufigem Sonnenschein hat die Ostsee aber auch jede Menge Natur in unterschiedlichen Formen zu bieten. Vielleicht hat der Jahrhundertsommer 2018 zur Entdeckung der Küste im Osten Deutschlands beigetragen, denn so viele Gäste hatte Mecklenburg-Vorpommern noch nie in der Geschichte des Tourismus‘.
„Wir sind im vergangenen Jahr von vielen Gästen erstmals neu entdeckt worden. Die Resonanz unserer Besucher war äußerst positiv, sodass wir mit einem weiteren Anstieg der Gästezahlen in dieser Region rechnen. Auch wenn die Rekordzahlen von 2018 nicht erreicht werden können, sind wir sehr zufrieden“, bekundet Melanie Jeschke vom Verband Mecklenburgischer Ostseebäder. Dass der Hafen von Rostock die Menschen zur alljährlichen „Hansesail“ in maritime Begeisterung fallen lässt, ist ihr seit vielen Jahren eine gewohnte Erscheinung. Jetzt sind es vermehrt die natürlichen Strände der Region, die sich in die Herzen der Deutschen und ihrer Nachbarn geschlichen haben. Das ist nicht nur ein Verdienst der salzigen Luft und des immer präsenten Wassers. Es ist auch das Ergebnis intensiver Bemühungen um die Bedingungen am nordöstlichen Küstenstreifen Deutschlands.
Als sich Leipzig um die Ausrichtung der Olympischen Spiele bewarb, sah Rostock den Tag gekommen, sich für die Segelwettbewerbe vorzubereiten. Auch wenn später die Spiele nicht nach Deutschland vergeben wurden, wurde das kleine Fischerdorf Hohe Düne komplett neu ausgerichtet. Seit 2005 bewirbt sich dort die Yachthafenresidenz Hohe Düne um Gäste aus dem Umland. 368 Betten wollen gefüllt werden, wie auch die 920 Liegeplätze für Yachten unterschiedlicher Größenordnung. Das ist im vergangenen Jahr auch zur vollen Zufriedenheit der Hotelverantwortlichen gelungen. Wer nicht segeln, baden, radeln oder spazieren wollte, hatte im 4.200 Quadratmeter großen Spabereich der Anlage eine Fülle von Möglichkeiten, Haut, Körper, Selbstbewusstsein und Wohlbefinden im Gegengewicht zum eigenen Portemonnaie aufmöbeln zu lassen. Die über 15 Fachkräfte des körperlichen Anwendungsbereichs hatten alle Hände voll zu tun. Damit das auch zukünftig so bleibt, ist die Anlage, die mittlerweile den Großteil des Dorfes ausmacht, renoviert und aufgewertet worden.
Eigentlich hat der Küstenstreifen um Rostock und Warnemünde herum überwiegend Strand mit Bernsteinfunden und ein ideales Gebiet für Wassersport jeglicher Art zu bieten, aber auch die Hansestadt hat schnell die Gäste begeistert, die sich auf ihren Straßen tummeln. Die backsteingeprägte Architektur mit den Museen, die astronomische Uhr in der Marienkirche und die häufigen Konzerte auf dem Universitätsplatz sind Magneten für die Innenstadt von Rostock.
Per Fähre lässt sich die Warnow permanent überqueren, um westlich Warnemünde und damit den nächsten Strandabschnitt zu erreichen. Etwas weiter westlich liegt dann mit Heiligendamm der Ort, der in den vergangenen Jahren insbesondere durch den G8-Gipfel von sich reden machte. Wer nicht allzu kleinlich in der Beurteilung der Bebauung ist, kommt zum Schluss, dass nahezu der gesamte Ort aus einem einzigen Hotelkomplex besteht. Unübersehbar ein idealer Treffpunkt für Politiker, die sich in Abgeschiedenheit ihren Entscheidungen widmen wollen. Das Grandhotel Heiligendamm ist seither ein willkommener Erholungsort für Menschen, die sich jenseits der Gesellschaft bewegen, die das Monatsende mit einkommendem Gehalt verbindet. Wer sich hier einmietet, will kulinarisch ebenso auf High End-Level versorgt werden, wie im Spa-Bereich. Durch die recht abgeschiedene Lage ist auch auf dem Strandabschnitt keine Überbevölkerung zu erwarten.
Um der relativen Einsamkeit oder Konzentration auf das Vorhandene in Heiligendamm zu entkommen, drängt sich die Fahrt im „Molli“ geradezu auf. Heiligendamm ist Haltestation für die Dampflok mit ihrem Waggongefolge auf dem Weg von Bad Doberan nach Kühlungsborn. Der „Molli“, wie er liebevoll von den Einheimischen genannt wird, bewegt sich auf schmaler Spur, findet aber großen Anklang.
Der Ausstieg in Bad Doberan wird allein schon deshalb zum Erlebnis, weil das Doberaner Münster zu den herausragenden Kulturschätzen an der Ostseeküste zählt. Ursprünglich im 12. Jahrhundert als romanische Kirche gebaut, ist es ein Jahrhundert später zum gotischen Dreh- und Angelpunkt der Zisterzienser der Region geworden. Der älteste Flügelaltar Europas in dem 26,5 Meter hohen Backsteingebäude in der Gesamtanlage ist nicht nur Anziehungspunkt religiös orientierter Besucher.
Romantischer als mit dem „Molli“ den Weg nach Kühlungsborn zu nehmen, ist kaum vorstellbar. Das dampfende und pfeifende Zugpferd bringt seine Gäste bis ins Zentrum des touristisch weit entwickelten Seebades. In Kühlungsborn haben die Besucher über eine kilometerlange Promenade Zugang zum Meer und können an dieser ein abwechslungsreiches Strandleben genießen. Ein kulinarisch bedeutsamer Punkt ist dabei aus einer einfachen Wurstbude entstanden. Die Familie Erdmann hat im Laufe der vergangenen Jahre ihre Currywurst zu einem Kultgericht entwickelt, das mit Champagner und Schiffchenpommes mit Trüffeln zu einem Renner für Gaumen und Magen wurde.
Spielt bei den Besucherinnen und Besuchern das körperliche Wohlbefinden durch Anwendungen eine tragende Rolle, ist das „Upstallsboom“ zur Mitte der Promenade eine empfehlenswerte Unterkunft. Aus dem ehemaligen Kreiskrankenhaus wurde 2009 ein Hotel mit 19 Suiten und 150 Zimmern gebaut. Der Spa-Bereich erstreckt sich über 1.300 Quadratmeter.
Kühlungsborn ist aber auch aufgrund der attraktiven Einkaufsstraßen in den beiden Ortsteilen eine Gemeinde, die ihre Besucher mit allen erdenklichen Angeboten versorgt. Von Kurkonzerten bis zu Anwendungen jedweder Art lässt sich die Auswahl kaum weitreichender fassen.
Kurt Sohnemann

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