Aikido3

Kampfkunst statt Kampfsport

4. Februar 2018

Mit Aikido den Angreifer dazu bewegen, freiwillig seine feindliche Einstellung aufzugeben 

Bei dem Begriff „Aikido“ denken wohl viele: Was ist das eigentlich? Dass der Begriff mit dem asiatischen Kampfsport zu tun hat, ist den meisten noch geläufig. Doch worin besteht eigentlich der Unterschied zu zumindest im hiesigen Kreis bekannteren Kampfsportarten wie Karate, Taekwondo oder Judo?

Dierk Köster, Trainer der Aikido-Sparte der SG Benefeld-Cordingen, hilft hier mit einigen Informationen. Zunächst stellt er klar, dass Aikido eine Kampfkunst ist und kein Kampfsport. Besser wäre noch der Begriff „Kampfvermeidungskunst“. Denn der Begründer dieser humanen Selbstverteidigung, der Japaner Morihei Uyeshiba (1883 bis 1969), legte ebensoviel Wert auf die Unversehrtheit des Angreifers wie der Unversehrtheit des Angegriffenen, ganz nach dem Motto: „Die wahre Kunst des Aikido besteht nicht allein darin, einen Angreifer, wenn nötig, unerbittlich zu bezwingen, sondern ihn so zu führen, dass er freiwillig seine feindliche Einstellung aufgibt.“ Der Begriff „Aikido“ setzt sich aus den drei Silben Ai (Harmonie), Ki (Lebensenergie, ähnlich dem chinesischen Chi) sowie Do (Lebensweg) zusammen, was wörtlich übersetzt ungefähr „ideal koordinierte Energie“ bedeutet.

Beim Aikido gibt es, im Gegensatz zu Kampfsportarten wie Taekwondo oder Judo, keine Wettkämpfe, bei denen man einen Gegner bekämpfen muss. Dieses würde dem Grundprinzip vom Aikido widersprechen. Der Angriff eines Gegners soll nie hart abgeblockt oder bekämpft werden, sondern aufgenommen und in die eigene Bewegung integriert. Dadurch entstehen auch die fließenden Bewegungen, die sehr ästhetisch und spielerisch, teilweise tänzerisch, aussehen. Bei Wettkämpfen und auch beim Training wechselt man ständig von der Rolle des „Angreifers“ in die Rolle des „Abwehrers“, was auch bezwecken soll, sich besser in die Persönlichkeit des Widersachers hineinversetzen zu können.

Doch das Training beim Aikido dient nicht nur der körperlichen Fitness. Großer Wert wird auch auf achtsamen und respektvollen Umgang untereinander gelegt. Dies merkt man schon beim Betreten des „Dojo“, des Trainingsraumes, bei dem der „Sensei“ (Trainer) sowie die anderen Trainierenden mit einer Verbeugung begrüßt werden. Auch vor und nach einem Trainingslauf gehört das Verbeugen dazu, um dem Trainingspartner Respekt zu erweisen.

Dierk Köster berichtet, dass sich mit dem Erlernen und Ausüben vom Aikido eine tieferliegende Philosophie in das Unterbewusstsein „schleicht“. So zeigen die Aikidokas ein deutlich stärkere körperliche Präsenz und können auch im Alltag, wie beispielsweise bei einem Fahrrad-Sturz, durch Einsatz ihrer Fall-Techniken solche Situationen leichter wegstecken.

Bis es soweit ist, muss aber kontinuierlich trainiert werden. Auch, wenn die Trainingseinheiten, wie beispielsweise die Rolle rückwärts, sehr spielerisch wirken, steckt dahinter oft eine Trainingszeit von einigen Monaten. Das Training ansich beginnt mit Übungen zum Aufbau der Muskulatur und hier vor allem der Rumpfmuskulatur, da sämtliche Bewegungen aus der Körpermitte heraus erfolgen. Danach folgen Übungen der „Grundschule“, wie das Abrollen rückwärts, vorwärts und seitwärts sowie der freie Fall, bevor es an die Hebel- und Bodentechniken geht. Auch die Kommunikation untereinander und gegenseitige Rücksichtnahme und Hilfestellungen sind wichtig, denn auch geistig soll der Trainierende eine gewisse Reife erhalten.

Wer Lust hat, diese Kampfkunst einmal selbst zu erleben, kann dies in der Turnhalle der Grundschule Benefeld, Pestalozzistraße 21, jeweils dienstags von 18 bis 20 Uhr und samstags von 16 bis 18 Uhr. Allgemeine Sporttauglichkeit ist Voraussetzung. Ist diese vorhanden, kann die Sportart auch im hohen Alter noch ausgeübt werden.

Informationen über Dierk Köster, Telefon (05164) 802300, sowie Marius Grzelczak, Telefon (05162) 900107, oder auch im Internet unter www.aikido-benefeld.de.

(ch)

 

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