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Mit drei Stundenkilometern auf altem Handelsweg unterwegs

6. Mai 2018

Historischer Salztransport führt in 14 Tagesetappen über 230 Kilometer von Soltau nach Quedlinburg

Vor mehr als 1000 Jahren – nach der Schenkung des früheren Curtis Salta (Hof an der Salzaue) in Soltau im Jahre 936 durch König Otto I. an das Reichskirchenstift Quedlinburg – wurde aus der Böhmestadt Salz in die heutige Stadt in Sachen-Anhalt transportiert – vermutlich mit Ochsentransporten auf zweirädrigem Karren. Der Soltauer Salzsiederverein lässt diese alte Tradition jetzt im Rahmen seines Jubiläumsprojektes – der Verein feiert seinen zehnten Geburtstag – wieder aufleben. Am Dienstag, 22. Mai, fällt auf dem Hof der St.-Johannis-Kirche der Startschuss für die rund 230 Kilometer lange Tour.

„Das Ereignis ist für uns eines der letzten Abenteuer Norddeutschlands.“ Wilfried Worch-Rohweder, Vorsitzender des Soltauer Salzsiedervereins, ist die Vorfreude auf das Event anzumerken. Wohl auch, weil er bei der Vorbereitung auf den Transport auf eine „Welle der Hilfsbereitschaft“ und großes Interesse nicht nur beim Fernsehen gestoßen ist. „Halberstadt hat sich selber eingeladen.“ Er freut sich nun auf den Empfang in der „guten Stube“ auf dem dortigen Schlossplatz.

So problemlos wie beispielsweise das Finden von Höfen zur Unterbringung der beiden Ochsen gewesen sei, sei auch die Suche nach den Tieren selbst verlaufen. Worch-Rohweder startete eine Anfrage bei der Arbeitsgemeinschaft Rinderanspannung. „Ich habe noch nie so schnell Antwort von einer Gruppe bekommen“, zeigte sich der Vorsitzende begeistert. Züchter und Eigentümer Jürgen Schlüter aus Brandenburg stellt Oskar und Paul zur Verfügung. Die 900 bis 950 Kilogramm schweren Zwillinge gehören zur vom Aussterben bedrohten Rinderrasse „Schwarzbuntes Niederungsvieh“. Auf die rund zwölf bis 21 Kilometer langen Streckenabschnitte hat der Züchter seine beide dreieinhalb Jahre alten Ochsen vorbereitet. „Sie werden im Schnitt wohl drei Kilometer in der Stunde schaffen“, geht Worch-Rohweder von fünf bis sieben Stunden langen Tagestouren aus. An dem jeweiligen Zielort wird auf einen Empfang bewusst verzichtet. „Wir wollen uns nicht hetzen.“ Stattdessen wird die Gruppe jeweils morgens um 9 Uhr in der Regel vom Bürgermeister und einem Kirchenvertreter verabschiedet. Am Start werden Soltaus Bürgermeister Helge Röbbert und der Superintendent des Kirchenkreises Soltau, Heiko Schütte, die Entlassung vornehmen.

Der Transportweg ist bereits aus der Bronzezeit bekannt, war Teil eines Handelsweges von Skandinavien in den Mittelmeerraum. Heutzutage lebt er als Pilgerweg unter dem Namen „Via Romea“ wieder auf. „Wir werden überwiegend auf Feld- und Waldwegen gehen“, so Worch-Rohweder. Lediglich um Braunschweig und durch Wolfenbüttel führt der Weg auf Hauptstraßen lang.

Insgesamt stehen 14 Tagesetappen auf dem Programm. In Osterwieck pausiert der Salzsiederverein am 3. Juni für einen Tag, nimmt dort an einem Mittelaltermarkt teil. Am Zielort, das Kirchenstift in Quedlinburg, wird das Speisesalz, das aus der Soltauer Sole im Pfannensiederverfahren hergestellt wird, bei einem besonderen Spektakel durch Kaiser Otto I. als Repräsentant des historischen Vereins „Kaiserfrühling“ in Empfang genommen.

„Der ganze Transport wird ein riesiger Spaß“, ist sich Worch-Rohweder sicher. „Wir würden uns freuen, wenn möglichst viele mitkommen würden“, fordert er zur Teilnahme auf. Auch das Mitlaufen auf einzelnen Etappen sei möglich. Mögliche benötigte Unterbringungen seien aber selber zu organisieren. Weitere Informationen gibt es auf www.historischer-salztransport.de.

(rie)

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